Die Vereinten Nationen haben 2015 zum internationalen Jahr des Bodens ausgerufen. Albert Schrenker findet dies gut. Denn für den Leiter des Forstbetriebes der Bayerischen Staatsforsten ist Bodenschutz der beste Naturschutz: "Ohne guten Boden gibt es auch keine Orchidee und keine Wildkatze."
Schrenker weiß natürlich auch, dass er sich mit solchen Aussagen ein bisschen leichter tut als anderen Berufsgruppen, die an und mit der Natur arbeiten. "Wenn wir etwas pflanzen, dann muss sich die nächsten 100 oder 150 Jahre erst einmal nichts tun", sagt der Forstbetriebsleiter. Und ein Boden, der in Ruhe gelassen wird, ist natürlich ein guter Boden.
Den Wert des Bodens - und noch mehr: der bodengerechten Bepflanzung - hat die Forstwirtschaft aber auch erst lernen müssen. "Die schweren Stürme in den 90er Jahren haben uns gezeigt, dass wir näher zum Boden denken müssen", sagt Bernd Lauterbach, der Revierförster in Hassenberg ist. Denn gerade deplatzierte Fichtenbestände wurden bei Stürmen wie "Wiebke" und "Lothar" nahezu dem Erdboden gleich gemacht. Albert Schrenker erklärt, warum: "Auf Muschelkalk-Boden hat eine Fichte nichts verloren." Und Muschelkalk, auf dem Laubhölzer gut und sicher stehen, gibt es vielerorts im Coburger Land.


Ein Drittel des Waldes ist staatlich

Um die Böden zu schützen, haben die Staatsforsten - denen mit 850 000 Hektar immerhin ein Drittel des bayerischen Waldbestandes gehört - sich selbst eine ganze Reihe von Vorschriften gegeben. Die "systematische Befahrung" der Wälder bei der Holzernte ist zum Beispiel klar geregelt. "Die schweren Geräte dürfen nur festgelegte Rückegassen befahren, der Rest ist tabu", erklärt Bernd Lauterbach. Denn tonnenschwere Fahrzeuge wie etwa die Harvester verdichten den Boden - und verdichteter Boden ist schlechter Boden. "20 bis 30 Jahre", schätzt Schrenker, dauert es, bis sich ein geschädigtes Stückchen Erde erholt.
Auch wenn er mit kaum zu bremsender Begeisterung über die zig verschiedenen Bodenarten im Coburger Land spricht, ist Schrenker überzeugt: Dass Bodenschutz auch Naturschutz ist, ist eine Tatsache, die nicht ganz einfach in die Köpfe der Menschen zu bringen ist. "Das liegt an den Emotionen", vermutet der Forstbetriebsleiter. Denn auf dem Boden, da steht der Mensch halt nur. Den nehme man in seiner Bedeutung gar nicht so wahr. Dies sei bei schönen Blumen und wilden Tieren halt anders.


Die Fichte mag es nicht so trocken

Mit der Diskussion über den richtigen Baum für den richtigen Boden geht natürlich auch der Klimawandel einher. Dass dieser schon längst im Gange ist, erleben Förster quasi jeden Tag bei der Arbeit. Es gibt Studien der Staatsforsten, nach denen den Fichtenbeständen in vielen oberfränkischen Regionen das Aus droht. Hitze und Trockenheit - das mögen diese Nadelbäume auf Dauer nicht. "Im Fichtelgebirge und im Frankenwald", erklärt Albert Schrenker, "hat die Fichte noch eine Zukunft". Im Raum rund um Seßlach dagegen kaum mehr. Gebraucht werde die Fichte dennoch, das betont Schrenker: "Dachstühle werden nun mal aus Fichtenholz gezimmert."
Dennoch ist der Wald im Wandel, weil ihn die Staatsforsten umbauen. Hatte das Coburger Land im Jahr 2000 noch einen Nadelholzanteil von 70 Prozent, so strebt die Forst-Verwaltung für 2100 eine Umkehr des Verhältnisses an: 70 Prozent Laub-, 30 Prozent Nadelholz. Bernd Lauterbach schätzt, dass derzeit etwa 37 Prozent Laubbäume in den Coburger Wäldern stehen. Wobei es auch Nadelbäume gibt, die dem künftigen Klima in der Region gewachsen sind. Die Douglasie ist so ein stress-stabiler Baum, der deshalb - obwohl er nicht als heimisch gilt - vermehrt im Coburger Land gepflanzt wird. Die Staatsforsten haben sich vier Hektar neuer Douglasien pro Jahr in ihren Bewirtschaftungsplan geschrieben.


Die Exoten kommen

Wird es auch Exoten geben, die künftig in Franken wachsen? Bernd Lauterbach muss nicht lange überlegen, denn er kennt schon Standorte von Bäumen, die man bislang noch nicht im Coburger Land als heimisch empfand: "Esskastanie und Baumhasel gibt es jetzt schon." Theoretisch könnte sich sogar der aus den USA bekannte Mammutbaum hier wohl fühlen - aber so abenteuerlich will Albert Schrenker dann doch nicht werden.
Den Weg in die Zukunft wollen die Staatsforsten mit dem "bayerischen Weg" beschreiten. "Schützen und nützen", sagt Schrenker, heiße aber eben auch, dass ein sinnvoller Waldbau einen wirtschaftlichen Effekt haben könne und müsse. Bei der Frage, welche Bäume dabei im Coburger Land künftig eine Rolle spielen, ist Bernd Lauterbach reichlich gelassen: "Es gibt locker 15 Baum-Arten, mit denen wir hier spielen können." Auf dem guten, gesunden Coburger Boden.