Michael Stoschek war es vorbehalten, im Namen der beiden Geehrten für die Auszeichnung zu danken. Er tat dies mit Lob für seinen Kollegen Rolf-Peter Hoenen, sondern auch mit deutlichen Worten in Richtung Kommunalpolitik. "Durch die hohen Gewerbesteuerzahlungen der HUK erhielt Coburg eine Finanzkraft pro Einwohner, die sie bis heute an die Spitze in Bayern stellt, doch die - im Rückblick gesehen - nicht nur ein Segen war: Anstatt in die Zukunft zu investieren, wurden die reichlich vorhandenen Mittel für immer höhere Personal- und Sozialausgaben verbraucht, bis am Ende kein ausgeglichener Haushalt mehr aufgestellt werden konnte", sagte Stoschek.

2006, just in der Phase der höchsten Einnahmen habe es die Stadt versäumt, einen Vorschlag umzusetzen, den Hoenen und Stoschek gemeinsam mit Stadtplanern und Architekten unterbreiteten: Anstatt eine Multifunktionshalle auf der Lauterer Höhe zu bauen, wie es die Stadt damals plante, sollte lieber ein Kongress- und Veranstaltungszentrum inklusive Multifunktionshalle am Anger entstehen. So hatte es das "Neue Innenstadtkonzept" (Nik) vorgeschlagen. Doch umgesetzt wurde es nicht. "Anstelle der defizitären Ballsporthalle am Stadtrand und der vielen ungelösten Probleme der Gegenwart hätte Coburg seit fünf Jahren eine Multifunktionshalle mit einem attraktiven Hotel in der Innenstadt, verbunden mit 20 Millionen Euro jährlicher Kaufkraft und mehreren Hundert Arbeitsplätzen", sagte Stoschek.Damals sei das finanzierbar gewesen, Coburg habe somit eine Chance versäumt. Am Ende hätten sich "die politischen Mehrheiten über die sachlichen Argumente hinweggesetzt".

Die im Saal versammelten Stadträte vernahmen es stumm; Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) wollte sich hinterher nicht zu der Kritik äußern. Stoschek nannte weitere Gelegenheiten, bei der eine "konstruktive Zusammenarbeit" zum Wohl der Stadt nicht oder erst spät zustande gekommen sei: "Mein Eintreten für den Anschluss Coburgs an das Fernstraßen- und Schienennetz nach der Grenzöffnung, mein Engagement für einen busfreien Marktplatz, die Gestaltung des südlichen Stadteingangs oder einen zukunftsfähigen Verkehrslandeplatz."

Sein Rücktritt als IHK-Präsident im Juli 2008 sei ein Zeichen seiner Resignation gewesen, sagte Stoschek. Es sei "der einzige Fall in meinem Leben, dass ich eine mir anvertraute Verantwortung nicht zu Ende geführt habe". Aber die persönlichen Angriffe gegen ihn im Kommunalwahlkampf 2008 und die Unterstellungen gegen seinen Großvater Max Brose "haben mich zutiefst verletzt".

Max Brose war von 1933 bis zur Auflösung 1943 Präsident der IHK zu Coburg; ihm gelang es 1939, das Palais Edinburgh für die Kammer zu kaufen, indem er selbst einen Teil des Kaufpreises übernahm und andere Firmen überredete, einen Teil beizusteuern. Er verstehe seine Auszeichnung auch als Ehrung für seinen Großvater, sagte Stoschek.