Dass man sich lieber an eine Ladung vor Gericht halten sollte, musste ein 25-jähriger Angeklagter vor dem Amtsgericht Erlangen erleben. Zur angesetzten Verhandlung war er nicht erschienen, was dazu führte, dass ein sogenannter Sitzungshaftbefehl gegen ihn vollstreckt wurde. Drei Wochen saß er - quasi als Kostprobe - hinter Gittern, bis am Mittwoch der Prozess stattfand.

In Fußketten und unter Begleitung zweier Justizbeamter mit Pistole im Holster wurde er in den Saal geführt. Dort wartete bereits die Dolmetscherin auf den polnischen Staatsbürger, um ihm den Fortgang der Verhandlung in seine Muttersprache zu übersetzen.

Gegenstand war eine Augustnacht im Jahr 2017 in Hemhofen, an die sich der in Pottenstein lebende, gelernte Zimmermann, nach eigenen Angaben nur abschnittsweise erinnern könne. Er sei stark betrunken gewesen. Zusammen mit einem Kumpanen sorgte er damals für einen Polizeieinsatz rund ums Hemhofener Schloss. Was die Beweggründe dafür waren, dass die beiden mit voller Wucht mit den Füßen gegen die Metalltore in der Schlossmauer donnerten, wurde vor Gericht nicht geklärt. Betrunken wie er damals war, hätte er es wohl selbst zum Tatzeitpunkt nicht so richtig beantworten können, was die sinnlose Zerstörungswut eigentlich soll.

Beide flüchten vor Polizeistreife

Nach Auskunft eines Polizisten, der damals im Einsatz war und vor Gericht als Zeuge aussagte, sorgten die Tritte für einen Schaden an Toren und Sandsteinmauer von rund 2000 Euro. Die lauten Schläge bekam damals ein Anwohner mit, der, gegen 22.30 Uhr, zum Hörer griff und die Polizei rief. Als diese mit einer Streife in Hemhofen eintraf, hatten die beiden das Weite gesucht.

Der Anwohner konnte den Polizisten die Richtung nennen. Doch die beiden Randalierer kamen zurück und versuchten vor den Suchscheinwerfern des Streifenwagens zu türmen - und zwar genau über den Zaun des Hemhofener Anwohners, der die Polizei gerufen hatte und auf seiner Terrasse stand.

Polizisten sprinten hinterher

In seinem Garten versuchten die beiden sich zu verstecken, die Polizisten jedoch sprinteten hinterher. Den Kumpanen konnten sie festnehmen - er ist mittlerweile ebenfalls verurteilt.

Als der damals 22-jährige, nun Angeklagte die Polizei bemerkte, versuchte er weiter durch den Garten zu fliehen und stieß dabei den Anwohner so stark mit beiden Händen weg, dass dieser eine bepflanzte Böschung hinunter stürzte.

Zwei Tage im Krankenhaus

Mit einem Rippenbruch, einem gebrochenen Schultereckgelenk, Schürfwunden und starken Rückenschmerzen lag der 50-jährige Hemhofener schließlich zwei Tage in der Chirurgischen Klinik und war wochenlang arbeitsunfähig. Und auch psychisch hat die Tat Spuren beim Opfer hinterlassen. Richterin Daniela Ruderich lagen dementsprechende Atteste vor. Wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung konnte er nicht am Prozess teilnehmen.

Alles zugegeben

Was jedoch nicht zwingend nötig war. Denn gleich zu Beginn der Verhandlung hatte der Angeklagte bereits die Taten voll und ganz zugegeben. Dies erleichterte nicht nur die Beweisführung, sondern hatte auch mildernde Wirkung aufs Urteil. Auch die Tatsachen, dass er unter Alkoholeinfluss stand und dass er in Deutschland noch nicht straffällig geworden war, wurde dabei berücksichtigt.

Wegen Sachbeschädigung sowie Körperverletzung in Tateinheit mit Hausfriedensbruch verhängte die Richterin eine Haftstrafe von neun Monaten, die sie auf Bewährung aussetzte. Zudem muss er 1500 Euro in monatlichen Mindestraten von 100 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen sowie die Kosten des Verfahrens tragen.

Die Richterin blieb bei der Bewährungsstrafe leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte auf zehn Monate plädiert.

Drei Jahre darf sich der Mann nun nichts zu schulden kommen lassen, nicht gegen die Bewährung verstoßen. Ansonsten würde er dorthin wandern, wo er zu Prozessbeginn herkam: ins Gefängnis. Denn eine "Kostprobe" hatte er ja bereits. Oder wie die Richterin es formulierte: "Ich hoffe, diese drei Wochen haben solchen Eindruck hinterlassen, dass Sie sich auch bewähren."