Der Pomeranzengarten des Lothar Franz von Schönborn - er hat nicht funktioniert. Zu lehmhaltig war der Boden, zu rau das Klima in Pommersfelden. Ein Traum des Bamberger Fürstbischofs war es dennoch, einer, den Kunsthistorikerin Angela Nusser vor den Mitgliedern des Heimatvereins Reicher Ebrachgrund wieder auferstehen ließ.
"In Campus Pomerancis - wie die goldenen Äpfel nach Pommersfelden kamen" titelte der Vortrag, den die Beirätin im Heimatverein nicht nur fachlich hervorragend, sondern auch höchst amüsant der Mitgliederversammlung unterbreitete. Die Vermutung, der Name Pommersfelden komme von den Pomeranzen, räumte die Referentin sogleich aus. Dafür vermittelte sie ihren Zuhörern einiges, das diese sicher noch nie gehört hatten.


Ein zwielichtiger Truchsess

Wie der Erbauer von Schloss Weissenstein - "die Schreibweise mit Doppel-s hat sich im Schloss-Marketing eingebürgert" - zu Geld für seinen Prachtbau kam, beispielsweise. Nachdem er vom letzten Truchsess die Herrschaft über Pommersfelden geerbt hatte. Diesem Truchsess Friedrich Ernst, einer recht "zwielichtigen Person", habe der Fürstbischof aus seinem juristischen Schlamassel herausgeholfen und einen Teil seiner Schulden bezahlt. Das Erbe war der Dank dafür.
Schließlich war es dann die Kaiserwahl 1711, von der Lothar Franz als zuständiger Organisator enorm profitierte. "Er hat gerne genommen, was man ihm angeboten hat: nicht nur Barschaft, auch Gemälde und andere wertvolle Dinge." Im April 1711 sei der Kaiser gestorben, im Oktober gleichen Jahres sei bereits der Grundstein für Schloss Weissenstein gelegt worden. Und zwar unter dem Hauptaltar der Schlosskapelle, wo er bis heute liegt.
Mit dem Hauptbau sei auch der Garten für die Zitruspflanzen begonnen worden, "der Pomeranzengarten mit goldenen Äpfeln, Wasserspielen und kleinen Labyrinthen". Heute ist davon nichts mehr übrig. Der Nachfolger des Fürstbischofs Lothar Franz, Friedrich Karl von Schönborn, ein passionierter Jäger, sorgte zusammen mit Balthasar Neumann für die Umwandlung des Pomeranzengartens in einen Fasanengarten. Von dort habe es eine Verbindung in das Jagdrevier "Saupark", der heutigen "Weich", gegeben.
Für Susanne und Otto Deppert (Pommersfeldener Heimatmusik), die den Heimatfreunden aufspielten, war die Versammlung ein Heimspiel. Rudolf Schmidt, der vor einem Jahr den langjährigen Vorsitzenden Franz Kachler ablöste, gab einen Bestand von 384 Mitgliedern, etwas weniger als im Vorjahr, bekannt. Schatzmeister Hans-Günter Emrich sieht dennoch zuversichtlich in die Zukunft: Das Archiv in Mühlhausen, dessen Mietkosten einen Großteil der jährlichen Ausgaben ausmachten, wurde im vergangenen Jahr aufgegeben. Nur wenige Meter davon entfernt konnten neue Räume in der Bamberger Straße 6 bezogen werden. Durch den Umzug hat der Verein zwar geringere Kosten, allerdings keinen Versammlungsraum mehr.


Ausstellung zur Kirchweih

Weitere Aktivitäten waren die Herausgabe des 29. Heimatboten sowie eine Ausstellung zur Kirchweih über Leben und Werk des verstorbenen Heimatforschers Johann Fleischmann. Gertrud und Anna Bär hatten die Ausstellung gemeinsam mit Thomas Simon zusammengetragen. Thomas Simon, ambitionierter Vereinsfotograf, hatte von einem Rundflug über den Reichen Ebrachgrund herrliche Luftaufnahmen mitgebracht.
Für die Kinder hatten Ingrid Geyer und Ursula Lebender im Sommer ein interessantes Ferienprogramm mit Lagerfeuer auf die Beine gestellt. Außerdem hat der Heimatverein als achten Band seiner heimatkundlichen Sonderschriften zusammen mit den Kirchengemeinden ein Buch über den ökumenischen Kreuz-, Auferstehungs- und Bibelweg herausgebracht.
Franz Kachler, seit einem Jahr Ehrenvorsitzender des Vereins, zeichnet auch weiterhin für die Redaktion des Heimatboten verantwortlich. Das 30. Jahresheft solle etwas ganz Besonderes werden, betonte Kachler, der auch die Homepage des Vereins aktualisiert hat. Aufzurufen ist sie unter www.reiche-ebrach.de.