RödentalDass Heinz Müller am Sonntag seinen 100. Geburtstag feiert, grenzt an ein Wunder: Am 11. April 1921 kam er in Ahorn zur Welt. Zwei Tage später brannte sein Geburtshaus ab. In letzter Sekunde konnten der Neugeborene und seine Mutter gerettet werden. Um die sechsköpfige Familie zu unterstützen, rief das Coburger Tageblatt in der Abendausgabe vom 15. April 1921 zu einer Spendenaktion auf.

Die Familie kam zunächst im Ahorner Pfarrhaus unter und zog zwei Jahre später nach Scheuerfeld um. "In meiner Schulzeit habe ich das Coburger Tageblatt ausgetragen, um Geld zu verdienen", erinnert er sich. Weil es damals keine Autos gab, sind er und seine Brüder zunächst zu Fuß nach Coburg gelaufen, um die rund 60 Exemplare dann in Scheuerfeld, Dörfles und Eichhof zu verteilen.

Der Traum von Architekturstudium

Nach der Schule machte Müller eine Ausbildung zum Maurer. Danach wollte er an der Staatsbauschule in Coburg studieren. Doch als 17-Jähriger wurde er 1939 vom Militär einberufen. "Ich fuhr mit der Eisenbahn nach Crailsheim, um dort ausgebildet zu werden. Ich erinnere mich noch genau an die Durchsage während der Fahrt, in der es hieß, dass England Deutschland den Krieg erklärt hat."

Nach vier Wochen Kriegsgefangenschaft wurde Heinz Müller 1945 als Unbelasteter entlassen. "Die Amerikaner haben uns nach Bayreuth gefahren. Ich hatte ein Fahrrad von einem anderen Soldaten abgekauft, mit dem ich dann nach Coburg gekommen bin." Abends stand Müller bei seinen Eltern vor der Tür, die Freude war groß.

Müller wollte nicht mehr auf dem Bau arbeiten und erfüllte sich den Traum vom Architekturstudium in Coburg. "Um Geld zu verdienen, habe ich eine Kapelle gegründet. Wir haben bis in den Raum Schweinfurt Tanzmusik gespielt", sagt er. In Coburg sei seine Kapelle die erste gewesen, die amerikanische Tanzmusik gemacht hat. Bei einer der Tanzveranstaltungen lernte Müller seine Ehefrau Hildegard kennen. "Im Krieg habe ich immer dafür gebetet, später eine Familie und ein Haus zu haben. Diese Wünsche konnte ich mir mit meiner Frau erfüllen."

Nach der Geburt der zweiten Tochter zog die junge Familie 1950 nach Rödental. Im selben Jahr begann Heinz Müller als Architekt bei der Firma Goebel zu arbeiten. Das Ehepaar bekam zwei weitere Töchter und einen Sohn. "1976 sind wir in unser neu gebautes Haus umgezogen, das ich selbst entworfen habe", erzählt Müller. In seinem Haus hatte er ein eigenes Architekturbüro, in dem er auch Häuser für Privatpersonen plante.1983 ging Müller in Rente und wurde Gästeführer beim Fremdenverkehrsamt. "Ich habe oberfrankenweit Städteführungen für Gäste aus ganz Europa angeboten." Nach der Wende zeigte er den Touristen auch Weimar und Erfurt. "Als ich noch ein Kind war, war Thüringen durch das Herzogtum näher als beispielsweise Lichtenfels - ich bin der Region sehr verbunden."

Noch heute leben Heinz und Hildegard Müller gemeinsam in ihrem Haus in Rödental. Das Ehepaar hat mittlerweile acht Enkel und sechs Urenkel. Wenn es das Wetter zulässt, gehen die beiden gerne spazieren. "Alles ist so eingetroffen, wie ich es erhofft hatte. Ich bin sehr glücklich."