Das wäre ja auch zu schön gewesen: eine Wohnung im Studentenwohnheim. Wirklich damit gerechnet hatte Sebastian allerdings nicht. Der Niederbayer war viel zu spät dran mit seiner Bewerbung - erst Anfang August. Doch mit der Absage, die er vom Studentenwerk Oberfranken bekommen hat, steht er nicht allein da. Zusammen mit ihm, der im Oktober Bauingenieurwesen an der Hochschule Coburg studieren möchte, erhielten noch weitere 300 Bewerber eine Absage.

Wohnheime schon lange ausgebucht

"Die fünf Wohnheime mit insgesamt etwa 150 Plätzen sind schon lange ausgebucht", sagt Regina Poschilenkowa von der Wohnheimverwaltung. Sie verweist auf private Anbieter auf der Internetseite des Studentenwerks. 22 Wohnungen stehen da im Angebot - allerdings für Sebastian kommen nur wenige in Frage. Er hat kein Auto und die Wohnungen im Landkreis sind ihm zu weit weg.


Ein Blick auf die Homepage der Hochschule selbst stimmt ihn optimistischer: Das Studenten-Forum der Hochschule unter www.hs-coburg.de/forum-zimmer listet auf, wer einen Nachmieter sucht, wo noch ein WG-Zimmer frei ist oder wer eine Wohngemeinschaft gründen will. Dazwischen allerdings auch jede Menge Hilfe-Rufe nach einem Zimmer. Eine Laura schreibt: "Ich bin jetzt schon lange verzweifelt auf der Suche nach einer Wohnung, da ich lieber alleine wohne. Aber die Chancen jetzt eine schöne, günstige Wohnung zu finden, ist ja fast aussichtslos. Würden wir uns aber zusammentun, hätten wir ein bisschen mehr Budget und vielleicht bessere Chancen, eine passende Wohnung zu finden. Wenn wir uns gut verstehen und das WG-Leben für uns entdecken, dann ist's gut, wenn nicht, dann können wir uns ja eine eigene Wohnung suchen. Das allerdings dann ohne Zeitdruck." Sebastian denkt drüber nach.

Die Hochschule verweist auch auf die kommunale Wohnungsbaugesellschaften. Im Landkreis findet Sebastian kein einziges Angebot für eine Ein-Zimmer-Wohnung und in der Stadt muss er erst einen Wohnungsantrag stellen. Das schiebt er nach hinten.

Unter studenten-wohnung.de stößt er auf neun Wohnungsangebote. Da gibt es ein WG-Zimmer mit 20 Quadratmetern in der Innenstadt für 235 Euro und eine Wohnung in Scheuerfeld mit 70 Quadratmeter für gerade mal 280 Euro Kaltmiete. Sebastian macht sich Notizen und chattet noch ein bisschen im Forum. Er will unbedingt noch die Zeitungsanzeigen abwarten. Darauf weist die Hochschule explizit hin. "Schau auch mal ans schwarze Brett in der Hochschule", rät ihm ein künftiger Kommilitone, den er am Infoständer bei der Caféteria trifft.

Hochschule weiß um angespannte Situation

Margareta Bögelein, Pressesprecherin der Hochschule, weiß um die angespannte Situation auf dem Coburger Wohnungsmarkt. 1250 Erstsemester werden im Oktober ihr Studium aufnehmen, darunter sind etwa 100, die bei internationalen Studiengängen eingeschrieben sind. "Trotz des neuen, zusätzlichen Wohnheims hatten wir keine Chance, Zimmer für die ausländischen Studierenden zu bekommen. Aus unserem Haus haben sich Kolleginnen persönlich eingesetzt und nach Wohnungen gesucht. Ein Projekt läuft jetzt auch mit der Wohnbau", zeigt sich die Pressesprecherin erleichtert.

Sebastian ist eine optimistische Frohnatur. Deshalb macht er sich keine Sorgen. Er ist sich sicher, dass er noch eine Bleibe findet. "Wenn nicht, geh ich erst mal in die Jugendherberge", sagt er und klickt www.coburg.jugendherberge.de an. "Ups, da ist was schief gelaufen", blinkt da groß auf. Das kann er also schon mal abhaken.