In einem weiß gefliesten Raum im "Haus der Bäuerin" stehen unzählige Geräte. Johann Bucher weiß, wie sie funktionieren: "Diese eine Maschine ist zum Waschen des Obstes", sagt der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Schottenstein. Die Maschine daneben ist "zum Pressen. Um die Ecke wird der Saft dann abgefüllt", erklärt Bucher.

In einem Maisfeld bei Schottenstein ist der Pfeil gelandet.Von dort aus laufen wir anderthalb Kilometer ins Dorf. Dort schauen wir uns um. Ein Bewohner nennt Schottenstein vielleicht zu Recht "Die Perle des Itzgrund". Das kleine Dorf am Hang wirkt, als wäre es extra für unseren Besuch herausgeputzt und geschmückt. Es erinnert an einen Urlaubsort - es fehlen nur die Touristen und die Alpen im Hintergrund. 13 Kilometer unter Coburg liegend, wird zumindest letzteres aber schwierig.

Zu entdecken gibt es in dem 500-Seelendorf einiges: Als erstes fällt uns ein Schild auf, das an zwei Metallstangen aufgehängt ist, die Konstruktion scheint wie ein Tor. Das Holzbrett ist in allen Farben des Regenbogens angemalt und mit goldenen Kugeln oder Kreisen verziert. "Kirch- und Bibelgarten" steht darauf. In diesen befinden sich viele Pflanzen, die in der Bibel genannt sind. Wir machen einen kleinen Rundgang und schauen uns alles an.

Gleich neben dem Garten treffen wir auf einen Mehrgenerationenspielplatz. Neben Karussell oder Schaukel gibt es einen Tisch mit Schachbrett oder einen Balancierbalken. Zwar steht auf einem Plan etwas von einem Schleifstein, an seiner Stelle ist er jedoch nicht zu finden. Wir laufen weiter, vorbei an Fachwerkhäusern, Sandsteinhäusern, Häusern mit viel Efeu oder Blumen.

Viele Räume für die Dorfgemeinschaft

Im nördlichen Teil des Ortes neben Bushaltestelle und Feuerwehrhaus schneidet Johann Buchner gerade Rosen. Er erzählt, dass er Vorsitzender des Obst-und Gartenbauvereins ist. In diesem Zusammenhang kümmere er sich um ein Haus voller Tradition: Das Haus der Bäuerin in Schottenstein, vor dem wir gerade stehen. Ein Blick auf Google Maps zeigt, dass die Gemeinde damit eine von wenigen in Franken ist, in denen es ein solches Angebot gibt: Ein Dorfgemeinschaftshaus.

Die Gartenfreunde mieten das Haus der Bäuerin seit langem bei der Gemeinde, kümmern sich darum und haben damit ein Vereinsheim. Aber nicht nur der Verein profitiert von dem Gebäude: Die Schottensteiner können einzelne Räume beim Verein mieten.

Saft von den eigenen Bäumen

Buchner führt durch das Haus. Zuerst stehen wir in der Kelterei. "Im Herbst können die Anwohner dann ihr Obst anliefern und wir pressen es. Es muss nur genügend sein, also es sollte mindestens ein Zentner angeliefert werden. Sonst lohnt es sich nicht", erzählt er. Für einen kleinen Taler seien die ehrenamtlichen Helfer des Obst- und Gartenbauvereins damit beschäftigt, zu wiegen, zerkleinern, pressen, erhitzen und abzufüllen.

Einmal im Jahr, im Spätsommer, gibt es das Kelterfest. Beginnend mit einem Mittagsessen und anschließendem Kaffee und Kuchen sind die Gemeindemitglieder am Haus der Bäuerin versammelt. Dazu gibt es selbst hergestellten Apfelsaft, Apfelrauscher und Apfelwein.

Bei Kaffee und Kuchen

Im Raum nebenan befindet sich der Schlachtraum. Diesen können die Dorfansässigen mieten und haben alle Gerätschaften, um ein Tier zu töten und auseinanderzunehmen. "Mittlerweile wird der nicht mehr so oft genutzt, wie früher", bemerkt Buchner. Schlachtfeste finden trotzdem statt. Das letzte war im Februar dieses Jahres, das gleichzeitig als eine Art Abschiedsfest für den ehemaligen Bürgermeister diente.

Neben Schlachtraum und Kelterei befindet sich eine große Küche. Bei größeren Veranstaltungen in einem der beiden mietbaren Räume kommt sie zum Einsatz. Einer der Räume fasst circa 20 Personen, der Saal im Obergeschoss bis zu 50. Im letzten Gemeinschaftsraum steht eine Wäschemangel. Buchner erklärt: "Das ist zum Bügeln großer Stoffe." Normal gebe es alle vier Wochen Termine. "Die Frauen treffen sich dort, um ihre Wäsche zu machen. Aber auch, zum Zusammensitzen und sich zu unterhalten." Die Mitglieder des Vereins bieten währenddessen Kaffee und Kuchen an.

Hygienekonzept ausgearbeitet

Wegen der Coronabeschränkungen ist etwas Ruhe in das Gemeinschaftshaus eingekehrt. "Die Gemeinde hat im März die Räumlichkeiten gesperrt. Wir mussten unsere Vereinsaktivitäten ruhen lassen", sagt der Hobbygärtner. Aber: "Wir wollen schauen, dass wir mit dem Wäschemangeln und Keltern jetzt wieder anfangen."

Seit Juni gab es Lockerungen für Vereine, erst dann traf sich der Obst- und Gartenbauverein wieder. "Wir mussten erstmal ein Hygienekonzept ausarbeiten, deswegen fangen wir zum Beispiel erst später an mit den Terminen zum Keltern. Und wir müssen anders arbeiten, als gewohnt", sagt Buchner. Feste, die normal im Haus der Bäuerin stattfinden, sind für den engagierten Ehrenamtlichen, wenn überhaupt, im kleineren Rahmen denkbar.

Später treffen wir noch Peter Kauper. Er ist junger Familienvater aus Schottenstein. Er findet es gut, dass es das Haus der Bäuerin gibt: "Es gibt zum Beispiel Tanzabende, oder eine Halloweenparty. Es ist auch super, um einen Geburtstag zu feiern." Letztes Jahr habe es in dem Gemeinschaftshaus ein Krapfenbacken zur Konfirmation des Sohnes gegeben. "Die älteren Semester waren dabei und haben etwas unterstützt. Ich hoffe, dass es das zur Konfirmation meiner Tochter wiedergibt."