In der Müllmengenschätzung für die nächsten Jahre schlägt sich eine mögliche Einführung der Biotonne noch nicht nieder. Zwar rechnet auch Katrin Tröger mit leicht sinkenden Müllmengen für die Verbrennungsanlage in Coburg-Neuses. Doch der Rückgang der Müllmenge, sagt sie, sei in erster Linie den sinkenden Einwohnerzahlen im Verbandsgebiet geschuldet. Tröger ist die kaufmännische Leiterin des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Nordwestoberfranken (ZAW). Der ZAW kann dann andere Abfälle zur Verbrennung annehmen, doch die verfügen meist über einen höheren Heizwert, so dass für einen Betrieb des Müllheizkraftwerks (MHKW) weniger gebraucht wird.

Doch was passiert in Zukunft mit dem Biomüll, den die Einwohner im Gebiet des ZAW derzeit noch in ihre Restmülltonne werfen dürfen? Seit Jahresbeginn muss Biomüll getrennt erfasst und verwertet werden. Dafür ist der ZAW nicht selbst zuständig, sondern die in ihm zusammengeschlossenen Landkreise Coburg, Kronach und Lichtenfels sowie die Stadt Coburg. Der ZAW hat allerdings für sich und seine Mitglieder eine Untersuchung in Auftrag gegeben, wie viel Biomüll überhaupt noch extra erfasst werden kann und ob sich das dann auch rechnet. Die Ergebnisse, sagt ZAW-Werkleiter Peter Baj, können für jedes Verbandsmitglied anders ausfallen - für die Stadt Coburg anders als für einen eher ländlich geprägten Landkreis wie Lichtenfels.

Heizen oder düngen?

Auf dem Land kompostieren die Bürger nämlich noch viel selbst - neben Gartenabfällen und Grünschnitt auch Küchenabfälle wie Kartoffelschalen oder welke Salatblätter. In der Stadt bestehen diese Möglichkeiten häufig nicht, weshalb dort alles, was in der Küche anfällt, mit in die Restmülltonne geworfen werden darf. Lediglich für Grünschnitt aus den Hausgärten bietet die Stadt derzeit eine Abgabemöglichkeit an.

Möglicherweise bleibt es auch dabei, sagt Baj. Denn die getrennte Erfassung von Biomüll müsse laut Gesetz "wirtschaftlich zumutbar" und die "ökologische Sinnhaftigkeit" gegeben sein. "Egal, ob der Biomüll kompostiert wird oder verbrannt - es fällt Kohlendioxid an", sagt Baj. Kompost kann als Dünger verwendet werden; verbrannter Müll liefert Wärme, "und was beim MHKW hinten rauskommt, ist absolut keimfrei". Kompostierungs- oder Biogasanlagen könnten das nicht immer gewährleisten, sagt der Werkleiter. "Es gibt auch Keime, die 100 Grad Celsius vertragen"; eine Vergärungs-(Biogas-)Anlage arbeite mit Temperaturen von 80 bis 85 Grad.

Das MHKW liefert Fernwärme für Coburg. "Dadurch sparen wir 33 000 Tonnen Kohlendioxid, die sonst durch die Wärmeerzeugung aus fossilen Brennstoffen anfallen würden." Durch Vergärung könnte das Phosphat aus dem Biomüll zurückgewonnen werden, räumt Baj ein. "Aber das ist viel zu teuer." Allerdings seien Biogasanlagen derzeit noch lukrativ, weil sie nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert werden. Deshalb lässt der ZAW auch prüfen, ob sich eine eigene Biogasanlage rechnen würde und ob die auf dem Gelände des MHKW entstehen dürfte. Dazu untersuchen die Gutachter auch, wie viel verwertbarer Biomüll sich überhaupt noch in den grauen REstmüllkübeln befindet. 6000 bis 7000 Tonnen, sagte ein Gutachten 2005.

Was gilt als Biomüll?

Laut Baj eignet sich für Biogasanlagen in der Regel nur das, was vor dem Kochen in der Küche abfällt - Speisereste oder Papiertaschentücher gehören nicht dazu. Andere Landkreise sammeln auch das als Biomüll, wie zum Beispiel der benachbarte Landkreis Haßberge, der seinen Restmüll in Schweinfurt verbrennen lässt. Der Biomüll wird in den Haßbergen kompostiert.

Ende März sollen die Gutachter ihre ersten Ergebnisse vorstellen, Anfang Mai wird sich dann die Zweckverbandsversammlung damit befassen. Dann, sagt Baj, müssen die Landkreise und Städte sagen, wie sie verfahren wollen. Er als Werkleiter werde keine Empfehlung abgeben, betont er.

Aber er verweist zum Abschluss des Gesprächs auf das Beispiel Regensburg: Dort können die Bürger eine Biotonne ordern, müssen sie aber extra bezahlen. Ansonsten nimmt die Stadt Regensburg Biomüll auf ihren Wertstoffhöfen an, wo ihn die Bürger selbst anliefern müssen. Denn der Biomüll müsse zwar getrennt erfasst werden, heißt es in Regensburg. Doch eine Pflicht zur Biotonne für jeden Haushalt gebe es nicht.