Als sich ein Pulk junger Menschen gegen halb zehn Uhr am Dienstag aus dem Vereinshaus ins Freie begibt, scheinen die meisten guter Dinge. Der erste von drei Teilen der Abschlussprüfung ist geschafft, die angehenden Einzelhändler und Verkäufer dürfen eine Pause machen.

Ziemlich einfach fand der 22-jährige Joshua die Fragen bis dahin. Die ersten 90 Minuten drehten sich um Verkauf und Marketing. Und auch Tanja und Dominique strahlten Optimismus aus. "Es war okay", sagt die 21-jährige Tanja aus Schlüsselfeld. Für "machbar" hielt es auch ihre 20-jährige Freundin aus Aisch. Sie schiebt allerdings hinterher, dass sie manche Fragen nicht so ganz verständlich fand.

Und da war dann noch etwas: diese Frage mit dem Geldschein. Die hat wohl viele überrascht. Als Joshua aus Höchstadt das nennt, erhält er zustimmendes Murmeln aus der Gruppe der Prüflinge. "Da hab ich wohl keinen Punkt", sagt Tanja. Die Insider respektive die Prüflinge wissen, was gemeint ist.

Rund 90 Prüflinge sind es, die gestern und heute im Vereinshaus ihre Prüfung ableg(t)en. Sie alle besuchen die Berufsschule in Herzogenaurach. Im Geschäftsstellenbereich Erlangen sind es insgesamt 288 junge Menschen, in ganz Mittelfranken 4413 in 50 verschiedenen kaufmännischen Berufen. Das berichtet die IHK Nürnberg in einer Pressemitteilung.


Früher in der Turnhalle

Früher fanden die schriftlichen Tests in der Turnhalle der Berufsschule statt, sagt Prüfungsleiterin Ute Schwarm. Doch als die Flüchtlinge nach Herzogenaurach kamen und die Halle gleich zweimal zum Quartier umfunktioniert wurde, musste man ausweichen. "Wir waren auch mal in den Klassenzimmern", sagt die Organisatorin. Aber das sei zu eng gewesen. Und so sei in Herzogenaurach nur noch das Vereinshaus in Frage gekommen.

Platz genug ist im Saal und den Prüflingen gefalle das auch, weiß Ute Schwarm. Im letzten Jahr habe eine Schülerin das Vereinshaus als sehr angenehm beschrieben, eben weil es weit weg sei von der Schule. Doch die Lokalität hat auch einen Nachteil: zu wenig Parkplätze vor der Tür. Viele Prüflinge kämen mit dem Auto, weil sie aus entfernt liegenden Orten anfahren, sagt sie. Und trotz Fahrgemeinschaften braucht's dann halt immer noch genügend Plätze zum Parken. Aber: Alle waren sie pünktlich. Man nimmt so eine Prüfung eben nicht auf die leichte Schulter.

Unterstützt wurde Ute Schwarm, die selbst einmal Bürokauffrau gelernt hat, von vier ehrenamtlichen Kräften. So wie von Christian Merettig, der bei Adidas im Outlet als Sales Manager arbeitet und gestern Nachmittag bis Abend dort auch wieder ran musste. Weil auch ein paar seiner Auszubildenden in der Prüfung waren, habe er sich als Aufsicht gerne zur Verfügung gestellt, sagte er.

Die Prüfungsleiterin Ute Schwarm, die die Schüler bis zur Abschlussfeier begleitet, übernimmt diese Aufgabe seit sechs Jahren. Bisher habe es nie Probleme gegeben, sagt sie, die jungen Menschen seien diszipliniert. Das Handy muss ausgeschaltet in der Tasche bleiben und mit einem Spickzettel habe sie in all den Jahren noch keinen einzigen Prüfling erwischt. Übrigens würde Spicken für die Azubis ein halbes Jahr Verlängerung bedeuten.


Mündlich folgt noch

Damit keine Unruhe aufkommt, müssen die Prüflinge sitzen bleiben, bis sie fertig sind. Es sei denn, es ist Pause. Dann ermahnt Ute Schwarm sie schon mal, still zu sein. Aber auch ihre Fürsorge sei gefragt, wenn mal ein Schüler besonders aufgeregt ist oder Hilfe braucht. "Für den Notfall habe ich Hustenbonbons, Tee und Taschentücher dabei", betont Schwarm.

Schriftlich geprüft werden an den beiden Tagen Auszubildende aus folgenden Berufen: Verkäufer, Industriekaufleute, Bankkaufleute, Kaufleute im Groß- und Außenhandel, Kaufleute im Einzelhandel, Kaufleute für Bürokommunikation sowie Kaufleute für Büromanagement. Im Juni und Juli legen die Auszubildenden die mündlichen und praktischen Prüfungen an der Berufsschule ab. Mit bestandener Prüfung endet dann am letzten Prüfungstag die Lehrzeit der Azubis.