Der kleine Leuchtturm und der Anker im Vorgarten lassen es ahnen. Dem deutschen Norden gehört Sabine Fischers Verbundenheit. "Mein Mann war bei der Marine und er ist in Hamburg auch in Therapie gewesen als er krank wurde", erklärt sie. Vor sechs Jahren ist ihr Mann verstorben. Ihre Liebe zu Hamburg lebt aber weiter. Diese Liebe wollte sie zum Ausdruck bringen, als sie sich nach einer Pause wieder ein Auto anschaffte. NEC - HH 6 sollte das Wunschkennzeichen lauten. Doch das wurde ihr untersagt - was sie bis heute nicht versteht.
Wer irgendwo in Deutschland zur Zulassungsstelle geht, um ein Fahrzeug anzumelden, darf Wünsche äußern, welche Buchstaben und Zahlen auf das Nummernschild sollen. Tatsächlich ist längst nicht alles erlaubt. Nach Paragraf 8 Absatz 1 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung darf die Zeichenkombination "nicht gegen die guten Sitten verstoßen". Was damit gemeint sein könnte, muss aber jedes Bundesland für sich entscheiden. Das führt zu teilweise recht unterschiedlichen "Schwarzen Listen".
Von alledem war Sabine Fischer nichts bekannt, als sie voller Vorfreude ihr Wunschkennzeichen beantragte. "Mir wurde sofort gesagt, dass das nicht geht. Als ich aber wissen wollte warum, hieß es nur, das sei eben eine Anordnung. Diese Buchstabenkombination darf nicht ausgegeben werden." Sabine Fischer wollte nachbohren und einen Verantwortlichen des Zweckverbandes Zulassungsstelle Coburg sprechen, doch das, wurde ihr beschieden, sei nicht möglich. Es blieb dabei: HH gibt's nicht und basta.


Petitionsausschuss angerufen

Doch so leicht wollte sich die Neustadterin mit Faible für Hamburg nicht abweisen lassen. Sie ging zum Anwalt und wandte sich an den Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags. So erhielt sie die Information, wie in Bayern mit Wunschkennzeichen umgegangen wird. Eine Regelung, deren Text umfangreicher ist als der irgend eines anderen Bundeslandes.
In einigen Fragen sind sich die Länder recht einig. Dabei geht es um Buchstaben, die an die Nazidiktatur erinnern könnten. Kein Bundesland erlaubt die Buchstabenkombinationen KZ, HJ, SA, oder SS. Auch das Kürzel NS ist fast nie genehmigungsfähig - außer in Sachsen-Anhalt. Dazu kommen in einigen Bundesländern weitere Einschränkungen - etwa wenn sich im Heidekreis von Schleswig-Holstein aus die Kombination HEI-L basteln lässt.
Bayern sieht allerdings vor, dass AH und HH vergeben werden dürfen - nur nicht in Kombination mit den Ziffern 18, 88 und gegebenenfalls mit 28. Laut der Internetseite www.gutschild.de wurde den Zulassungsstellen aber Ermessensspielraum eingeräumt. Bei "erkennbarer nationalsozialistischer Gesinnung" sollen die Stellen "weitere Beschränkungen vollziehen". Laut dieser Seite werden daher die in Nürnberg möglichen Kennzeichen N-PD und N-SU nicht ausgegeben.


Schwer nachvollziehbar

Sabine Fischer sah sich bestätigt und berief sich auf die Information des Petitionsausschusses, als sie erneut forderte die Entscheidung zu ihrem Wunschkennzeichen zu überprüfen. "In Sonneberg, Kronach oder Lichtenfels würde ich das Kennzeichen eingetragen bekommen, aber in Coburg nicht", stellt sie fest und schüttelt den Kopf. "Ich sehe sogar noch Autos mit CO-HH Kennzeichen fahren", erklärt sie, warum sie sich massiv in ihren Freiheitsrechten beschnitten fühlt. Tatsächlich wurde erst vor wenigen Jahren (2014), als Stadt und Landkreis ihre Zulassungsbehörden in einem Zweckverband bündelten, für diesen die Verschärfung in Sachen AH und HH verfügt. Wer so ein Kennzeichen schon vorher hatte, durfte es aber behalten.
"In Hamburg fahren Hundertausende Autos mit dem Kennzeichen HH herum", stellt Sabine Fischer nüchtern fest, die sich weit entfernt von jeder Nazi-Ideologie sieht. Und - aus ihrer Sicht noch schlimmer: "IS für Islamischer Staat würde anstandslos eingetragen."
Nach Auffassung des Zweckverbandes, so der Bescheid zu Sabine Fischers Antrag, weist auch die Buchstabenkombination HH auf nationalsozialistisches Gedankengut hin - auch ohne die Kombination mit den Zahlen 18, 28 oder 88. So erhielt Sabine Fischers Anwalt den Hinweis auf die gesetzliche Regelung, die die getroffene Entscheidung zulässt. "Außerdem erleichtert diese klare Vorgabe die Arbeit der Sachbearbeiter, weil ihnen nicht die Verantwortung für die Entscheidung übertragen wird, wer so ein Kennzeichen bekommt und wer nicht", erklärt dieter Pillmann, der Sprecher des Zweckverbands. Der Verband kündigte an, der Antragstellerin einen "kostenpflichtigen Ablehnungsbescheid" zu schicken, falls sie sich damit nicht zufrieden gebe. "Da hab' ich dann meinen Antrag zurückgezogen sagt Sabine Fischer.
Um so mehr freute sie sich, als sie das Garagentor öffnete, und in der Heckscheibe ihres Wagens die Silhouette Hamburgs prangte - nebst den großen Buchstaben HH. "Da hat mir meine Tochter eine Überraschung gemacht" sagt sie strahlend. Ob sie in Sachen Wunschkennzeichen nicht doch noch die Gerichte bemüht, weiß sie noch nicht. So richtig lässt ihr das Vorgehen der Zulassungsstelle nämlich noch keine Ruhe: "Ich fühle mich wirklich zu Unrecht in meinen Freiheitsrechten angegriffen."