In seiner Debüt-Saison am Landestheater wartet viel Arbeit auf Coburgs neuen Ersten Kapellmeister Johannes Braun. Am Samstag, 23. September dirigiert er die Wiederaufnahme von Mozarts "Figaro". Warum er sich für eine Karriere als Dirigent entschieden hat, verrät er im Gespräch.

Sie haben zunächst Musikwissenschaft und Geschichte studiert. Was war der Auslöser, schließlich doch Dirigent zu werden?
Johannes Braun: Ich bin von Haus aus eigentlich Geiger, später erst kam das Klavier dazu. Ursprünglich wollte ich Geige studieren, bin nach dem Abitur dann aber in eine Sinnkrise geraten und habe mich gefragt, ob ich das wirklich will. Ich wusste nur: Ich muss Musik machen. Deshalb habe ich zunächst angefangen, Musikwissenschaft und später Schulmusik zu studieren. Ein guter Freund hat dann ein Kammerorchester gegründet und mich gefragt, ob ich das dirigieren wollte. Das habe ich ausprobiert und habe Feuer gefangen. Da wusste: Das will ich machen. Da ich als Geiger quasi in diversen Jugendorchestern groß geworden bin, war dann der Schritt ans Dirigentenpult nicht mehr ganz ungewohnt.

Welche künstlerischen Vorbilder haben Sie geprägt?
Von der Technik her Carlos Kleiber - das war unglaublich, wie er die Klänge formen konnte. Und vom Charisma her Claudio Abbado. Ihn habe ich einmal live erlebt - mit Mahlers "Sechster" in Luzern. Mich faszinieren aber auch Künstler aus der Alten-Musik-Szene, Reinhard Goebel zum Beispiel.

Welche Komponisten sind Ihre Lieblingskomponisten?
Das ist eine schwierige Frage. Bei Mozart und Haydn fühle ich mich zuhause, das ist Musik, die ich schnell verstehe. Tschaikowsky ist auch ein Lieblingskomponist, Prokofjew, Schostakowitsch - überhaupt die Russen. Und natürlich Mahler. Von ihm durfte ich schon die "Vierte" dirigieren.

Welche Aufgaben stehen für Sie in Coburg zunächst an?
Nach der Wiederaufnahme von "Figaros Hochzeit" an diesem Sonntag steht als erste eigene Einstudierung Lehárs "Land des Lächelns" an, dann "La Cenerentola" von Rossini und der Ballettabend "Der Feuervogel" mit der Musik von Igor Strawinskij. Außerdem darf ich ein Sinfoniekonzert dirigieren - das 2. Sinfoniekonzert mit Werken von Haydn, Weber und Poulenc und der Uraufführung des Hornkonzerts von Hans Stähli.

Welche Ziele haben Sie für Ihr Engagement in Coburg?
Ich möchte einfach alles aufsaugen, was möglich ist. Das ist wichtig für meine Entwicklung. Ich nehme einfach alles mit, bin bei den Einstudierungen dabei, arbeite mit den Sängern. Die erste Woche in Coburg war schon sehr anstrengend, aber es macht einfach Spaß.

Sie stehen als Dirigent am Anfang Ihrer Karriere, haben sogar noch das offizielle Konzertexamen vor sich. Sind Sie angespannt, wenn Sie im Orchestergraben stehen?
Eigentlich gar nicht. Ich fühle mich einfach wohl. Dirigieren, das ist der reinste Adrenalinschub. Ich freu' mich drauf, das ist genau das, was ich machen will.

Sie haben den Ernst-von-Schuck-Preis gewonnen - benannt nach dem Dirigenten der Salome-Uraufführung. Welche Bedeutung hat das Werk von Richard Strauss für Sie?
Ich bin sehr darauf gespannt, irgendwann mal meine erste Strauss-Oper dirigieren zu können. Davor habe ich einen Heidenrespekt. Bislang ist mir Strauss nur auf dem Konzertpodium begegnet. Seinen "Don Juan" durfte ich schon einmal dirigieren. Auch wenn das nur eine Probe war in Jena: Das hat ganz gut geklappt. Bei Strauss braucht man diese besondere Flexibilität im Schlag, wie sie Carlos Kleiber besessen hat.

Was steht neben den Einstudierungen am Landestheater in nächster Zeit noch für Sie an?
Ich werde ein Neujahrskonzert mit dem Folkwang-Kammerorchester in Essen dirigieren. Mit der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford stehen im Frühjahr neun Konzerte an, und mit der Nordwestdeutschen Philharmonie Recklinghausen gibt es eine Reihe von Familienkonzerten.

Der Beruf des Dirigenten ist auch körperlich sehr anstrengend. Wie halten Sie sich fit?
Da muss ich mir tatsächlich noch etwas suchen. Früher bin ich viel schwimmen gegangen.



Aus dem Leben eines jungen Dirigenten



Johannes Braun studierte zunächst Musikwissenschaft und Geschichte an der Ruprecht-Karls- Universität in Heidelberg und später Schulmusik und Orchesterdirigieren bei Andreas Weiss an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Anschließend wechselte er an die Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, um dort sein Dirigierstudium fortzusetzen.


Derzeit studiert er im Konzertexamen Orchesterdirigieren bei den Professoren Nicolás Pasquet und Ekhart Wycik. Sein Studium bei Nicolás Pasquet schlägt die Brücke zum Landestheater. Schließlich war Pasquet dem Landestheater seit Herbst 2001 mehrere Spielzeiten als Gastdirigent fest verbunden.

Meisterkurse absolviert Neben seinem Studium erhielt Johannes Braun durch Assistenzen und Meisterkurse wichtige künstlerische Impulse. So assistierte er namhaften Dirigenten wie Francois Xavier Roth, Sylvain Cambreling, Johannes Klumpp und besuchte Meisterkurse bei Bernard Haitink, Alessandro de Marchi und Jukka-Pekka Saraste
Auszeichnungen Zu den jüngsten Erfolgen von Johannes Braun gehören die Auszeichnung der Familienstiftung Ernst Edler von Schuch mit dem Ernst-von-Schuch-Preis im Herbst 2016 sowie die Aufnahme in die Künstlerliste "Maestros von morgen" des Deutschen Musikrates.

Theater-Tipp Wolfgang Amadeus Mozart "Die Hochzeit des Figaro", Opern-Wiederaufnahme Samstag, 23. September, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg, musikalische Leitung: Johannes Braun