Optimisten werden sich nach diesem Abend in der Aula der Coburger Hochschule gut gelaunt auf den Heimweg machen. Denn beim Literatur-Festival "Coburg liest" beweisen zwei Talkshow-Routiniers, dass sich mit dem Thema Politik beachtlich viele Zuhörer anlocken lassen. Mit ihrem Polit-Duell "Augstein und Blome" auf dem Nischen-Sender Phoenix demonstrieren die beiden Journalisten Jakob Augstein und Nikolaus Blome seit Jahren, dass sich geschickt in Szene gesetzte Kontroversen zum erfolgreichen TV-Format eignen.


Antworten auf die Fragen der Deutschen


"Links oder rechts?" haben Augstein und Blome einen Band getauft, in dem sich die in Buchform gegossenen Inhalte ihrer TV-Diskussionen gesammelt finden. Untertitel: "Antworten auf die Fragen der Deutschen". Auf dem Hochschul-Podium führen die beiden Medien-Profis vor, wie sich konträre politische Ansichten zu aktuellen Themen unterhaltsam und spannend formulieren lassen.


Gemeinsam vereinbarte Spielregeln

Bei ihrem Coburg-Auftritt zeigen Augstein und Blome, wie das funktionieren kann - vorausgesetzt, man hält sich an gemeinsam vereinbarte Spielregeln. Auf das richtige Maß an politischem und gesellschaftlichem Streit kommt es an. Darin sind sich Augstein und Blome in ihrem gemeinsamen Vorwort einig: "Gibt es zu wenig Streit, schläft die Demokratie ein. Gibt es zu viel, zerreißt sie."


Gespielter oder echter Streit? Das ist an diesem Abend nicht immer ganz genau zu unterscheiden. Denn Augstein und Blome wissen offenkundig ganz genau, dass ein klug dosiertes Maß an Übertreibung und süffisanter Zuspitzung beim Publikum durchaus ankommt, wenn über Donald Trump und Angela Merkel, über Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern und über die soziale Marktwirtschaft und ihre Deformierung gestritten wird.


Die Rolle des erfolgreichen Vorzeige-Linken - Augstein füllt sie mit Schlagfertigkeit und routiniertem Gespür für die passende Dosis theatralischer Überzeichnung perfekt aus. Als liberal-konservativer Gegenspieler in diesem Duo ist Nikolaus Blome die adäquate Besetzung. Jeder der Beiden weiß ganz genau, bis wohin er zu weit gehen kann, ohne die Spielregeln tatsächlich außer Kraft zu setzen.


Nach einer ausgiebigen Fragerunde wird es am Ende wieder harmonisch - beim gemeinsamen Signieren der Bücher. Politische Diskussion im Infotainment-Format? Warum nicht. Augstein und Blome beweisen in Coburg, dass das niveauvoll funktionieren kann. Und "Coburg liest" zeigt, dass sich diese Literaturtage in ihrer 14. Auflage auch Themen jenseits der Belletristik öffnen können.