Eine besondere Rolle in der Heiligenverehrung spielt für die Herzogenauracher der heilige Sebastian. Er gilt gewissermaßen als der Stadtheilige. Am Mittwoch, dem Namenstag des Sebastian, hatte der Märtyrer übrigens seinen Gedenktag.

Sebastian, der Name bedeutet im Griechischen soviel wie der "Erhabene", wurde im Christentum seit jeher verehrt, und zwar beim Ausbruch schwerer Krankheiten und Seuchen.

In Herzogenaurach wird der Seuchenheilige seit 525 Jahren verehrt, davon künden zwei Stationen.Auf Initiative von Stadtpfarrer Trossler wurde 1505 an der Südseite der Pfarrkirche ein erster Sebastian-Altar eingeweiht. Und dann ist da noch die Figur des Heiligen an der Ostfassade der Marienkapelle.

Über dem Eingang zur Marienkapelle ist die etwa 1,50 Meter große Holzplastik aus dem 18. Jahrhundert seit 1932 zu Hause. Von hier aus wacht der Seuchen- und Pestheilige über "seine Stadt Hertzog-Awrach". Zu dieser Figur hat der Herzogenauracher Heimatverein eine besondere Beziehung. Der langjährige Vorsitzende Klaus-Peter Gäbelein erinnert sich an eine besondere Episode, als sich der Verein wohl etwas zu eigenmächtig anschickte, die Statue restaurieren zu lassen.

Weil diese Plastik im Lauf der Zeit durch Wind und Wetter nämlich arg gelitten hatte und nach Ansicht der Vereinsverantwortlichen dringend einer "Verjüngungskur" bedurfte, wurde der Heimatverein auch schnell aktiv. Er bot sich an, die Kosten zu übernehmen, berichtet Gäbelein in einer Rückschau. Das war im Jahr 2014.

Man nahm damals Kontakt zu einem anerkannten Restaurator auf, berichtet der Historiker weiter. Es handelte sich um den Herzogenauracher Erwin Rösch, "der unter anderem in Bamberg sehr gute Arbeit in und an verschiedenen Bauwerken geleistet hatte". Gäbelein holte des Weiteren beim katholischen Pfarramt die Genehmigung ein. Bis dahin war alles gut.

Alle waren glücklich und zufrieden

Gäbelein erinnert sich weiter. "Die Idee, den Heiligen vor Witterungseinflüssen künftig durch eine vorgesetzte Glasscheibe zu schützen, ließ man auf Anraten des Restaurators allerdings wieder fallen", schreibt er in seiner Rückschau. Auch das war kein Problem für die ehrgeizigen Initiatoren. Und so waren alle Beteiligten "letzten Endes glücklich und zufrieden, als der Heilige in neuem Glanz erstrahlte."

Der Vorsitzende des Vereins ließ dann erneut die guten Beziehung zur Herzogenauracher Feuerwehr spielen, die in einer "Einsatzübung" den Sebastian an seinen früheren Platz in luftiger Höhe an der Fassade der Marienkapelle zurückbrachte. Von da hatten sie ihn zuvor auch mit der Drehleiter geholt. Als Gäbelein sich das Ergebnis anschaute, hatte es für ihn sogar den Anschein, dass Sebastian ebenfalls zufrieden war mit der Situation. Die Restaurierung war also gelungen.

Dabei hätte es auch anders kommen können. Denn die Verantwortlichen beim Herzogenauracher Heimatverein hatten noch eine ganz besondere, eine "zündende Idee": Man ersuchte beim Landratsamt um eine Bezuschussung für die Restaurierung. Das aber hätten sie vielleicht lieber bleiben lassen. Gäbelein, der zahlreiche solcher Geschichten aus der Stadt aufschreibt, hält über den weiteren Werdegang fest: "Von wegen Zuschuss für eine denkmalschützerische Idee - weit gefehlt. Im Gegensatz: Man handelte sich eine deftige Rüge beim Landratsamt ein, weil man ohne Genehmigung der Behörde das Ganze veranlasst hatte".

Besuch in der Werkstatt

Der Schreiber erinnert sich genau an diesen Tag im Sommer vor sechseinhalb Jahren. "So geht das nicht!", habe es sinngemäß geheißen. Und: "Wo kämen wir denn hin, wenn jeder an öffentlichen Kunstwerken mitmischen würde?!" In nüchternem Amtsdeutsch hieß die Mitteilung in einem amtlichen Schreiben des Landratsamtes wie folgt: "Nach Art. 6 Abs. 1 Bayer. Denkmalschutzgesetz bedarf der Erlaubnis, wer ein geschütztes Ausstattungsstück (in diesem Fall die Statue des hl. Sebastian) verändern oder sanieren möchte. Eine solche Genehmigung wurde nicht erteilt. Die beabsichtigten Reparaturarbeiten sind einzustellen, bis die erforderliche Erlaubnis erteilt ist ..."

Was waren die Folgen? Die Behördenmühle begann zu mahlen. Auch das hat der Herzogenauracher Historiker festgehalten. Eine Vertreterin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege wurde in die Werkstatt von Rösch nach Gräfenhäusling bei Wattendorf (Landkreis Bamberg) beordert, Rösch musste eine fachliche Stellungnahme zur Sanierung abgeben und die weitere Vorgehensweise wurde besprochen, berichtet Gäbelein.

Dann waren die Arbeiten an der Statue endlich abgeschlossen, und der Heilige kehrte zum Jahresbeginn 2016 an seinen angestammten Platz zurück, rechtzeitig zu seinem Ehrentag am 20. Januar. Damals war kein Corona und eine Lichterprozession führte durch die

Innenstadt.

Freilich kann Gäbelein heute mit Schmunzeln an diese Geschichte zurückblicken, und auch damals wurde die Angelegenheit auch nicht allzu übertrieben ernst betrachtet. Man sah seitens der Behörde also von einer Strafe gegen den "Urheber der vermeintlich guten Tat" ab. Für das Heimatvereins-Urgestein lautet die Moral von der Geschicht: "Tu niemals ohne Genehmigung keine guten Taten nicht!"