Der nördliche Landkreis hat das Zeug, um sich zum Windenergie-Hotspot des Coburger Landes zu entwickeln. Nachdem die Gemeinde Lautertal erst vergangene Woche den Weg für eine Aufrüstung der bestehenden Windkraftanlagen bei Tremersdorf freigemacht hat, marschiert nun auch die Stadt Rödental in eine ähnliche Richtung. Mit 17:6 Stimmen hat der Stadtrat am Montagabend in der Franz-Goebel-Halle beschlossen, ein "Vorranggebiet für Windenergie" nordwestlich von Fornbach zu beantragen.

Bürgermeister Marco Steiner (Freie Wähler) beeilte sich in der durchaus kontroversen Diskussion, eine Sache schnell herauszustellen: Nur mit einem Antrag für ein Vorranggebiet ist noch lange kein Windrad gebaut! "Wir wollen mit dieser Entscheidung eine Diskussion anregen und wissen, wie die Bevölkerung darüber denkt", sagte Steiner. Wichtig sei es, dass die Stadt mit dem Antrag für ein Vorranggebiet die weitere Entwicklung aktiv beeinflussen könne. Zudem müsse die Bürgerbeteiligung der entscheidende Faktor sein - sowohl bei der Kommunikation im Genehmigungsverfahren als auch später beim finanziellen Ertrag, den der Windpark abwerfe.

Im Gespräch waren für Rödental einst sogar zwei Standorte: einer bei Fornbach, einer im Mönchrödener Forst. Letzter befand sich in der Nähe der städtischen Trinkwasseranlage und fiel trotz positiver Signale aus der Bevölkerung schnell aus der Wertung, weil dort die Bebauung zu dicht ist. Deshalb hat sich die Stadt auf den Standort Fornbach konzentriert.

Erste, lose Gespräche hat es offensichtlich schon gegeben, wie aus dem Sachstandsbericht von Bauamtsleiter Günter Benning deutlich wurde. Die für den Bau von wohl bis zu drei Windrädern nötigen Grundstücke gehören zwei Eigentümern, von denen einer schon seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert hat, die notwendigen Flächen zur Verfügung zu stellen. Erster Schritt im Verfahren ist es jedoch, dass der regionale Planungsverband "Oberfranken-West" nordwestlich von Fornbach ein Vorranggebiet für den Bau von Windkraftanlagen zulässt. Die nächste Sitzung dieses Gremiums soll am 22. April stattfinden.

CSU wünscht sich regionale Lösung

Aus den Statements der jeweiligen Fraktionssprecher wurde deutlich: Sollten im nördlichen Stadtgebiet Windkraftanlagen gebaut werden, dann dürfe das auf keinen Fall gegen den Widerstand der örtlichen Bevölkerung geschehen. Thomas Lesch (SPD) knüpfte deshalb die Unterstützung seiner Fraktion an eine klare Bedingung: "Wenn eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung dagegen ist, können wir nicht zustimmen."

Noch schwerer tat sich die CSU-Fraktion. Wolfgang Hacker gefiel die Vorgehensweise mit dem Antrag an den regionalen Planungsverband als erstem Schritt nicht. Seine Fraktion hätte es lieber gesehen, als ersten Schritt vor Ort die Meinung der Bürger zu erkunden. So - mit einer Vor-Entscheidung des Stadtrates - brauche man sich nicht wundern, wenn sich rund um Fornbach eine Aversion gegen den Windpark aufbaue. Und überhaupt: Aus Sicht der CSU ist, wenn schon Windkraft, ein größerer Park in regionaler Kooperation der richtige Weg - das meinte Elmar Palaunek, der Fraktionsvorsitzende der CSU. Und da gebe es Kommunen im Coburger Land, bei denen es größeres Potenzial für Windkraftanlagen vorhanden sei, ergänzte Fraktionskollege Hacker. Deshalb die Forderung beider: Es brauche einen gemeinsamen Vorstoß der gesamten Region, wenn man im Coburger Land wirtschaftlich sinnvoll Windenergie produzieren wolle.

Bis zu 250 Meter hoch

Die Mehrheit des Stadtrates sah es aber als richtigen Weg an, jetzt erst mal die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit für einen Windpark abzuklopfen und dann in den Dialog mit den Bürgern einzutreten. "Es wäre unsinnig, diese Chance zu nicht zu nutzen", sagte Jürgen Faber (Bündnis 90/Die Grünen). Doch selbst innerhalb der Grünen-Fraktion gab es unterschiedliche Meinungen. Ulrich Leicht zeigte sich besorgt, dass das Naturschutz-Großprojekt "Grünes Band" beim Bau von drei mächtigen Windrädern Schaden nehmen könnte, und verweigerte dem Projektantrag seine Zustimmung.

An ihrer Seite wird die Stadt bei ihren nächsten Schritten einen - diesen Titel gibt es wirklich - "regionalen Windkümmerer" haben. Der heißt Hubert Treml-Franz und hat bei der Energieagentur Nordbayern die Aufgabe, den Ausbau der seit Einführung der 10-H-Regelung darbenden Windenergie zu unterstützen. Der Kümmerer bezeichnete das Fornbacher Projekt als "historische Möglichkeit". Aber eben nur als "Möglichkeit". Ein Antrag an den regionalen Planungsverband sei lediglich der erste Schritt, erklärte der Wirtschaftsingenieur. Ein Jahr müsse man seinen Angaben nach mindestens für das Genehmigungsverfahren rechnen. Von anderen Projekten im Coburger Land, die man bei einem regionalen Kraftakt ausbauen könnte, wisse er nicht, sagte Treml-Franz. Der Kümmerer konnte es sich aber gut vorstellen, dass es über den benachbarten Windpark Tremersdorf möglich sein könnte, einen günstigen Anschluss ans Stromnetz zu bekommen.

Die Erläuterungen des "regionalen Windkümmerers" zeigten, dass sich die Technologie der Windkraftanlagen inzwischen noch einmal deutlich weiterentwickelt hat. Bei Fornbach wäre eine Leistung von bis zu sechs Megawatt möglich. Das ist mehr als doppelt so viel wie bei den Windrädern, die vor gut vier Jahren im Itzgrund in Betrieb gegangen sind.

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Das wiederum ist nur möglich, weil die Anlagen deutlich größer als die im Welsberger "Bürgerwald" ausfallen: Die aktuelle Generation der Windräder ist mit 250 Metern Gesamthöhe (Nabenhöhe: 169) deutlich größer als die aus der 2017er-Generation: Die sind "nur" 199 Meter (Nabenhöhe: 144 Meter) groß. Sollte die Einschätzung aus dem Windatlas Bayern zutreffen, könnten mit jedem bei Fornbach aufgestellten Windrad rund 3000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Ähnliche Anlagen sollen vermutlich auch bei Tremersdorf aufgestellt werden, wenn dort das Verfahren zur Erneuerung der bestehenden Windräder mit einem positiven Ergebnis abschließt.