Über 150 Menschen, dazu 60 leere Stühle - und: Stille. So zeigten am Samstagnachmittag zahlreiche Coburgerinnen und Coburger auf dem Marktplatz ihre Solidarität mit den Geflüchteten aus den Lagern an der europäischen Außengrenze. Auf bunten Plakaten war zu lesen: "In Coburg ist Platz für Solidarität", "Rettet die Menschen aus Moria", und "Kein Sterben an den EU-Außengrenzen".

Zur Kundgebung aufgerufen hatten Bündnis 90/Die Grünen, die Grüne Jugend sowie die Jusos. Die Teilnehmer brachten leere Stühle mit, als Symbol für den Platz, den Coburg habe - "gerade für Menschen in Not", wie die Initiatoren erklären. Die Demonstrierenden wollten damit ein Zeichen setzen, auch in Richtung Stadt Coburg, die sich bisher noch nicht zum "sicheren Hafen für Geflüchtete" erklärt hat. Außer Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) fanden sich auch die Stadträte Wolfgang Weiß und Wolfram Haupt (beide Grüne) sowie Thomas Apfel und Jürgen Heeb (beide Pro Coburg) unter den Teilnehmenden. OB Sauerteig hatte noch dazu seinen Stuhl aus der Regimentsstube mitgebracht und ebenfalls auf den Marktplatz gestellt.

Solidarität mit Flüchtlingen in Moria - Botschaft: Für Menschen in Not ist Platz in Coburg

Gegen Ende der Kundgebung wurde das Schweigen gebrochen. Am offenen Mikrofon äußerten mehrere Demonstrierende ihre Solidarität mit den Menschen in Moria und anderen Menschen auf der Flucht. "Wir sind alle gleich - egal welche Herkunft, Hautfarbe oder Religion wir haben", rief eine Teilnehmerin und machte - sie selbst dreifache Mutter - zudem auf die vielen Kinder aus Moria aufmerksam. Ein weiterer Teilnehmer wurde konkret: Innenminister Seehofer (CSU) solle endlich die Angebote von hunderten Städten und Gemeinden aus ganz Deutschland annehmen und mehr Geflüchtete aufnehmen als die von ihm genannten 150. Aktuell sind knapp 13.000 Menschen aus Moria obdachlos, da ihr Camp durch einen Brand fast vollständig zerstört wurde.

Der ehemalige Pfarrer Karl-Heinz Lipp berührte mit persönlichen Schilderungen aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als es viele deutsche Geflüchtete gab.

In einem Sprechchor riefen die über 150 Demo-Teilnehmer: "Say it loud, say it clear: refugees are welcome here!" - zu deutsch: Sag es laut, sag es klar, Flüchtlinge sind willkommen hier!

Die Initiatoren Johannes Wagner und Theresa Scholz (beide Bündnis 90/Die Grünen) zeigten sich in einer Stellungnahme "überwältigt" von der großen Resonanz: "Die Coburgerinnen und Coburger haben gezeigt, dass es in unserer Stadt viel Platz für Mitgefühl und Solidarität gibt. Die Bundesregierung muss jetzt handeln, Herr Seehofer muss seine Blockadehaltung aufgeben!" Und: Mit Ausnahme von einer Person, die der Versammlung verwiesen wurde, hätten sich alle Teilnehmenden an die Abstands- und Hygieneregeln mit Maskenpflicht gehalten.