"Mehr solche Politiker wie MdB Wolfgang Bosbach, die auch sagen, was sie denken und ihre Meinung vertreten und sich nicht nach der Parteimeinung richten, brauchen wir im Deutschen Bundestag." Dieser Meinung war Horst Jürgens aus Coburg, aber nicht nur er, sondern über 100 weitere CSU-Mitglieder und -Anhänger, die nach Grub am Forst in den Saalbau Rose gekommen sind, um Aktuelles aus der Bundespolitik zu erfahren - und zwar von Wolfgang Bosbach, der seit 22 Jahren dem Bundestag angehört.

Im Saal des Gasthauses Rose war eine große Bühne mit drei Stühlen und einem Tisch aufgebaut, wo der CSU-Kreisvorsitzende Martin Mittag sowie der Gastredner Bosbach und MdB Hans Michelbach Platz nahmen.
Martin Mittag freute sich über ein "volles Haus". Das Interesse an den Ausführungen des CDU-Bundestagsabgeordneten aus Bergisch-Gladbach war sehr groß. Nach einer Gedenkminute an die Opfer des Amoklaufs in München übergab der CSU-Kreisvorsitzende das Mikrofon an Wolfgang Bosbach. Es sei sein erster Besuch im Coburger Land, stellte dieser zu Beginn fest.

Bosbach war sechs Jahre lang, bis zum Jahr 2015, Vorsitzender des Innenausschusses und ist heute dort ein ordentliches Mitglied. Weiterhin war der Abgeordnete, der sehr sympathisch und authentisch auf die Mitglieder wirkte, was mehrfach durch starken Applaus bestätigt wurde, auch neun Jahre lang als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU tätig. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt auf der inneren Sicherheit sowie dem Ausländer-, Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht sowie der Integration.

Ohne Manuskript, aber mit vielen Fakten aufwartend, ging er in seinem Vortrag mit leicht rheinländischem Dialekt auf seine Schwerpunkte ein. Dabei blieb die Atmosphäre im Saalbau stets eher locker und Bosbach wirkte wie ein Politiker zum "Anfassen". Er erhielt sehr viel Zustimmung von den Anwesenden, als er das aussprach, was viele in der Flüchtlingsfrage denken. Er machte deutlich, dass er seiner Parteiführung nicht immer Recht gebe.

Und das gefiel den Besuchern. "Der Mann aus dem Rheinland sagt, was er denkt", war in den Reihen des Publikums zu hören.

Bosbachs Besuch wurde von den dramatischen Ereignissen in München überschattet, und das merkte man den versammelten Politikern auch an. Regelmäßig schauten die beiden Bundestagsabgeordneten auf ihr Handy und verfolgten die Lage in München.

Hans Michelbach, der den Besuch von Wolfgang Bosbach in die Wege geleitet hatte, berichtete, seine Tochter sei mit dem Zug nach München zu einer Hochzeit unterwegs, mittlerweile dort herausgeholt und in einem Hotel in Sicherheit gebracht worden.

Die Bürger hätten nach wie vor großes Interesse an der Politik, aber ein hohes Maß an Parteien- und Politikerverdrossenheit, dies betreffe vor allem die "großen" Politiker. "Der Wähler traut uns alles oder nichts zu", stellte Bosbach fest. Nicht ganz drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland seien Mitglied einer Partei. Die Volksparteien müssten sich die Frage stellen, warum das so ist. Für Wolfgang Bosbach geht es um Vertrauen, das man schnell verspielt habe. Es dauere aber lange, bis man es sich wieder erarbeitet habe. Deshalb vertrete er seine Meinung und stehe dazu. Bosbach: "Heute ist man Rebell, wenn man bei seiner Meinung bleibt." Diese Aussage erhielt viel Applaus.

Aufgrund der aktuellen Lage sprach der Abgeordnete über die innere Sicherheit in Deutschland. Zwölf Anschläge seien in den vergangenen Jahren durch gute Polizeiarbeit vereitelt worden oder fehlgeschlagen. Jedoch hätten doppelt so viele Deutsche ihr Leben bei Anschlägen verloren wie in den 70er Jahren, wo die RAF aktiv war. "In der RAF-Zeit waren im Visier die Spitzen der Gesellschaft, heute ist jeder Bürger ein Ziel des Terrorismus", sagte Bosbach. Er erwarte von allen Politikern aller Parteien, der Polizei den Rücken zu stärken und nicht in den Rücken zu fallen, betonte Bosbach und lobte die Polizisten, die an dem Abend in München im Einsatz waren. "Der Polizei tut es gut, einfach mal danke zu sagen", sagte Bosbach.


Kein Import von Konflikten!

Die große Herausforderung sei der Kampf gegen den islamistisch motivierten Terrorismus. Bosbach blickte in der Geschichte zurück, um zu erklären, wie sich dieser Terrorismus entwickeln konnte. Deutschland sei ein weltoffenes Land mit religiöser Vielfalt. Eine Aufgabe bestehe darin, dass Konflikte aus anderen Ländern nach Deutschland importiert und auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen würden. Wer nach Deutschland einreise, um nach den Regeln der Scharia leben zu können, der habe sich das falsche Land ausgesucht, denn alle müssten die Rechts- und Werteordnung der Bundesrepublik achten. Den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" könne er nicht unterschreiben, sagte der Politiker in Grub. Die Muslime, die rechtstreu lebten, gehörten zu Deutschland. Ein weiteres Thema in seinem Vortrag war die Asylpolitik. Dabei machte Bosbach klar, dass er die Haltung der CSU und nicht die seiner Partei, der CDU, teile. Wolfgang Bosbach sei ein treuer Freund der CSU, sagte Hans Michelbach. "Wir brauchen Abgeordnete, die eine eigene Meinung haben und diese auch vertreten", betonte Michelbach.