Für die Mitglieder des TSC Schwarz-Gelb Coburg gibt es keinen schöneren Ort zum Tanzen als ihr kleines Tanzsportzentrum im Coburger Stadtteil Neuses. Vor der Pandemie konnten sie in dem in Teilen über 100 Jahre alten Fachwerkhaus in festlichem Ambiente nicht nur bei ihren Tanzbällen viele schöne gemeinsame Stunden verbringen.

Was die Tänzer dabei aber nicht wussten: Während sie unbeschwert eine flotte Sohle aufs Parkett legten, waren sie die ganze Zeit einer für ihre Augen unsichtbaren Gefahr ausgesetzt. Das historische Fachwerkhaus war in einem derart schlechten Zustand, dass es durchaus auch hätte einstürzen können.

Unsichtbare Gefahr: Historisches Fachwerkhaus in Neuses hätte einstürzen können 

So weit ist es aber zum Glück nicht gekommen - und das auch, weil die Mitglieder des TSC Schwarz-Gelb Coburg gemeinsam über 1000 Arbeitsstunden investiert haben, um ihr geliebtes Tanzsportzentrum zu retten.

"Unser Nachbar hat gesehen, dass an der Außenwand des Gebäudes ein paar Steine hervorstehen, und hat uns Bescheid gesagt - sonst hätten wir die Probleme vermutlich wirklich erst dann bemerkt, wenn uns ein morscher Dachbalken auf den Kopf gefallen wäre", sagt Martin Jürgenliemk, Zweiter Vorsitzender. Bei den Arbeiten an der Fassade haben sich dann weitere Schäden gezeigt: "Um die Steine reparieren zu können, mussten wir das Lüftungssystem abmontieren. Dann sahen wir einen Riss in der Außenwand."

Durch den Spalt alarmiert, habe der Verein dann einen Statiker hinzugezogen, der dem Verein schließlich eine Hiobsbotschaft überbringen musste: Einige Holzbalken waren vom Holzwurm angefressen, andere vom Holzschwamm befallen. Das Tanzsportzentrum war deshalb einsturzgefährdet, wurde sofort gesperrt. Dem Vorstand sei sofort klar gewesen, dass er das historische Gebäude retten musste. "Natürlich hätten wir übergangsweise auch woanders trainieren können - aber falls wir keine dauerhafte Alternative gefunden hätten, wäre uns im schlimmsten Fall aber nichts anderes übrig geblieben, als den Verein aufzulösen", sagt Jürgenliemk.

Vereinsmitglieder helfen bei Sanierung - Freigabe pünktlich zum Neustart nach Corona

Aber der Verein hatte auch Glück: Die Sperrung des Tanzsportzentrums fiel zeitlich mit dem ersten Corona-Lockdown im März 2020 zusammen. "Also wäre der Tanzbetrieb ohnehin eingestellt worden - und wir konnten unsere Energie besser bündeln, um die Bauarbeiten am Gebäude zu koordinieren", erklärt er. In kompletter Eigenregie habe der Verein nach Firmen gesucht, die die morschen Balken Stück für Stück austauschen und auch die anderen Schäden am Gebäude beheben. Damit die Handwerker schneller vorankommen, haben auch die Vereinsmitglieder mit angepackt: "Eine Behandlung gegen den Holzwurm bringt nichts, wenn eine dicke Staubschicht auf den Balken liegt - also haben wir gemeinsam gründlich saubergemacht." Wegen Corona seien an mehreren Tagen jeweils nur drei bis vier Leute gleichzeitig im Einsatz gewesen, um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können. Die Mitglieder mussten beim Putzen selbstverständlich auch Maske tragen. "Das hat aber niemanden gestört - ganz im Gegenteil: Die Maske hatte den positiven Nebeneffekt, dass sie auch vor dem Staub geschützt hat", erklärt Martin Jürgenliemk. Da das Fachwerkhaus denkmalgeschützt ist, haben die Stadt Coburg und der Verein Stadtbild Coburg dem TSC Schwarz-Gelb Coburg finanziell unter die Arme gegriffen.

Pünktlich zum Neustart des Vereinslebens konnten die beiden Tanzsäle wieder freigegeben werden. "Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch - wir wollen zum Beispiel noch neue Lichtakzente setzen, um ein noch schöneres Ambiente zu schaffen. Aber unser Tanzsportzentrum ist jetzt wieder sicher, und das ist die Hauptsache", sagt Jürgenliemk. Bei der ersten Mitgliederversammlung wurden die frisch sanierten Tanzsäle mit Cha-Cha-Cha und Rumba eingeweiht. "Da habe ich gesehen, dass uns der gemeinsame Einsatz für unseren Verein als Team zusammengeschweißt hat." Unter Beachtung der 3G-Regel dürfe der TSC wieder trainieren. Nun warten alle sehnlichst darauf, dass auch die festlichen Bälle wieder stattfinden dürfen: "Wir hoffen ja, dass wir vielleicht schon unseren Silvesterball in unseren frisch sanierten Tanzsälen feiern können."