Die "Prognos-Studie", die dem Landkreis mangelnde Zukunftsfähigkeit attestiert, weil er von produzierendem Gewerbe geprägt ist, geht Landrat Michael Busch (SPD) schon lange ein bisschen auf die Nerven. Da tut es gut, beim regelmäßigen Wirtschafts-Dialog mit heimischen Unternehmen auf Familien wie die Dressels zu treffen. Die gehören zwar strukturell zum produzierenden Gewerbe - sind aber schon in der fünften Generation in der Metallbranche, von den Produkten her breit aufgestellt und so ein Unternehmen sehr wohl mit Zukunft.
"Dieser Betrieb steht für Betriebe, die das Coburger Land stark machen", sagte Busch nach der Führung durch Werkhallen, in denen die Firma Dressel Metall be- und verarbeitet. Auf seine Kunden ist Firmenchef Norbert Dressel schon ein bisschen stolz. Denn die stehen beispielhaft für die Vielfalt, mit der sich der Familienbetrieb einen Namen gemacht hat. Sie kommen aus der Sparte der Automobilzulieferer (Brose) ebenso wie aus dem Maschinenbau (Kaeser) und sogar aus der Medizinbranche. Dass sein Mitarbeiter seit Jahren für die Haba-Firmengruppe produzieren, gefällt Norbert Dressel sowieso - alleine schon deshalb, weil sich die Bad Rodacher gerne t als "Erfinder für Kinder" bezeichnen.

Und erfinden - das tun die Dressels auch gerne. Juniorchef Dominic schrieb jüngst Schlagzeilen, weil er - zu seiner eigenen Überraschung - mit dem Erfinderpreis des oberfränkischen Handwerks ausgezeichnet wurde. Als der Landrat sah, für was, war er beeindruckt: Gut vier Meter hoch ist die Brennholz-Reinigungstrommel, die Dominic Dressel während seines Kurses zum Metallbaumeister entwickelt hat. Das Ding schaut aus wie eine XXL-Waschmaschine, in der Brennholz-Scheite trocken sauber geschleudert werden. Ohne Wasser, klar.
Wer weiß, wie sehr sich der Brennholzmarkt in die Baumärkte und damit ein schmutzfreies Revier entwickelt hat, kann sich auch die Erfolgsaussichten der Reinigungstrommel lebhaft vorstellen. "Wir haben Bestellungen aus ganz Deutschland vorliegen", sagt Dressel junior, der seine Maschine am 24. September bei der "Nacht des Handwerks" in Seßlach vorführen wird.


Unterwegs mit der "Radl-Tour"

Nach seinem Erfolgsrezept für 143 Firmengeschichte befragt, wird Norbert Dressel fast ein bisschen verlegen. "Werbung machen wir jedenfalls nicht", sagt der Geschäftsführer. Es sind wohl die klassischen deutschen Handwerker-Tugenden, vermutet Dressel: "Qualität und Termintreue". Das seien zwei positive Eigenschaften, mit denen man sich einen guten Namen verschaffe. Und der spreche sich eben herum. So hat es der 20-Mann-Betrieb geschafft, sich immer wieder den Gegebenheiten des Marktes anzupassen. Belieferte Metallbauer Dressel in den 80er Jahren fast ausschließlich Möbelhersteller, so machen die "heute keine fünf Prozent" (Norbert Dressel) der Auftragseingänge mehr aus. Stattdessen fertigt die Belegschaft Bauteile für die schicken Groß-Toiletten und Wasch-Stationen, die jedes Jahr mit der "Radl-Tour" des Bayerischen Rundfunks durch den Freistaat ziehen.

Natürlich profitiert die Firma Dressel auch von der geographischen Lage. Erst jüngst hat Norbert Dressel beim Gespräch mit russischen Kunden schnell zusammengefasst, wo denn das Coburger Land oder gar Weidhausen liegt: "Nicht mitten in Deutschland, sondern mitten in Europa." Und mit der neuen Bundesstraße 303 quasi direkt vor der Haustür sind auch die benachbarten Landkreise richtig nahgerückt. Nur: "Zehn Jahre früher", sagt der 58-jährige Geschäftsführer im Rückblick, "hätte die Umgehung kommen müssen."


Die B 303 und ihre Folgen

Wo Licht ist, ist auch Schatten - das gilt auch für die B 303. Immer wieder wundert sich Norbert Dressel, wie viele Lastwagen auf der Durchreise die Mödlitzer Straße finden und dort ihr teils stundenlangen Pausen direkt vor der Dressel-Firmeneinfahrt machen. Das führt nicht selten dazu, dass die Lieferanten der Stahl- und Metal-Produzenten für den Weidhäuser Metallbauer gar nicht mehr richtig rangieren können. In diesem Punkt konnte der Landrat dann wenigstens einen Hoffnungsschimmer andeuten: Vielleicht beginnt schon im kommenden Jahr der Bau der Raststätte bei Drossenhausen (Gemeinde Meeder). "Der würde die Situation bei den Parkplätzen für Lastwagen in der gesamten Region verbessern", sagte Busch voller Optimismus.