In der Neustadter CSU rumort es offensichtlich ganz gewaltig. Das zeigt die Unklarheit zum aktuellen Status von Elke Protzmann innerhalb des CSU-Ortsverbandes.
Protzmann, Mitglied des Stadtrates und stellvertretende Bürgermeisterin, hat nach eigenem Bekunden vergangene Woche nach einer Meinungsverschiedenheit eine Sitzung der Stadtratfraktion verlassen. Dieser Schritt wiederum hat ihre Kollegen dazu veranlasst, den Austritt Protzmanns aus der Fraktion offiziell bekannt zu geben. Das jedenfalls geht aus einer Mitteilung des amtierenden Fraktionsvorsitzenden, Frank Altrichter, vom gestrigen Sonntag hervor.
In der nichtöffentlichen Sitzung, so teilte Altrichter mit, habe die CSU-Stadtratsfraktion die Beendigung der Mitgliedschaft von Stadträtin Elke Protzmann "mit sofortiger Wirkung" akzeptiert. Frank Altrichter verabschiedete seine langjährige Fraktionskollegin: "Wir danken Elke Protzmann für ihre langjährige Tätigkeit in der CSU-Fraktion - darunter viele Jahre als Fraktionsvorsitzende. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute."


Dienstag gibt es mehr

Elke Protzmann, derzeit in offizieller Mission als Mitglied der Neustadter Delegation bei den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Villeneuve-sur-Lot in Südfrankreich unterwegs, gab sich auf Tageblatt-Nachfrage gar keine große Mühe, ihre Verwunderung zu verbergen: "Es war nicht mein Austritt!" Ja, sie habe eine Sitzung der Fraktion verlassen - aber damit mitnichten von sich aus der CSU den Rücken gekehrt. Dass jetzt von Frank Altrichter die Trennung als beschlossene Sache verkündigt worden sei, nehme sie "erst einmal zur Kenntnis". Sie jedenfalls könne von sich nicht behaupten, eine Entscheidung getroffen haben. Am Dienstag, nach Rückkehr aus der Partnerstadt, werde sie Gespräche führen und dann eine Stellungnahme abgeben.


Mehr im Laufe der Woche

Auf Tageblatt-Nachfrage wollte Frank Altrichter nicht detailliert über die Hintergründe zum Austritt von Elke Protzmann sprechen. Über diese habe man unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert und so werde es auch bleiben. Wie sich die CSU personell nach einem Ausscheiden der stellvertretenden Bürgermeisterin aufstellen werde, sei bislang noch kein Thema gewesen. "Das werden wir in den nächsten Wochen klären", kündigte Altrichter an.
Klar sei aber, dass man sich in der CSU nicht lange mit personellen Rochaden beschäftigen werde, es gelte "volle Kraft für die Aufgaben vor Ort", sagte der Fraktionsvorsitzende und verwies auf die anstehenden großen Herausforderungen: den Umbau des Rathauses und die Sanierung der Volksschule "An der Heubischer Straße".
Kommt es zur Trennung, verliert die CSU im Stadtrat eine ihrer profiliertesten Persönlichkeiten. Die 62-Jährige ist derzeit Stellvertreterin von Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD), arbeitet mit diesem nach gegenseitigem Bekunden sehr gut zusammen und ist als Leiterin des Bausenates derzeit für mehrere wichtige Projekte im Stadtgebiet (politisch) mitverantwortlich.
Bei dieser Aufgabe geriet sie im vergangenen Jahr allerdings auch mit ihrem Stadtrats-Fraktionskollegen, dem Landtagsabgeordneten Jürgen W. Heike, heftig aneinander. Dieser übte mehrfach öffentliche Kritik am baurechtlichen Verfahren zur Ansiedlung eines Verbrauchermarktes in der Innenstadt. Das wiederum brachte Heike mehrere schriftliche Klarstellungen von Elke Protzmann ein.
Innerhalb der Neustadter CSU spielt Elke Protzmann schon seit Mitte der 80er Jahre eine Rolle. Damals war sie bei der Gründung der Frauen-Union dabei, 1990 schaffte sie den Sprung in den Stadtrat. Dort leitete sie von 1996 bis 2014 die CSU-Stadtratsfraktion. Eine Amtsperiode (von 2008 bis 2014) war sie sogar Stellvertreterin des Coburger Landrates, Michael Busch (SPD).