"Wir wünschen Frieden euch allen" (Shalom Chaverim) intonierte Erika Macher mit der Flöte vor dem jüdischen Gedenkstein in Adelsdorf. Viele Bürger hatten sich dort auf Einladung von Pfarrer Thomas Ringer (kath. Pfarrgemeinde), Pfarrer Jens Arnold (evang.-luth. Kirchengemeinde) und Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) versammelt, um ihrer jüdischen Mitbürger zu gedenken, die durch die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten entrechtet und in Konzentrationslager deportiert wurden und von denen viele ums Leben kamen.

In Gebeten, Liedern, Ansprachen und Lesungen gedachte man der Opfer von damals. Zweite Bürgermeisterin Jutta Köhler (SPD) erinnerte an den 9. November 1938: ein Tag, der zum Symbol der Grausamkeit geworden ist und der auch vor Adelsdorf nicht Halt gemacht hatte. Der Antisemitismus sei aber nicht nur eine schreckliche Verirrung unserer Geschichte, er sei ein Phänomen der Gegenwart.

"Das Friedensgebet soll nicht nur an den Terror und die Grausamkeit von 1938 erinnern. Es soll uns auch darauf aufmerksam machen, dass die Welt bis heute nicht friedlich ist", so Köhler. Weiter ging sie auf die seit Kurzem in Adelsdorf lebende und aus Syrien stammende Familie Mahmoud ein - eine Familie, die vor den Grauen des Krieges aus ihrer Heimat geflohen ist. "Ein trauriges Beispiel, dass unsere Welt nicht friedlich ist."

Pfarrer Arnold erinnerte an die Hilferufe des Jona, der den sicheren Tod durch Ertrinken vor Augen hatte. "Auch die jüdischen Mitbürger überrollte im Dritten Reich eine Welle des Hasses und der Gewalt - eine menschenverachtende Welle", stellte der Geistliche fest. "Diese Welle gibt es heute wieder. Seien wir achtsam und schauen zu, dass wir sie stoppen", mahnte er eindringlich.

Vor dem Ende des Gedenkens lasen Pastoralreferentin Dagmar Haas und Pfarrer Jens Arnold die Namen der 29 ehemaligen jüdischen Mitbürger - Opfer des Holocaust - vor. "Wer der Erinnerung nicht nachkommt, macht sich schnell des Vergessens schuldig", sagte Jutta Köhler abschließend. "Wir sind es den Opfern schuldig, dass wir ihr Leiden und ihren Tod als Teil unserer Adelsdorfer Geschichte verstehen."