Es war der Schreckmoment am Samstagnachmittag: Vom Dach des Stadthauses war gegen 14 Uhr ein Stück von einer vergoldeten Metallfahne abgebrochen und in der Herrngasse aufgeschlagen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, aber selbstverständlich ist man im städtischen Bauamt nun alarmiert. "Wir müssen jetzt Ursachenforschung betreiben", sagte Hochbauamtsleiter Peter Cosack am Dienstagnachmittag im Gespräch mit dem Tageblatt.
Am heutigen Mittwoch sollen die steinernen Figuren auf den Giebeln des Stadthauses - sie halten die Lanzen, von denen das Teil abgebrochen war - aus nächster Nähe unter die Lupe genommen werden. Dazu musste die Stadt allerdings erst entsprechendes Gerät bestellen, denn "man kann nicht einfach so mit der Leiter aufs Dach des Stadthauses steigen", wie Peter Cosack erläuterte.
Im Laufe des heutigen Vormittags werde daher ein großer Hubsteiger auf dem Marktplatz aufgestellt, mit dem dann alle
kritischen Bereiche des Dachs befahren und kontrolliert werden könnten, so Cosack.
Aus der Ferne und ohne einen näheren Blick auf die Bruchstelle könne er sich noch nicht erklären, wie die Metallfahne aus ihrem Rahmen brechen konnte. Zumal das Gewicht der Fahne seiner Vermutung nach höchstens "im Kilobereich" liegen könne. Außerdem sei das Material witterungsbeständig. "Wir wollen auf jeden Fall für alle Eventualitäten gerüstet sein", sagte Cosack. Deshalb werden sich heute auch ein Steinmetz und ein Schlosser die Bruchstelle ganz genau ansehen.
Zwar werden die historischen Gebäude in Coburg routinemäßig kontrolliert und befahren, aber man dürfe nicht vergessen, dass es sich beim Stadthaus um eine Jahrhunderte alte Bausubstanz handle, betonte der Hochbauamtsleiter. "Und wir haben leider keinen Röntgenblick." Sprich, selbst wenn ein Gebäude gerade erst kontrolliert worden ist, schützt das nicht hundertprozentig vor solchen Schäden.


Fahne hing schon etwas schief

Auf einem älteren Foto, das gestern im Tageblatt erschienen war, sei bereits zu erkennen, dass die Fahne schief hänge, sagte Peter Cosack. Allerdings wurde das Foto vor einigen Wochen aus dem Riesensaal der Ehrenburg aufgenommen - eine eher ungewöhnliche Perspektive. Vom Rathaus aus habe man ebenfalls einen guten Blick auf die Figuren, aber von dort aus sei die schiefe Fahne vermutlich einfach nicht zu erkennen gewesen, mutmaßte Cosack.
2008 wurde ein langer Riss im Mauerwerk des Stadthauses aufwendig mit Klammern gesichert. Im Zuge dieser Sanierung waren auch die Steinfiguren auf den Giebeln begutachtet und gereinigt worden.