Vier Tage vor dem Ernstfall in der Regionalliga Bayern gibt der VfL Frohnlach bekannt, dass die Zusammenarbeit mit Trainer Andreas Schöll am Ende der Saison beendet wird. Der Vertrag mit dem 43-jährigen A-Lizenz-Inhaber wird nicht verlängert.

Damit endet nach Meinung vieler Beobachter eines der größten Missverständnisse der letzten Jahre bei den "Blau-Weißen". Es ist nämlich längst kein Geheimnis mehr, dass der Nachfolger des im Oktober vergangenen Jahres freiwillig von seinem Posten zurückgetretenen Dieter Kurth nicht für den erhofften Aufschwung beim abstiegsgefährdeten Regionalliga-Aufsteiger sorgen konnte. Im Gegenteil: Die Unruhen im Spielerkader nahmen zu, die Mannschaft rutschte mit ernüchternden Leistungen immer tiefer in den Tabellenkeller und kam aufgrund öffentlich gewordener Differenzen nicht aus den Negativschlagzeilen heraus.

Abwärtstrend nicht gestoppt

Auch die Zahlen belegen den Abwärtstrend: Unter der Regie des ehemaligen Profi des 1. FC Nürnberg (ein Bundesliga-Einsatz) wurde die Talfahrt nicht gestoppt. In sechs Spielen mit Schöll an der Linie holte der VfL nur ein 2:2 gegen den FC Augsburg. Fünfmal verließ das Team als Verlierer den Platz.

Aber auch während der nun zu Ende gehenden Vorbereitungsphase blieb der angestrebte Aufwärtstrend aus. Zwar stabilisierte sich die Lage und die herrschenden Meinungsverschiedenheiten in Zusammenhang mit Teamführung, taktischer Ausrichtung oder speziellen Trainingsmethoden rückten in den Hintergrund, doch die Fakten sind weiter alarmierend.

Verletzte und gesperrte Spieler während der Vorbereitungsphase, die relativ schwachen Leistungen in den Testspielen mit teils klaren Niederlagen auch gegen unterklassige Gegner - am letzten Samstag gab es ein 1:3 beim Bayernligisten Würzburger FV - sowie mehrere gescheiterte Versuche, Verstärkungen an Land zu ziehen, sorgten erneut für Ernüchterung im Lager des VfL. Der Spielerkader konnte nicht wie geplant ergänzt und verbessert werden, sondern musste sogar drei Abgänge in Kauf nehmen.

Weitere Abschiede schon angekündigt

Ertan Sener (Anadoluspor Coburg), Daniel Sam (Spvg Selbitz) und Frank Zapf (TSV Neudrossenfeld) haben den Klub bereits verlassen, weitere Leistungsträger, darunter die beiden Spielführer Bastian Renk (Spielertrainer beim Kreisklassisten TSV Sonnefeld) und Christian Beetz kündigten ihren Abschied aus Frohnlach zum Saisonende bereits an. Andere wechselwillige Spieler erhielten dagegen keine Freigabe.

Als Neuzugang stieß lediglich der Amerikaner Zackery Mahon neu zum Kader. Er soll ab sofort die Offensive verstärken. Ob diese aktuelle Entwicklung letztlich ausschlaggebend für die jetzt von Vereinsseite veröffentlichte Mitteilung war, sei dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass nach Überzeugung direkt Betroffener "eine Leidenszeit für alle Beteiligten" sein Ende finden wird. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe ist unmittelbar vor dem Re-Start sicher alles andere als günstig, überraschend kam die Mitteilung allerdings nicht. Schließlich stand Schöll bereits im Dezember vor dem Aus.

Nachdem er intern bereits entlassen worden war und den Entschluss des Vorstandes seinem Förderer und Mentor Franz Stegner - auf den Vorschlag des VfL-Sponsors wurde Schöll verpflichtet - mitteilte, sprach Vorstandsmitglied Klaus Schillig nach reiflicher Überlegung ein Machtwort. Schöll durfte plötzlich doch bleiben und der als Nachfolger vorgesehene Stefan Braungardt wurde unmittelbar vor dessen erster Trainingseinheit zurückgepfiffen.

Rückt Stefan Braungardt auf?

Nun spricht aber alles für "Brauni", denn VfL-Vorsitzende Christina Schön hat in der Pressemitteilung des Vereins angekündigt, dass für die "Neubesetzung des Trainerpostens bereits entsprechende Gespräche geführt werden. Mit einer Entscheidung dürfte in absehbarer Zeit zu rechnen sein".

Und der aktuelle Trainer der Frohnlacher Zweiten wäre im Falle eines Abstieges aus der Regionalliga sicher bereit für die Herausforderung Bayernliga. Der C-Lizenz-Inhaber arbeitet gerade an seiner B-Lizenz und hat sich als langjähriger VfL-Spieler viele Sympathien bei den "Blau-Weißen" und im Umfeld erworben. Noch hüllen sich die Beteiligten allerdings in Schweigen. Unterschrieben ist nichts. Zuletzt hat er gezeigt, dass er mit jungen Talenten aus der Region etwas formen kann. In der Bezirksliga spielt seine U23-Mannschaft um den Aufstieg in die Landesliga mit.

Ziel des VfL wird es sein, mit den verbleibenden Spielern des aktuellen Kaders, dazu die besten Youngster der Zweiten und einigen hoffnungsvollen Neuzugängen wieder eine schlagkräftige Mannschaft zu bilden. Mit dieser dann hoffentlich intakten Gemeinschaft sollten sich die Zuschauer dann auch wieder identifizieren, schließlich hat auch das Interesse trotz der höheren Spielklasse in den letzten Monaten stark nachgelassen.

Talente auf dem Wunschzettel

Als mögliche Kandidaten, die ab der neuen Serie zum VfL Frohnlach stoßen könnten, werden bereits die beiden ehemaligen Coburger A-Jugendlichen Lukas Pflaum und Yannic Zinke vom SV Memmelsdorf oder der aus Neustadt stammende Stürmer Tevin McCullough (jetzt in Erlangen aktiv) sowie die noch im Coburger Nachwuhchsleistungszentrum aktiven Talente Daniel Alles, René Knie und Jonas Krüger gehandelt.


Der VfL informierte doppelt

Der VfL Frohnlach informierte am Dienstag mit zwei Pressemitteilung die Medienvertreter, weil Andreas Schöll mit einigen Formulierungen in der ursprünglichen Erklärung wohl nicht einverstanden war.
Der nur für das Versenden der Mitteilungen verantwortliche Mitarbeiter Ulrich Engel kündigte daraufhin seinen Rücktritt als Pressesprecher des VfL Frohnlach an.


1. Mitteilung um 11.56 Uhr:
"Die Zusammenarbeit zwischen dem VfL Frohnlach und Andreas Schöll wird über die laufende Regionalliga-Saison hinaus nicht fortgesetzt.

Unabhängig von der künftigen Spielklasse haben sich die beiden Vertragspartner einvernehmlich auf die Beendigung von Schölls Trainertätigkeit zum Saisonende verständigt.

Der A-Lizenz-Inhaber aus Fürth hatte nach dem Rücktritt von Dieter Kurth im Oktober 2012 das Training beim Regionalliga-Aufsteiger übernommen.

Zur Neubesetzung des Trainerpostens in der nächsten Spielzeit bestätigt die Frohnlacher Vereinsführung indessen, dass bereits entsprechende Gespräche geführt werden. Mit einer Entscheidung dürfte in absehbarer Zeit zu rechnen sein. "

2. Mitteilung um 15.19 Uhr:
"Andreas Schöll hat dem Verein mitgeteilt, dass er seine Trainertätigkeit zum Schluss der Spielzeit beenden wird, nachdem ihn die Vereinsführung über geplante Veränderungen bei den Rahmenbedingungen beim VfL Frohnlach informiert hatte.

Der VfL, der Schöll als hervorragenden und fairen Fußballfachmann kennen gelernt hat, bedauert, ihm nicht die Plattform bieten zu können, die es ihm ermöglicht, seine außergewöhnlichen Qualitäten als Trainer dauerhaft zu nutzen und umzusetzen."