Die AfD hat sich Höchstadt als Standort für ein Bürgerbüro ausgesucht. Die Räume in der Badgasse, die früher ein Ladengeschäft beherbergten, habe man vor etwa zwei Monaten bezogen, sagt AfD-Stadtrat Christian Beßler.

Von außen deutet nichts darauf hin. Erst wenn man eintritt, erkennt man am Konferenztisch und den Plakaten, dass es sich um ein Parteibüro handelt.

Hier würden künftig Versammlungen abgehalten und es solle auch eine Bürgersprechstunde geben, sagt Beßler. Getragen würde die Einrichtung vom AfD-Kreisverband Erlangen/Erlangen-Höchstadt. Es sei das einzige Bürgerbüro. Andere solche Einrichtungen gebe es weder im Landkreis noch in Erlangen. Auf eine Eröffnungsfeier habe man wegen der Corona-Pandemie vorerst verzichtet.

AfD in Stadträten und im Kreistag

Die AfD hatte am Donnerstagabend zu einer Pressekonferenz eingeladen. Man wolle sich und die Positionen vorstellen. Seit der vergangenen Kommunalwahl ist die Partei lokal erstmals in Gremien vertreten: Im Kreistag hat die AfD drei Sitze mit René Jentzsch, Beatrice Bieger und Christian Beßler, der auch als Vertreter der AfD im Höchstadter Stadtrat sitzt. In Herzogenaurach stellt die AfD mit Roland Reichelsdorfer ebenfalls einen Stadtrat. In Erlangen sitzen Kreisvorsitzender Siegfried Ermer und Christine Otter im Stadtparlament.

Dass man bei der AfD zu Gast ist, die sich regelmäßig aus ihrer Sicht zu Unrecht vom politischen Gegner und den Medien als rechtsextremes, populistisches "Schmuddelkind" behandelt fühlt, merkt man. Ermer und Reichelsdorfer berichten zunächst darüber, wie man im jeweiligen Stadtrat umgangen oder unhöflich behandelt werde. Ausgenommen seien ausdrücklich die Verwaltungen. Hier sei man gut aufgenommen worden.

Causa Schulz und Enz

Vom Höchstadter Stadtrat könne er nichts Negatives berichten, sagt Beßler: "Mit der JL und der CSU, teilweise sogar mit den Grünen, gibt es konstruktive und nette Gespräche." Den Wirbel um die Wahl von Günter Schulz (ehemals SPD) zum Zweiten Bürgermeister könne er nach wie vor nicht verstehen. Er habe Schulz seine Stimme gegeben, weil er von seiner Eignung überzeugt sei. Dass alleine die Tatsache, dass ein AfD-Vertreter mitstimmt, zu einem Eklat bei der SPD sorgt, lege deren Auffassung von Demokratie offen, so Beßler. Was den Wechsel der neuen Stadträtin Regina Enz von der JL zur CSU angeht, deutet Beßler an, sie habe sich auch bei der AfD gemeldet: "Ja, es gab einen Anruf." Mehr könne er aber nicht sagen, so Beßler.

Nach einigem Hickhack über vergangene Zeitungsberichte mit einer Kollegin der Presse, inklusive eines kurzen Exkurses Ermers zum allgemeinen Thema Meinungsfreiheit und eines Statements zum Thema Migration der "sogenannten Flüchtlinge" (Ermer) war Raum für Fragen zu kommunalpolitischen Inhalten.

"Wir sind alle Neulinge in dem Bereich. Wir waren sehr überrascht, was der Landkreis alles macht", sagt Jentzsch über die Arbeit im Kreistag. Er sei über Bundes- und Landesthemen zur Politik gekommen. Ein Einstieg in die Kommunalpolitik quasi "verkehrt herum", so Jentzsch. Dringend nötige Straßensanierungen seien ein Landkreis-Thema, das ihn umtreibe. Auch beim Thema Jugendarbeit müsse "mehr gemacht werden". In Höchstadt etwa sei für junge Leute "zu wenig geboten".

Wie steht die AfD zur Stadt-Umland-Bahn? Der Erlanger Ermer lehnt, wie auch sein Herzogenaucher Kollege Reichelsdorfer, die Stub ab und fordert die Reaktivierung der Aurachtalbahn. Die geplante Stub-Brücke verschandle zudem den Wiesengrund.

Vision: U-Bahn nach Erlangen

Anders als Kreisrat Jentzsch findet Ermer einen Schienennahverkehr nach Neunkirchen (Ostast) überlegenswert. Ermer bringt als Vision statt der Stub eine Verlängerung der U-Bahn-Strecke vom Flughafen zum Südgelände der Uni Erlangen ins Gespräch. Sicher sei das massiv teuer und eher ein Projekt "bis zur Mitte des Jahrhunderts".

Beßler spricht die Finanzprobleme an, die die Doppelkrise (Schaeffler, Corona) für Höchstadt mit sich bringe. Er sei trotzdem dafür, den Neubau eines Eisstadions nicht zu verwerfen, sondern erst einmal nur aufzuschieben. Wenn es an die Frage neues Hallenbad geht, sei er dafür, dieses am Standort Eisstadion/Freibad zu planen. "Fernziel" sei ein komplettes Sportzentrum. Erneut betont Beßler zudem, dass er voll und ganz für das neue Baugebiet Häckersteig , wie es geplant ist, stehe und eine Verkleinerung, wie sie die Grünen fordern, ablehne.