Sie alle erinnern sich gemeinsam ein letztes Mal an einen großen Pionier, einen erfolgreichen Unternehmer, einen mutigen, stets bescheiden gebliebenen Menschen - seine Urenkel an einen stolzen Uropa.
Viele waren an diesem ruhigen Samstagmittag zur Laurentiuskirche nach Ebersdorf gekommen, um "Wischi" die letzte Ehre zu erweisen. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, vorne die Familie, enge Freunde, dahinter viel Prominenz aus Wirtschaft, Politik, Sport und öffentlichem Leben.
Auch draußen vor dem Gotteshaus, auf den Stufen bis hinunter zur Hauptstraße standen zahlreiche Freunde, die Abschied nahmen.
Viele Fußballer, vor allem Kicker des VfL Frohnlach. Ex-Spieler und fast alle aus der aktuellen Generation, ehemalige Trainer und viele andere mehr. Sie alle haben in diesen Momenten nichts zu sagen. Alle hören zu, denn an diesem kalten Mittag halten andere die Reden.
Es waren Lobeshymnen auf den 86-jährigen Frohnlacher, der am Ostersonntag nach einer schweren Krankheit im Coburger Klinikum von seinen Leiden erlöst wurde.
Während der gut einstündigen Trauerfeier erfahren die rund 500 Gäste, weshalb Schillig so ein besonderer Mensch war. Der Pfarrer spricht vielen, die dem Verstorbenen nahe standen, aus dem Herzen. Er erzählt von der Konfirmation des 14-jährigen Willi, von den bescheidenen Anfängen mit seiner großen Liebe Trude Volk, von glorreichen Zeiten in der Firma und im Wald-, später Willi-Schillig-Stadion. Und der Geistliche wählt gute Worte, führt der lauschende Trauergemeinde die bewegenden Momente vor Augen, in denen Willi Schillig voller Freude und mit stolzgeschwellter Brust bis zuletzt seine Urenkel herzhaft in den Arm nahm.
Ein enger Vertrauter der Familie sprach stellvertretend für all die vielen Vereine, die Willi Schillig jahrzehntelang großzügig unterstützte, einen beeindruckenden, weil ruhig und sehr einfühlsam vorgetragenen Nachruf. Er war sich sicher, dass der Verstorbene das gewisses Etwas besaß, das seltene Talent, genau zu wissen, wann was geht und wann nicht. Wischi hätte das Gefühl für schnelle, sehr oft richtige Entscheidungen gehabt. Bei diesen Worten erinnerten sich die meisten Anwesenden an den einen oder anderen ganz persönlichen Moment mit Willi Schillig, als der bestimmende, knorrige Unternehmer und stets aufrichtige und immer faire Sportsmann unumstößliche Beschlüsse fasste.
Viele wissen, dass Schillig bis ins hohe Alter in seiner Firma präsent war und dabei nie den Fahrstuhl, sondern stets die Treppen auf dem Weg hoch in sein Büro im 3. Stock benutzte.
Nicht nur seine treuen Sekretärinnen fürchteten diese frühen Montagvormittage, als der "Fußball-Narr" sämtliche Sportartikel in den beiden Coburger Tageszeitungen bis ins Detail studierte. Dabei schimpfte er wie ein Rohrspatz über Schiedsrichter, Fußballer und Journalisten gleichermaßen. Er fluchte lautstark, wusste aber auch unverblümt und aufrichtig zu loben. Bis ins hohe Alter wollte er stets alle Neuigkeiten wissen. Er verpasste wenig.
Dann beschrieb der Pfarrer wie hart der junge Willi gearbeitet hat, als er im August 1945 aus amerikanischer Gefangenschaft vom Krieg heimkehrte und dann mit seiner Mutter Wäschekörbe geflochten hat. In den Trauerreden gab es aber auch immer wieder kurze Pausen, Momente der Stille. Absolute Ruhe nicht nur in und rund um die Laurentiuskirche, sondern gefühltes Schweigen überall in Ebersdorf und Frohnlach. Eine Gemeinde verneigte sich in diesen Sekunden vor einer Persönlichkeit.
Dabei waren Pausen überhaupt nicht das Ding von Willi Schillig. Er war von Kindesbeinen an voller Tatendrang, ob während seiner Lehrzeit als Korbmacher oder als herausragender Fußballer, der sogar zwei Angebote aus dem Profilager ablehnte, weil er sich gemeinsam mit seiner geliebten Frau Trude für das Unternehmen entschied.
Ein rastloses Energiebündel, das nach ärgerlichen Niederlagen seines VfL erst wieder Ruhe und Zufriedenheit bei einem gemeinsamen "Mensch-ärgere-dich-nicht" mit seiner Frau fand. Diese Duelle verlor er nur ungern, wie er augenzwinkernd einst dem Verfasser dieser Zeilen verriet.
Diese kurzen Momente der Stille wirken passend, friedlich, so wie die Atmosphäre auch gar nicht so sehr von Trauer geprägt war, als viel mehr von großem Respekt und unendlicher Dankbarkeit. Es war eine gelungene Verabschiedung mit dem erwarteten, eben diesem Anlass entsprechend großen Rahmen, wie sie sich der Christ Willi Schillig vielleicht sogar gewünscht hätte, obwohl er ungern vom Tod, schon gar nicht von seinem sprach. Auch die Musik, die von der Familie ausgewählt wurde,wirkte beruhigend und phasenweise auch beschwinglich. Von guten Mächten wunderbar geborgen... Ein ergreifendes, vielen unter die Haut gehendes Bläserstück rundete die bemerkenswerte Trauerfeier ab, als der dezent geschmückte Sarg weggefahren wurde.