Stolz läutet Werner Strehler die zwei Glocken, die im Gebälk der kleinen Waldkapelle am Kastenbrünnle bei Weitramsdorf hängen. Die Glocken rufen ab sofort am Sonntagvormittag zum Gottesdienst, seit Dekan Andreas Kleefeld die Kapelle vor Kurzem eingeweiht hat.

Um die 100 Weitramsdorfer waren zum ersten Gottesdienst zum Kastenbrünnle gekommen, viele per Rad oder einfach zu Fuß. Mit dieser Kapelle, sagte der Dekan lobend, hätten der Initiator, Kirchenwaldbetreuer Werner Strehler, und sein Team dem Ort am Kastenbrünnle einen besonderen Charakter gegeben. Was hier allerdings einziehen müsse, das sei neben Altar, Glocken und dem Kreuz auch das friedliche Miteinander in der Gemeinde. Das sei im Moment gehörig durcheinandergewirbelt und polarisiere vor allem beim Thema des evangelischen Kindergartens auch im Alltag.


Die Waldkapelle, das wünschte sich nicht nur der Dekan, sondern Strehler selbst auch, möge ein Ort der Begegnung werden, mit dem in Gesprächen und in der Andacht Gemeinschaft gelebt und erlebt werde.
Der Eichenaltar der Kapelle entstand aus einem rund 200 Jahre alten Eichenstamm und hat ein Gewicht von mehr als 600 Kilogramm. Er ist etwas ganz Besonderes. Werner Strehler, im Auftrag der Kirchengemeinde Weitramsdorf seit Jahrzehnten als Kirchenwaldbetreuer tätig, ist stolz auf das kleine Bauwerk mitten im Wald, das in nur wenigen Wochen Bauzeit entstand. Er selbst war es, der sich im vergangenen Jahr mit der Idee an den Kirchenvorstand wandte, hier im Kastenholz eine Kapelle zu errichten. Eigentlich, gibt er zu, seien es rein praktische Erwägungen gewesen, die zur Idee führten. Vier Mal im Jahr nämlich war er es, der für die Waldgottesdienste die Zeltmöbel aufstellen musste. Warum nicht gleich ein feststehendes Gebäude errichten, meinte er und ging ans Werk.

Baubeginn im Januar

Die Zeichnungen übernahm Bernd Leistner, der Zimmerermeister, der natürlich auch bei der Konstruktion und beim Aufbau half. Im Januar 2014 starteten die Arbeiten. Unter Leitung des Kirchenwaldbetreuers und Landwirts Werner Strehler ging das Kirchenwald-Team ans Werk. Der Boden wurde eingeebnet, das Gerüst gestellt, es wurde zugeschnitten, gehobelt und gestrichen. Bereits am 11. Januar konnte der Dachstuhl aufgerichtet werden. Anschließend wurden die Schindeln aufgelegt, der Altar und das Kreuz angebracht. Ans Werk machten sich Werner Strehler, Bernd Leistner, Sebastian Stelzner, Klaus Strehler, Hubertus Müller, Gerhard Schäftlein, Bernd Siegel, Gerd Förster, Volker Stoye, Ingo Unfried, Bernd Strehler und Michael Jugl.
1806 war die Kirchengemeinde in den Besitz des Kastenholzes mit rund 25 Hektar gekommen. Die Einnahmen aus der Waldbewirtschaftung flossen und fließen noch immer in den Wald und seine naturnahe Bewirtschaftung zurück. Für Werner Strehler, seit über 30 Jahren Kirchenvorstand und Kirchenwaldbetreuer, ist der Wald das zweite Zuhause. "Im Weitramsdorfer Wald", lacht er, "gibt es wohl kein Stück, das ich nicht kenne."

Der Herr des Waldes

Schon von Kindesbeinen an hat Werner seinen Vater hinaus in den Wald begleitet, ob beim Holzeinschlag oder bei Ausforstungsarbeiten. Gemeinsam mit zwei ABM-Leuten hat er Ende der 90er-Jahre das Kastenbrünnle neu mit Sandsteinquadern eingefasst und aufgebaut. 2002 wurde am Brunnen die Schutzhütte aus Holz erbaut, und 2011 wurde der erste Waldgottesdienst am Kastenbrunnen gefeiert, in den Sommermonaten fortan bis zu vier Waldkirchen. Im Laufe der vergangenen Jahre, erzählt Werner Strehler, sei der Kirchenwald Baum für Baum umgebaut worden - vom witterungs- und käferanfälligen Nadelholz auf Laubholz. Gut ein Drittel des Waldes weist jetzt Laubholzbestand auf. Bewirtschaftet wird der Kirchenwald auf der Grundlage eines Vertrags mit der Waldbauernvereinigung Coburger Land, der 2005 besiegelt wurde. Mehrmals mussten Sturmschäden beseitigt werden, wurde mit Jungpflanzen nachgerüstet. Wenn Werner Strehler durch den Wald geht, sieht er, was gemacht werden muss, aber er genießt auch die Natur. Seit er sich als Landwirt zur Ruhe gesetzt hat, hat er mehr Zeit für den Wald, der für ihn Erholung pur sei, auch wenn Arbeit anstehe.

Die Kapelle zieren eine Wachsbibel und ein Schaukasten, der die Geschichte des Kirchenwaldes aufzeigt. Ein kleiner Kinderspielplatz soll hier am Kastenholz noch entstehen. Was sich Werner Strehler und sein Team wünschen, ist, dass die Waldkapelle pfleglich und mit Ehrerbietung behandelt wird.