Im Frühjahr 2017 wird sich mit der Vorstellung des fortgeschriebenen Netzentwicklungsplans entscheiden, ob eine weitere Stromleitung durch das Coburger Land gebaut werden muss. Im Vorfeld der Fortschreibung hat ein Vorstoß von Hans Michelbach für gewaltigen Wirbel gesorgt: Der Coburger CSU-Bundestagsabgeordnete empfahl der Bundesnetzagentur, die bestehende Stromtrasse zwischen Redwitz und Remptendorf auszubauen - ein Vorschlag, der besonders im Lichtenfelser Raum massiven Widerspruch ausgelöst hat.


Christian Meißner, Lichtenfelser Landrat und Parteikollege von Hans Michelbach, zeigt sich im Interview sichtlich verärgert über den Vorstoß.

Sind Sie von Herrn Michelbach um Vorfeld über seinen Vorstoß informiert worden?
Christian Meißner: Nein. Ich habe dies aus der Zeitung erfahren.

Sie haben vergangene Woche im Lichtenfelser Kreistag gesagt, dass Sie Herrn Michelbach "einiges zu sagen" haben - was denn genau?
Bislang haben wir alle - Bürgerinitiativen, Bürgermeistern und Landräte - uns stets abgesprochen und eine einheitliche Gangart beschlossen. Warum Herr Michelbach den bisherigen Weg verlässt verstehe ich nicht. Einen Trassenvorschlag ohne mit den Verantwortlichen Bürgermeistern und Landräten öffentlich und auch der Bundesnetzagentur zu unterbreiten, ist töricht. Herr Michelbach spricht hier als Abgeordneter auch für den Landkreis Kronach und nimmt hier eine Belastung der Region scheinbar billigend in Kauf. Beim Thema Stromtrassen und deren künftigen Trassenverläufen ist man gut beraten, wenn man den Dialog und die Einigkeit vor Ort sucht. Ein Schnellschuss in der Presse - zumal, wenn er nicht abgestimmt ist - hilft der Region nicht und führt in der Sache nicht weiter.

Mit der Ertüchtigung zwischen Altenfeld und Redwitz wäre die Lücke bis nach Grafenrheinfeld ja noch nicht geschlossen. Haben Sie eine Vorstellung, wie der Ausbau zumindest bis nach Würgau aussehen könnte?
Nein habe ich nicht. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass sich nach den Vorstellungen von Herrn Michelbach der weitere Verlauf nach Süden an dem Vorschlag P 44 mod orientiert. Das heißt: Eine Netzverstärkung oder den Neubau der bestehendee Trasse Redwitz-Würgau-Luderheim vorsieht. Da Herr Michelbach mit mir nicht gesprochen hat, kann ich hier nur Vermutungen äußern.

Bislang gab es ja eine gemeinsame Linie der Bürgermeister aus den Landkreisen Coburg und Lichtenfels. Ist diese Geschlossenheit nach dem Vorstoß Geschichte?
Das ist Spekulation. Ich wüsste auch nicht warum, wir den bislang guten gemeinsamen Weg verlassen sollten. Ich habe auch im Kreistag deutlich gemacht, dass wir hier alle an einem Strang ziehen müssen, nur so werden wir gehört und können auch ernst genommen werden. Ich sehe alle Abgeordneten, egal welcher Couleur, ob Land, Bund oder Europa, also auch Herrn Michelbach, als Unterstützer und Speerspitze für die Interessen ihrer Region beziehungsweise ihres Wahlkreises und der betroffenen Bürger. Warum er zum jetzigen Zeitpunkt unabgestimmt diesen Vorstoß unternimmt, weiß Herr Michelbach nur allein. Mir erschließt sich das nicht! In diplomatischen Kreisen würde man von einem unfreundlichen Akt sprechen!

Geht es jetzt nur noch darum, möglichst keine Masten vor die eigene Haustür zu bekommen?
Wir erwarten einfach, dass hier nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip vorgegangen wird. Auch die im Raum stehende planerische Aussage, Regionen mit vorhandenen Trassen bei der Planung in den Fokus zu nehmen, halte ich für falsch. Wir haben in Redwitz mit dem Umspannwerk eh schon eine Belastung mit Stromleitungen aus allen Richtungen. Sollen hier noch mehr Trassen hinführen? Ich fordere ein kluges Gesamtkonzept für die künftigen Stromtrassen. Alleine die Tatsache, dass man allen Ernstes neben der neu gebauten 380-kV-Leitung von Rödental nach Redwitz eine neue Zweite parallel daneben geplant hat, macht das Unvermögen in den Planungen deutlich. Von einer Gesamtkonzeption ist man hier weit entfernt. Und diese fordere ich. Offen, verlässlich und auf Augenhöhe müssen die Gespräche und Planungen laufen.