Es war einmal ein wunderschönes Märchenbad. Das ließ keine Wünsche offen: Aufregende Landschaften mit spannenden Attraktionen. Bequemen Liegemöglichkeiten. Erlebnisbecken mit Strömungskanal und Bodenblubber. Riesen- und Breitwasserrutsche, prickelnde Whirl-Liegen.

Für alle war etwas geboten: Für Volleyballer, Fußballer, Trompolinspringer und Tischtennisspieler. Sogar unerschrockenen Akrobaten stürzen mit verrückten Sprüngen vom Ein-, Drei- oder Fünfmeterbrett in die blauen Fluten. Sonnen-Terrasse, Eis schlecken und Chicken mit Pommes.

Ebbe in der Kasse

Wer jetzt Lust auf das Neustadter Märchenbad bekommen hat, der muss sich noch gedulden. Denn das Schwimmbad am Moos-Kreisel ist noch geschlossen - so wie alle Bäder in Bayern. Die Becken sind zwar schon mit Chlorwasser gefüllt, doch die Liegewiesen sind gähnend leer. In der Kasse herrscht wegen der Corona-Pandemie Ebbe.

Temperaturen über 30 Grad, purer Sonnenschein, langes Wochenende - solche Voraussetzungen locken in der Bayerischen Puppenstadt im Normalfall viele Hunderte Besucher an. Doch noch ist alles anders - wegen dieser verflixten Pandemie.

Wasserstandsmeldungen

Gerade jetzt wäre das Märchenbad ideale Ersatz - oder zumindest eine kleine Entschädigung für den stornierten Sommerurlaub im Ausland. Doch selbst aus ein bisschen Urlaubsgefühl oder einer schnellen Abkühlung wird so schnell noch nichts.

Aber die aktuellen Wasserstandsmeldungen machen Hoffnung. Eigentlich sollte das Märchenbad wie gewohnt in der Bayerischen Puppenstadt Ende Mai seine Pforten öffnen. Dieser Termin fällt zwar sicher ins Wasser. Doch die Chancen, dass bald aufgeschlossen werden darf, steigen von Tag zu Tag. Auf jeden Fall sind die Verantwortlichen im Märchenbad auf den Tag X sehr gut vorbereitet.

Während in Nordrhein-Westfalen, Berlin oder auch in Sachsen die ersten Freibäder unter strengen Auflagen wieder öffnen, hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die zweite Pfingstwoche in Aussicht gestellt. "Wir brauchen maximal eine knappe Woche, dann können wir sofort öffnen", sagt der im Märchenbad für die Technik zuständige Konrad Sünkel.

Der Experte von den Neustadter Stadtwerken ist stolz auf seine "Märchen-Crew", die in den letzten sechs Wochen das Schwimmbad auf Hochglanz brachte. Die Grünanlagen sind auch mit Unterstützung der Gärtner von der Sonneberger Wohnungsbau tipp top.

Es wurde fleißig gestrichen und vor allem wurden alle Becken aufwendig geputzt. Auch der emsige Haustechniker Heiko Stier ist zufrieden: "Wir haben ganze Arbeit geleistet. Die Gäste könnten kommen".

Apropos Gäste: Zu Glanzzeiten - das war zum Beispiel im heißen Sommer 2018 - strömten am Tag mehr als 3000 Besucher in das in der ganzen Region beliebte Neustadter Märchenbad. Auch dieses Jahr wird ein heißer Sommer erwartet. Allerdings sind sich alle Verantwortlichen bewusst, dass wegen Corona strenge Auflagen geben wird.

Münzenberger: Zeitpunkt offen

"Unser Chef erarbeitet gerade einen Maßnahmen-Katalog", weiß Abteilungsleiter Sünkel. Und mit Chef meint er Armin Münzenberger, den Geschäftsführer der Neustadter Stadtwerke. Der sagt: "Der Zeitpunkt ist ungewiss. Und im Falle eine Öffnung rechnen wir mit deutlichen Einschränkungen im Vergleich zum gewöhnlichen Badebetrieb." Wie diese Auflagen aussehen, wird die Bäder GmbH rechtzeitig mitteilen. Aber natürlich sei wie überall mit den bekannten Abstandsregeln und Schutzmasken zu rechnen.

Bis zum möglichen Startschuss werde vorerst nur im Familienbad geschwommen. "Obwohl das Wasser in den Becken im Hallenbad abgelassen ist. Derzeit schwimmen nämlich nur die 200 Fische in unserem Aquarium", sagt Münzenberger und schmunzelt dabei.

Im Hallenbad wird gearbeitet

Es ist zweifellos eine Ausnahmesituation, in der sich die beiden Neustadter Bäder befinden. Wo die Badegäste bei Wellenbetrieb normalerweise ausgelassen toben, herrscht aktuell Leere. Allerdings wird gearbeitet: "Wie in jeder Sommerpause stehen auch in diesem Jahr Maßnahmen an, um das Hallenbad technisch auf dem neuesten Stand zu halten. Diese nehmen wir jetzt vor", so Münzenberger.

Über die weitere Entwicklung will die Bäder GmbH ihre Gäste öffentlich und über ihre Homepage auf dem Laufenden halten.

Wissenswertes

"Nach aktuellem Kenntnisstand sind unter Berücksichtigung der üblichen Management-Maßnahmen in Badegewässern keine relevanten Konzentrationen an SARS-CoV-2 zu erwarten, die zu einer Infektion führen können". Das teilt das Umweltbundesamt mit. "Coronaviren in Badegewässer durch infizierte Personen seien zwar möglich, eine Ansteckung erscheint aber wegen der Verdünnung und des Chlors im Wasser äußerst unwahrscheinlich", weiß Konrad Sünkel von den Neustadter Stadtwerken.

Gefährlicher sind Kontakte zwischen Badegästen an der Kasse, in den Umkleideräumen oder Toilettenanlagen. Deshalb werden in den Bädern, wenn sie wieder aufmachen, strenge Einlassbeschränkungen gelten. www.bademehr.de