Gesellige Nachmittage, Einkaufsfahrten und Hilfe im Haushalt: Die Gemeinde sorgt mit kleinen Angeboten dafür, dass Senioren möglichst lange und zufrieden zuhause leben können.
Eine leere Betthälfte und eine stille Wohnung. Der Partner ist schon lange nicht mehr da, die Kinder längst aus dem Haus. Hier und da ein Anruf, dass wieder eine langjährige Freundin gestorben ist. Alltag unzähliger älterer Menschen im Landkreis Coburg. Mit den Jahren gewöhnt man sich an die Stille, und auch an die Einsamkeit. So ist er eben, der Lebensabend, denken viele...
Doch so muss es nicht sein. Dass es anders geht, zeigt die Gemeinde Weidhausen mit einem Rundum-Glücklich-Paket für Senioren. "Da sind ja wieder meine Blumen." Mit diesen Worten begrüßt Joseph Popp "seine" Damen und hilft ihnen in den Gemeindebus. Und Christa (82), Johanna (86) und Gerda (85) nennen den 62-Jährigen liebevoll nur "unseren Sepp".
2009 haben mehrere Läden im Ortskern dichtgemacht. Zum Einkaufen blieben nur noch die Supermärkte im Gewerbegebiet, die jedoch nur mit dem Auto oder über den rund einen Kilometer langen Fußweg erreicht werden können. Damit ältere Menschen da nicht auf der Strecke bleiben, hat die Gemeinde kurzerhand Einkaufsfahrten organisiert. Alle zwei Wochen bietet Weidhausen seitdem die kostenlosen Fahrten an, damit die Senioren ihre Einkäufe nicht nach Hause schleppen müssen. "Viele sind zwar für ihr Alter rüstig und können noch alleine leben, aber die schweren Einkäufe schleppen, das schaffen sie nicht mehr", erklärt Joseph Popp, einer der ehrenamtlichen Fahrer. Für den Vorruheständler eine willkommene Abwechslung: "Meine Frau arbeitet noch und anstatt zuhause zu sitzen, tue ich etwas Gutes für die älteren Menschen."
Die Fahrten zählen zur Grundversorgung, weshalb sie auch in Corona-Zeiten weiter stattfinden dürfen. "Es wäre schlimm für uns, wenn es dieses Angebot nicht mehr geben würde." Das sagt Johanna, die zwar einen Führerschein besitzt, aber vor ein paar Jahren entschieden hat, sich kein neues Fahrzeug zuzulegen, nachdem ihr jemand ins Auto gefahren war. "Früher war es auch so, dass nur die Männer den Führerschein gemacht haben", erzählt Witwe Gerda, "und die Frauen haben sich um den Haushalt und die Kinder gekümmert."
Wenn der Partner stirbt, sind vor allem ältere Frauen plötzlich auf sich alleine gestellt. Johanna ist seit 35 Jahren Witwe, seit ihr Mann im Alter von 56 Jahren plötzlich starb. "Die Welt muss weitergehen", sagt sie wehmütig, aber bestimmt. Denn auch wenn sie schon viele Jahre alleine in ihrer kleinen Wohnung lebt: Dank den gemeinsamen Ausflügen fühlt sie sich nicht einsam. So geht es auch Christa, die vor einigen Jahren geschieden wurde und seitdem alleine lebt. "Hauptsache, die Kinder sind alle gut geraten", sagt sie, als sie mit ihren Freundinnen nach dem Einkauf noch einen Kaffee beim Bäcker trinkt und lacht.
Die Einkaufsfahrten sind in Weidhausen nur ein Baustein, damit Senioren so lange wie möglich eigenständig leben können. "Wir merken, dass wir mit kleinen Dingen viel bewirken können", sagt Bürgermeister Markus Mönch. Dafür brauche es nicht immer groß angelegte Projekte mit monatelanger Planung.
Falls ein betagter Bürger beispielsweise Hilfe im Haushalt braucht, kommen die Ehrenamtlichen auch stundenweise nach Hause. Die übernehmen zwar keine medizinische oder körperliche Pflege. Doch sie verrichten kleinere Arbeiten, die oft schwer fallen, wie Fensterputzen oder Staubsaugen. Die Helfer besuchen Lehrgänge, um mit den Senioren an ihren motorischen Fähigkeiten zu arbeiten oder ihnen zu zeigen, wie das Sturzrisiko vermindert werden kann.
Viele kleine Angebote, große Wirkung
Manchmal möchten die Senioren auch einfach Karten spielen, spazieren gehen oder sich nett unterhalten. Auch dafür sind die Ehrenamtlichen zur Stelle. Demnächst will die Gemeinde zusätzlich Wanderwege in der Umgebung ausweisen, die mit zwei bis drei Kilometern Länge auch von älteren Menschen gut zu schaffen sind. Oder sie halten sich bei gemeinsamen Thermenbesuchen und Sitzgymnastik im Gemeindehaus fit.
Ist Weidhausen also die seniorenfreundlichste Gemeinde im Coburger Land? Das lässt sich so laut dem Bürgermeister so schwer sagen. Immerhin werde auch in anderen Gemeinden viel für ältere Menschen getan. "Aber unser Gemeinderat hat es bis jetzt geschafft, relativ unkompliziert auf die Bedürfnisse der Senioren zu reagieren." Oft sind es eben die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen.
Mehr Infos zu den Angeboten gibt es im Rathaus bei Katja Kristek unter der Telefonnummer 09562/983226.