von unserer Mitarbeiterin Stefanie Karl

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne." - Natürlich hatte Hermann Hesse nicht die Bad Rodacher Garten- und Hinterhofgeschichten vor Augen, als er diese Zeilen in seinem Gedicht "Stufen" niederschrieb. Wohl aber passt das Zitat äußerst trefflich zu der Veranstaltung, die an diesem Sonntag bei Wind und wolkenverhangenem Himmel in der Badstadt ihre Premiere feierte.

Das Wetter? War egal

Dem unschicklichen Wetter zum Trotz kamen zahlreiche Besucher, um in den Gärten und Hinterhöfen von Hedda Hanft, Sabine Seeger und der Pensionswirtin Christiane Ulmann-Puff im Stundentakt Lesungen zu lauschen, die ohne Frage jedes (Gärtner-) Herz höher schlagen ließen.
Die Gastgeberinnen haben die Lesestücke aus einer Vorauswahl der Bad Rodacher Bücherei selbst zusammengestellt; die Vorlesenden wiederum wählten hieraus in Eigenregie ihren ganz persönlichen "Wunschabschnitt".

Und da gab das Programm dann auch für wirklich jeden etwas her: Kriminalgeschichten im Hinterhof der Töpferwerkstatt von Sabine Seeger, dazu Musik von Gary O'Connell und Ingwer-Zitronen-Sirup; zahlreiche Anekdoten aus der Brigitte-Kolumne "Paulas Garten" im grünen Idyll von Hedda Hanft, wahlweise anzuhören im Strandkorb oder auf der antiken Hollywoodschaukel; und im Pferdestall bei Christiane Ulmann-Puff zu Kaffee, Sekt und Holundersirup, las Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) höchstpersönlich eine Episode aus einem Büchlein, das er die "ideale Lektüre für alle Gärtnerinnen und Gärtner" nennt.

Neue Begegnungen

"Das ist eine ganz wunderbare Idee und eine kulturelle Bereicherung für Bad Rodach. Hier werden Menschen zusammengeführt, die sich sonst nie begegnet wären - und es werden neue Blickpunkte und Perspektiven eröffnet", lobte etwa Petra Vinzelberg die Veranstaltung. Und sie hatte Recht: Ganz nebenbei verwandelte sich die dritte, etwas geschrumpfte Leserunde am Spätnachmittag im Garten von Hedda Hanft in ein nettes, ungezwungenes Miteinander, bei dem die Gäste auch Etwas über das liebevoll hergerichtete Anwesen der Rodacherin erfuhren, Duftproben der unterschiedlichen Pfefferminz sorten im Garten inklusive.
Hannelore Kesch, als Zuhörerin und Vorlesende mit einer Doppelrolle ausgestattet, freute sich in jedem Fall über den gelungenen Sonntag: "Es ist immer schön, wenn neue Ideen umgesetzt werden, und bei der Umsetzung hat sich wirklich jeder viele Gedanken gemacht." Natürlich bot auch der private Blick in die Gärten und Hinterhöfe der Rodacher Mitbürger einen gewissen Reiz; Anregungen für die heimischen Grünanlagen fanden sich allemal.

Die Resonanz war gut

"Es ist toll zu sehen, was andere aus ihren Gärten machen", bestätigte Hannelore Kesch.
Über mangelnde Resonanz jedenfalls konnten die Initiatoren nicht klagen. "Bei den ersten beiden Runden hatten wir hier 15 bis 20 Besucher, die Stühle waren voll besetzt", sagt Hedda Hanft, die ob des kühlen Wetters sämtliche Decken der Familie zur Verfügung gestellt hatte. Wärme "von innen" gab es zusätzlich: Die Thermoskanne mit Pfefferminztee aus selbst gezogenen Kräutern stand schon auf dem Tisch. Und die vorgelesenen Geschichten? Na, die erwärmten ohnehin das Herz.

Auch bei Roswitha Friedrich kamen die Garten- und Hinterhofgeschichten gut an. "Es ist eine schöne Tradition, die hier begonnen wird", meinte die pensionierte Lehrerein, die mit Freude ihrem ehemaligen Schüler Tobias Ehrlicher beim Vorlesen zuhörte. "Das Lesen habe ich ihm schließlich beigebracht", sagte sie und schmunzelte. Über das "enorm große Echo" der Veranstaltung freute sie sich und überlegte, ob sie nicht im nächsten Jahr selbst ihren Garten für eine Lesestunde zur Verfügung stellen soll.

Es geht so ähnlich weiter

Bis es soweit ist, dürfen alle Garten- und Lyrikfans zunächst am kommenden Sonntag, 6. Juli, noch einmal zu einem Streifzug durch die idyllischen Hinterhöfe in Bad Rodach aufbrechen. Dann öffnen Gabriele Graßmuck (Hildburghäuser Straße 13), Familie Norbert Pohle (Am Stiegelein 4) und Nele Gramß (Walburer Weg 10/ Elsa) ihre Gartentürchen - für alle, die Paula Almquist beim Wort nehmen: "Schokolade macht glücklich, Gartenarbeit auch."