Zwei Greifvögel kreisen spielerisch über dem Grünsee. Selbst mit bloßem Auge fallen der rotbraune Körper und die weißen Streifen auf der Flügelunterseite auf: Rotmilane (Milvus milvus).

Erst im vergangenen Jahr führte der Landesbund für Vogelschutz eine bayernweite Zählung der Habichtverwandten durch. An der mittleren Aisch bei Adelsdorf wurde kein dauerhafter Aufenthalt oder gar ein Horst beobachtet.

Der Grünsee, die Weiher ringsum und die dazwischenliegenden Feuchtwiesen sind zweifellos ein erhaltenswertes Biotop. Sie sorgten vor einigen Jahren für allerhand Gesprächsstoff in Adelsdorf, als die Gemeinde beabsichtigte im Anschluss an die bestehende Bebauung am Oesdorfer Weg ein Baugebiet zu errichten.

Dagegen wurde vor allem von den Anliegern einiges ins Feld geführt.
Hauptsächlich befürchteten die Hausbesitzer der Siedlung am östlichen Ortsrand eine Überlastung der Abwasserkanäle. Argumentiert wurde aber auch mit der Gefährdung des angrenzenden Biotops.

Inzwischen sind die ersten Häuser schon bezogen und die übrigen Grundstücke sind Baustellen. Der Weg entlang der Häuserzeile ins Grüne scheint recht beliebt zu sein. Am Nachmittag trifft man Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern und andere Spaziergänger an.

Gerade im Frühjahr gibt es für sie etliche biologische Entdeckungen zu machen, vor allem an den Seiten des Feldwegs auf der Ostseite des Geländes. Die gewittrige Wetterlage lässt Scharen von Mehlschwalben (Delichon urbicum) ganz niedrig über die die Wasseroberfläche schießen. Scharfkantig wächst des junge grüne Schilf zwischen den Rohren des letzten Jahres auf. Dazwischen Binsen und Sauergräser. Zwischen denen sich Blässhühner und Enten verstecken.

Süße Blüten

Hinter einer Hecke öffnet sich der Blick auf eine Wiese mit unendlich vielen lilaroten Blumen. Ein paar Schritte näher erkennt jedermann: Das ist so eine bunte Wiese, wie ich sie als Kind erlebt habe. Sie weckt Erinnerungen. Den Zucker aus den Blütenkelchen des Rotklee oder der Schlüsselblume haben zumindest früher Kinder gerne geschleckt. An feuchten Wiesenstellen fanden sie dann auch noch die Blutströpfchen (Geum rivale), auch Bach-Nelkenwurz genannt.

Stellt man sich dann noch den schon fast widerlich süßen Geruch des Mädesüß (Filipendula ulmaria) vor, bekommt man ganz langsam eine Vorstellung, wer außer dem Breitblättrigen Knabenkraut (Dactylorhiza maialis) noch alles die Feuchtwiesen um den Grünsee bevölkert.

Für die Orchidee charakteristisch sind braune Flecken auf den lanzettlichen Blättern. Es liebt nährstoffarme Standorte mit einem hohen Nässegrad. Vom Aussehen her ist sie verwechselbar mit dem Gefleckten Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), das aber schattigere Standorte im und am Wald bevorzugt. Beide Arten gedeihen nur, wenn sich an ihren Wurzeln bestimmte Pilze ansiedeln.

Sind die lebensnotwendigen Pilze vorhanden, dann entwickeln sich üppige Flächen, die ab Ende April auffallend rotlila blühen. Im Vergleich zu den Blumen in unmittelbarer Nachbarschaft sind es große Blütenstände auf dicken Stängeln. Die Einzelblüten selbst haben die Form, wie man sich Orchideen vorstellt: Nicht-punktsymmetrisch rund, mit einem Sporn und eben kräftig gefärbt.

Flockige Blüten

Dem Augenschein nach hat das nahe Baugebiet die Flora um den Grünsee bislang nicht beeinträchtigt. Allerdings muss man dazu zählen, dass dieses Frühjahr besonders feucht und kühl ist. Und damit der Grundwasserspiegel wahrscheinlich höher als sonst um diese Jahreszeit liegt.

Gleich nebenan wachsen ebenfalls kräftige grüne Blätter, deren Adern sich nicht verzweigen. Eine weitere Orchideenart? Der Blick in den Blätterkelch verrät es: Ein grüner Same in der Form einer Kakaobohne: der Fruchtstand der Herbstzeitlosen. Zwischen Süß- und Sauergräsern - die weißen "Büschel" des Wollgrases (Eriophorum) fallen besonders ins Auge - spitzen die braunen Knöpfchen mit den weißen Spitzen des Spitzwegerich heraus.

Eine einsame Blüte eines Hahnenfußes und hellgrüne grob gezackte Blätter. Hier entwickelt sich bald eine Kohl-Kratzdistel. Gemeinsam ist all diesen Pflanzen ihre Vorliebe für einen feuchten, aber sonnigen Standort, wie ihn die Wiesen rund um den Grünsee bieten.