Schon lange waren die Aischwiesen nicht mehr so voll. 10.000 Besucher feierten nach Schätzungen der Polizei und des Veranstalters am Donnerstag bei tropischen Temperaturen auf dem Festgelände die BR-Radltour in Höchstadt. Die Band "Earth, Wind & Fire Experience" sorgte für eine volle Tanzfläche und ausgelassene Stimmung. Erst gegen Mitternacht ging das große Fest zu Ende und der Platz leerte sich.

Während auf den Aischwiesen fröhlich gefeiert wurde, war in der Aischtalhalle um kurz nach 22 Uhr bereits Nachtruhe. Das Geländer und mitgebrachte Wäscheleinen trockneten die Radlerkleidung. Die erschöpften Eigentümer ruhten sich bereits auf einem großen Teil der Matratzen aus. Wer noch nicht schlafen konnte oder wollte, versammelte sich zum Austausch über die Erlebnisse außerhalb der Halle.

Zum Übernachten wurden die 1200 Radfahrer neben der Aischtalhalle auch auf das Eisstadion und die Turnhalle der Anton-Wölker-Schule aufgeteilt. "Die letzten Nächte lag ich eher am Rand und konnte dank meiner Ohropax auch einigermaßen schlafen", berichtete Jürgen Schmidt aus Bamberg. Die Ohrstöpsel werden den Teilnehmern sogar vom BR zur Verfügung gestellt.

Schmidt schwärmt: "Am Zielort anzukommen ist einfach immer toll. Ich hatte Gänsehautfeeling, als uns die Schützen am Ortseingang mit ihren Böllern begrüßten." Er fährt zum ersten Mal bei der BR-Radltour mit, die am Donnerstag ihr Etappenziel Höchstadt erreichte.

"Ich bin viel mit dem Rad unterwegs, aber das Kolonne fahren ist eine komplett neue Erfahrung für mich", berichtete der Gymnasiallehrer. "Das Feld kann sich stauen und sich wieder entzerren - das ist ganz anders als nur für sich selbst zu fahren."

Eine andere Strategie, was das Übernachten angeht, vertritt Christian Dannhauser aus Karlstadt (Landkreis Main-Spessart). Er zieht es nämlich vor, unter freiem Himmel zu übernachten. Für ihn ist es eine besondere Herausforderung, in der großen Meute zu fahren. Er ist einer von drei Liegeradfahrern und besitzt das einzige Dreirad ohne Motor. "Damit den Berg rauf zu kommen ist gar nicht so einfach", erzählte er. Zur Etappe am Donnerstag brach der Unternehmensberater 45 Minuten früher auf, um nicht inmitten der anderen Radler fahren zu müssen. "In Höchstadt habe ich mir dann extra eine Wasserpistole gekauft und sie mit alkoholfreiem Russ gefüllt, um die anderen damit beim Zieleinlauf zu erfrischen. Die meisten haben meinen Plan aber nicht verstanden", lachte er.

Unterschiedlichste Charaktere

"Das Untypische ist hier typisch", beschreibt Dannhauser die Zusammensetzung der 1200 Sportler. "Egal ob alt, jung, dick, dünn, fit und nicht fit - hier fahren die unterschiedlichsten Typen mit", pflichtet ihm Schmidt bei, "Das ist wie ein eigener Mikrokosmos."

Auch die Fahrräder können kaum unterschiedlicher sein. Neben Tandems, einem Schweizer Armeerad und einem Holzfahrrad soll auch ein Triathlet zum Training mit einem alten Miele-Fahrrad ohne Gangschaltung mitstrampeln. "Das sind hier alles Verrückte - positiv Verrückte", grinste Dannhauser, der nach der Tour erstmal drei Wochen auf Erholungsurlaub gehen wird.

"Es ist phänomenal. In den Dörfern erwarten einen die Blaskapellen und die Leute erfrischen uns Fahrer mit Gartenschläuchen und klatschen uns ab. Auch Kindergartenkinder stehen mit Ratschen an den Straßen - da geht einem das Herz auf", erzählte Günter Stöhr aus Wunsiedel (Landkreis Wunsiedel). "Bei der Einfahrt in Höchstadt hatte ich Gänsehaut und feuchte Augen als die Böllerschüsse abgefeuert wurden und die Menschenmenge einem zujubelte. Das ist die Tour de France der kleinen Leute."

Auch Stöhr ist das erste Mal dabei und überwältigt. "Es ist grandios, was für ein Aufwand und eine Logistik hinter dieser Tour steckt. Die Feuerwehr, das THW, die Polizei und die vielen Mitwirkenden an den Stationen. Ein ganz ganz großes Kompliment an alle Beteiligten!"

Freitag früh ging es dann auch schon wieder weiter zur nächsten Etappe Richtung Volkach. Ein bisschen Frühsport auf den Aischwiesen, danach schwingten sich alle Radler wieder auf ihren Drahtesel und fuhren Richtung Etzelskirchen bis zur ersten Wasserpause in Schlüsselfeld.

Für die Radfahrer sei die Tour ein unvergessliches Erlebnis. "Das ist einmalig", schwärmte Stöhr. "Da bin ich sogar gerne Bayer statt Franke."