Das ist bitter: Fast eine halbe Million Euro hat die neue 180 Quadratmeter große Veranstaltungsbühne gekostet, die Henri Mannagottera im Herbst 2019 bestellt und im Sommer 2020 geliefert bekommen hat. Sie war bis heute noch nicht einen Tag im Einsatz. Auch die anderen vier Lkw-Bühnen harren der Dinge im Hof von PA-Design Veranstaltungstechnik in Creidlitz. Da bekommt "Bühne frei" eine ganz andere Bedeutung.

Alle Aufträge weg

"Innerhalb von zwei Wochen wurden im Frühjahr letzten Jahres alle Aufträge für 2020 abgesagt", sagt Geschäftsführerin Hanna Dellmer-Zerbe, die zusammen mit ihrem Vater Henri Mannagottera Coburgs Feste und Bühnen mit Ton-, Licht- und Videotechnik versorgt. Wenn sie denn stattfinden. Ob Samba-Festival, Klassik Open Air, Coburger Klößmarkt, Weihnachtsmarkteröffnung oder die Konzerte in Schloss Eyrichshof - ohne die Technik von Henri Mannagottera lief da bisher nichts. Bundesweit betreute die Firma rund 300 Veranstaltungen im Jahr.

"Seit zwölf Monaten läuft bei uns nichts mehr", sagen die beiden Veranstaltungstechniker. 90 Prozent Umsatzeinbußen müssen verkraftet werden.

Seit 1989 gibt es die Firma. Henri Mannagottera hat immer wieder investiert. In Technik, in Lagerhallen, in Büroräume. Mittlerweile verleiht er fünf Bühnen bundesweit. Die Licht- und Tontechnik füllt zwei große Hallen. Fünf Mitarbeiter hat PA-Design Veranstaltungstechnik - alle in Kurzarbeit. Die Auszubildenden arbeiten im Homeoffice, "so gut das eben geht".

Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen einen hohen LfA-Kredit aufnehmen, um die laufenden Kosten zu decken. Auch die Lebenshaltungskosten. Die privaten Reserven seien aufgebraucht. "Wir halten noch bis zum Sommer durch, danach müssen wir schauen, wie es weiter geht", sagt Henri Mannagottera. Geholfen habe das Kurzarbeitergeld, um die Mitarbeiter zu halten. "Von den Bundesfördermitteln könnten wir nicht existieren."

Die Veranstalter seien verständlicherweise sehr zurückhaltend. Was im vergangenen Jahr auf 2021 verschoben wurde, ist jetzt auf 2022 verlegt.

Die fehlende Perspektive ist es, die an den Nerven zehrt und zermürbt. Hanna Dellmer-Zerbe bleibt optimistisch und voller Tatendrang. "Irgendwann geht's wieder richtig los, dann müssen wir gut vorbereitet sein", sagt sie.

Als es im Herbst den Anschein hatte, dass Veranstaltungen wieder möglich sind, hat die 33-Jährige gemerkt, wie viel Spaß ihr die Arbeit doch macht. "Es hat gekitzelt, und ich habe mich riesig gefreut", sagt sie. Aber dann kam der erneute Lockdown. Und seitdem stehen die Telefone wieder still, die meisten Emails landen im Spam-Ordner.

Hanna Dellmer-Zerbe weiß, dass sich viele Solokünstler andere Jobs suchen. Das Konzert von Viva Voce in Schloss Eyrichshof sei beispielsweise abgesagt worden, weil die Bandmitglieder mittlerweile einer anderen Arbeit nachgingen.

"Ich verstehe die Maßnahmen der Politik, auch ich will mich nicht bei einem Konzert anstecken", sagt der 61-Jährige. Aber dass Fußballer um die Welt fliegen und jeder nur von den "armen Friseuren" und den "armen Hoteliers" spricht, ärgert ihn doch.

Mannagottera geht es um eine Perspektive für sein Lebenswerk. Wenngleich er weiß, dass das Problem in der Diversität seiner Branche liegt. Bis vor kurzem gab es nicht mal einen Dachverband. Regional habe er keine Ansprechpartner. "Bei mir meldet sich nur jemand, wenn er etwas will."