Das hat Coburg noch nicht gesehen. Der Rosengarten wird zur Musical-Arena. Ein junger Drachen als Bewahrer des Feuers, ein eiskalter Bösewicht, der alles Leben erstarren lassen will, dazu ein Magier und eine schneeweiße Schönheit - das sind die Hauptakteure in Peter Maffays Rock-Musical "Tabaluga & Lilli". Als integratives Gemeinschaftsprojekt des Gymnasiums Albertinum mit der Mauritiusschule Ahorn erlebt das Stück vor Hunderten von Zuschauern seine Coburger Erstaufführung auf der Open-Air-Bühne vor dem Kongresshaus zum Abschluss des fünftägigen Festivals "YouCo".


Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse - in Peter Maffays "Tabaluga & Lilli" wird daraus der Kampf Feuer gegen Eis, Wärme gegen Kälte. Dramaturgisch ist dieses Stück nicht allzu kompliziert, birgt freilich beachtliches theatralisches Potenzial mit seiner märchenhaften Erzählhaltung.
Märchenhaft ist an diesem Abend im Rosengarten aber vor allem die Leistung der jungen Akteure. Rund ein Jahr Vorbereitung steckt in diesem ehrgeizigen Projekt - ein Jahr Probenarbeit mit verblüffendem Resultat.

Lillis Geheimnis

Videoprojektionen ersetzen das Bühnenbild, prägnant charakterisierende Kostüme verleihen den einzelnen Figuren mit geradezu sprechenden Kontrasten unmissverständlich Kontur. Den entscheidenden Rest aber steuern die jungen Darsteller bei. Helmuth Hofmann, langjähriger Leiter der Schultheatergruppe des Albertinums, führt Regie und bündelt dabei die verschiedenen Beiträge von Chor, Tanzgruppe und Vokalsolisten zu einer intensiven Gesamtwirkung.


Die Geschichte von "Tabaluga & Lilli" ist rasch erzählt. Der kleine Drache Tabaluga ist die letzte Hoffnung im Kampf gegen den skrupellosen Bösewicht Arktos (mit intensiver Ausstrahlung: Nicolas Utzschneider), der die Welt im ewigen Eis erstarren lassen will. Um Tabaluga und dessen Vater Tyrion zu besiegen, erschafft Arktos die schöne Lilli (Fenna Kreuz) - schön, aber herzlos. Die Rechnung des Bösen freilich darf am Ende doch nicht aufgehen. In bester Märchenmanier siegt am Ende das Gute mit der Macht der Liebe. Denn die Liebe, das lernt der kleine Drache Tabaluga schließlich, ist das wahre Feuer, das er so lange vergeblich gesucht hatte. Wichtigster Helfer Tabalugas ist ein Magier (bemerkenswert eindringlich: Maarten Flessa), der den unerfahrenen kleinen Drachen mit seinen Fragen und Hinweisen schließlich auf den richtigen Weg bringt.


Verblüffend, mit welcher Bühnenpräsenz die jungen Darsteller diese allegorischen Figuren zum Leben erwecken.Den kleinen Drachen Tagaluga, der mutig, aber auch ein wenig naiv wie Parsifal durch das Leben geht, spielt Felix Gögel mit charmanter Unbekümmertheit, beschützt von seinem Vater Tyrion (unerschrocken und unbeirrbar: Denice Verganza).


Einige Vokalsolisten (Erik Konietzko, Laura Dier, Franceska Mai und andere) bereichern die Aufführung ebenso wie Tanzszenen (Choreografie: Stefanie Voß) und Chorsätze (Leitung: Laura Dier). Den musikalischen Zusammenhang im Hintergrund garantiert die Mitglieder der Coburger Kult-Band "Six in the Basement" - sie spielen, ergänzt durch einige Schüler des Albertinums, den Soundtrack dieses Rock-Musicals mit Präzision und Umsicht. Der Rest ist schier schrankenlose Begeisterung und ausdauernde Begeisterung.


Klar, dass die vielköpfige Schar der rund 80 Mitwirkenden am Ende nicht ohne Zugabe von der Bühne kommt.