Ulrich S. ist nervös. "Er ist psychisch angeschlagen. Zuweilen droht er mit ernsten Folgen." Sein Anwalt Hans-Heinrich Eidt schreibt gerade einen Brief an ihn, als wir anrufen. Der 55-Jährige, der im Oktober vergangenen Jahres seine Frau im "Alten Schützenhaus" erschossen hat, sitzt mittlerweile in Kronach in Untersuchungshaft.
Ihm ist jetzt die Anklage zugestellt worden und die lautet, wie schon im Frühjahr von dem Leitenden Oberstaatsanwalt Anton Lohneis angekündigt wurde, auf Totschlag. Das Höchststrafmaß liegt da bei 15 Jahren. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft gehen nach wie vor davon aus, dass sich in der Nacht zum 7. Oktober in den Privaträumen der bekannten Coburger Gastwirtschaft im Weichengereuth ein Beziehungsdrama abgespielt hat.

Ulrich S. habe demnach seine 44-jährige Ehefrau aus Eifersucht und Trennungsangst mit einer doppelläufigen Schrotflinte erschossen.
Anschließend soll er versucht haben, sich mit der Waffe selbst zu töten.

Die Verteidigung sieht das ganz anders und wird auf fahrlässige Tötung plädieren. Demnach habe Ulrich S. die Waffe im Haus gehabt, um im Keller Ratten zu jagen, erläutert Eidt. Der Rechtsanwalt geht davon aus, dass der 55-Jährige über seinen Hund gestolpert ist und sich dabei ein Schuss gelöst hat, der seine Frau tödlich verletzte. Aus Verzweiflung habe er anschließend versucht, sich das Leben zu nehmen. Die Kugel trat etwa rechts unterhalb der Rippen in seinen Körper ein und unter der linken Achsel wieder aus.

Ulrich S. schwebte zunächst einige Zeit in Lebensgefahr und lag vier Wochen in Coburg im Klinikum. Anschließend wurde er ins Gefängnis-Krankenhaus Stadelheim überstellt.

Schwere Folgeschäden

"Mittlerweile konnte er nach Kronach überführt werden", sagt Eidt. Körperlich habe sein Mandant zwar mit schweren Folgeschäden zu kämpfen, es gehe ihm aber den Umständen entsprechend gut. Auch zu seiner ersten Frau und seinem Sohn habe er guten Kontakt und werde regelmäßig besucht.

Der erste Verhandlungstag ist auf 22. Juli angesetzt, weitere Termine sind am 1., 2. und 5. August. Den Vorsitz hat der Vorsitzende Richter Gerhard Amend. Über 50 Zeugen sind bereits geladen, es könnten noch einige folgen, sagt Eidt. Ob die angesetzten Verhandlungstage ausreichen, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Fest steht schon jetzt, dass das öffentliche Interesse sehr groß ist. Für die Medienvertreter wurde angekündigt, nur je eine Platzkarte auszugeben.