Schon vor der Dezember-Sitzung des Gemeinderats ging es am Montagabend im Weitramsdorfer Feuerwehrhaus hoch her. Anlass war erneut die Sperrung der Schulstraße. Für die Versammlung hatte die SPD-Fraktion einen Antrag auf Wiedereinführung der alten Sperrfristen von 7 bis 13.30 Uhr gestellt. Außerhalb dieser Zeit sollte eine "intelligente, verkehrsabhängige Ampel" den Verkehr regeln. Dagegen rief die neugegründete "Interessengemeinschaft Mühlberg (IGMW)" zu Protesten auf. Die darin organisierten Anwohner wollen, dass die Sperrung bis 17 Uhr bestehen und die Verkehrsbelastung im Viertel so gering wie möglich bleibt.

IGMW-Initiator Robert Müller bat um ein kurzes Rederecht in der Gemeinderatssitzung. Dies gewährte ihm der Dritte Bürgermeister Michael Rädlein (CSU) nicht. Mit Blick auf die Uhr eröffnete Rädlein als Vertreter des erkrankten Wolfgang Bauersachs stattdessen um punkt 19 Uhr die Sitzung. Müller und die übrigen Vertreter der IGMW forderte er auf, ihre Plakate verschwinden zu lassen, sonst werde er sie aus dem Saal werfen lassen. Kaum hatten die zahlreichen Gäste Platz genommen, beantragte Leonhard Potsch (BfB), den SPD-Antrag von der Tagesordnung zu nehmen. Er verwies zum einen auf den Sperrungsbeschluss des Bauausschusses, zum anderen darauf, dass nach der Bürgerversammlung der Antrag auf ein Schulwegkonzept bereits laufe. Seiner Meinung schlossen sich nur drei Kollegen an. Trotzdem wurde das Ansinnen später zurückgezogen, vom Antragsteller selbst. Er sei bereit, den Vorschlag in ein Gesamtkonzept einfließen zu lassen, begründete SPD-Fraktionsvorsitzender Dominic Juck nach kurzer Beratung mit seinen Fraktionskollegen seinen Schritt. Jucks Kritik: "Es ist ein Unding, dass mit dem Thema Wahlkampf gemacht wird." Den SPD-Antrag sah er nicht als Wahlkampf an. Vielmehr bemühe sich dieser - wie im übrigen das gesamte Gremium - um eine sachliche Lösung des Problems.

Kanalsanierungen beginnen

Zu den Maßnahmen, die der Gemeinderat auf den Weg brachte, gehört die Kanalsanierung. Heiko Runge von Gaul Ingenieure (Bamberg) erläuterte die geplanten Baumaßnahmen in Weitramsdorf, Neundorf, Tambach, Altenhof und Hergramsdorf, die mit rund einer Million Euro zu Buche schlagen werden. Fast alle zu sanierenden Kanäle sollen abgearbeitet werden. Runge: "Nur ein kleiner Teil von Weitramsdorf bleibt übrig." Da fast alle Arbeiten im geschlossener Bauweise mittels Schlauchlining oder partieller Sanierung durchgeführt werden können, müsse kaum aufgegraben werden, informierte der Ingenieur. Ab 2020 sollen 117 Kanalhaltungen auf rund 4,5 Kilometern saniert werden. Damit wären dann die ersten drei Schadensstufen im Gemeindegebiet beseitigt, bestätigte Runge auf Nachfrage von Tobias Ehrsam (CSU). Die Arbeiten könnten sich bis Mitte oder gar September 2021 hinziehen, so der Experte. Und die Kosten ließen sich wegen der derzeit "vogelwilden Preise" nicht genau vorhersagen. Im Haushalt würden sowieso jedes Jahr Mittel für die Kanalsanierung eingestellt, erinnerte Geschäftsleiter Heiko Geuß. Nach einstimmigem Votum des Gemeinderats können die Arbeiten wie von Runge vorgestellt ausgeführt werden.

Konstant bleiben in Weitramsdorf die Abwassergebühren: Pro Kubikmeter eingeleitetem Schmutzwasser betragen sie auch 2020 3,20 Euro. Diesen Wert hielt Kämmerer Christian Reuß bei der Kalkulation auch weiterhin für "auskömmlich".

Pro Woche nutzen durchschnittlich sechs Bürger aus Weitramsdorf und drei Bürger aus Weidach den von der Gemeinde für Einkaufsfahrten zur Verfügung gestellten Jugendbus. Nachdem sich der Krankenpflegeverein bereit erklärt hat, auch im nächsten Jahr die personelle Abwicklung für diesen "Seniorenbus" zu übernehmen, plädierte der Gemeinderat bei einer Gegenstimme für die Fortsetzung dieses Dienstes. Im letzten Jahr fielen dafür Kosten in Höhe von rund 3260 Euro an. 2019 waren es bisher rund 2770 Euro für insgesamt 457 Mitfahrer.

Grundstück vorhanden

Eine Anlage für Skateboards, Inlineskates, BMX-Räder und Roller möchten Christoph Goer-Denninger (ÜPWG) und Dominic Juck (SPD) in Weitramsdorf einrichten. Ihr Antrag: Die Gemeinde möge prüfen, ob sich ein geeignetes Grundstück in ihrem Besitz befindet und dabei die Anforderungen der Kinder und Jugendlichen berücksichtigen. Entsprechende Areale seien im Gemeindegebiet vorhanden, argumentierten die Antragsteller, so dass ohne großen Aufwand "ein deutlicher Mehrwert" für diese Zielgruppe geschaffen werden könne. "Es gibt ein Grundstück", bestätigte Rädlein, die Verwaltung habe sich bereits der Sache angenommen.

Dass der Jugendtreff in Weidach wegen einer fehlenden Betreuung nicht öffnen kann, wollte Juck als Jugendbeauftragter nicht hinnehmen. Er habe nun jemanden gefunden, informierte er den Gemeinderat. "Es wäre super, wenn der Raum wieder belebt wird", freute sich Rädlein, bevor er in seinem Schlusswort an positive Entwicklungen im Gemeindegebiet in diesem Jahr erinnerte.

Wie Weitramsdorf seine Vereine unterstützt

Im entsprechenden Register eingetragene und als gemeinnützig anerkannte Vereine mit Sitz in der Gemeinde werden in Weitramsdorf auch weiterhin jährlich mit einem Zuschuss gefördert. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag so beschlossen. Geschäftsleiter Heiko Reuß präsentierte vor dem Beschluss allerdings eine Neufassung der Förderrichtlinien zum 1. Januar 2002. Dies war vom Rechnungsprüfungsausschuss angeregt worden.

Bei 18 der darin aufgelisteten 21 Vereine beträgt dieser Zuschuss nun automatisch, das heißt ohne vorherige Beantragung, 150 Euro. Die drei Sportvereine SV Tambach, SV Weidach und TSV Weitramsdorf bekommen pro Jahr 180 Euro. Nur nicht aufgeführte Vereine müssen noch bis zum 30. September 2020 einen Antrag stellen. Ausgezahlt wird der Zuschuss jeweils bis zum 15. Oktober. Obendrein können die genannten Ortsvereine einen Investitionszuschuss beantragen: Zehn Prozent der zuwendungsfähigen Kosten werden gewährt, sofern die Investitionen mindestens 1000 Euro betragen und der Förderbetrag 500 Euro pro Verein und Jahr nicht überschreitet. Bei Maßnahmen über 5000 Euro entscheidet das zuständige Gremium. Alle Anträge müssen inklusive Kostenvoranschlag vor Beginn der Maßnahme gestellt werden. Ausgezahlt wird nach Abschluss und Vorlegen der Rechnung. Die freiwilligen Feuerwehren sind von beiden Zuschuss-Arten ausgeschlossen. Die Sportvereine erhalten für ihren Betrieb pauschal eine Förderung von 0,20 Euro pro Mitgliedereinheit. Der entsprechende Bescheid des Landratsamts Coburg ist der Verwaltung vorzulegen. Außerdem haben die genannten Ortsvereine Anspruch auf einen Jubiläumszuschuss, der nach Art des Jubiläums gestaffelt ist (von 150 Euro für 25 Jahre bis 250 ab 125 Jahren). Für die Wartung der Wanderwege erhält der SV Tambach jährlich eine Zuwendung von 500 Euro. Die Neufassung wurde vom Gremium einstimmig abgesegnet.

Der sitzungsleitende Dritte Bürgermeister Michael Rädlein hatte noch eine gute Nachricht: Am über 19000 Euro teuren Glasfaser-Anschluss für die Hermann-Grosch-Grundschule beteiligt sich der Freistaat mit gut 17000 Euro. Lediglich 1912 Euro muss die Gemeinde als Eigenanteil aufbringen.