Dieser Abend lockt mit dem Charme der Improvisation. Zehn heftige Regenschauer-Minuten vor Beginn reichen aus, um die Freiluft-Serenade der "Coburger Sommeroperette" vor dem ehemaligen Jagdschloss Bad Rodachs in ein Konzert in der nahe gelegenen Stadthalle zu verwandeln. Eilig werden die Stühle in die Halle gekarrt - und weil die Zahl der dabei trocken gebliebenen Stühle nicht für alle Besucher reicht, werden aus dem Geräteraum geholte Turngerätschaften kurz entschlossen zu Sitzgelegenheiten umfunktioniert.

Klangvoll musiziert

Musikalisch freilich wird der improvisierte äußere Rahmen zur Inspiration. Das Royal Salon-Ensemble der "Coburger Sommeroperette" unter Leitung von Gyula Mezei lässt sich jedenfalls durch den kurzfristigen Umzug in die Halle nicht irritieren, sondern musiziert klangvoll und inspiriert, mit lebendigem Ausdruck und fein differenziert im Klang.
Filmmusik von Ennio Morricone und Tangos von Astor Piazzolla, Tschaikowskys "Blumenwalzer" und der rhythmische Schwung des 5. ungarischen Tanzes von Johannes Brahms - vieles hat Platz in diesem kunterbunten Serenaden-Programm. Verblüffend jedoch: Diese kontrastreiche Vielfalt wird nicht zur blanken Beliebigkeit. Vielmehr beweist das Ensemble immer wieder seine besondere Fähigkeit, geradezu magisch wirkende klingende Momente herbei zu zaubern.

Einfühlsame Arrangements

Eine kleine Verzögerung im Tempo des Klaviers, die von Gyula Mezei an der Violine sofort aufgenommen wird - und schon klingen selbst scheinbar bestens bekannte Stücke plötzlich lebendig neu.

Fast jeder Musiker des Ensembles bekommt an diesem Abend die Gelegenheit, solistische Qualitäten zu beweisen - einige von ihnen sogar mehrfach wie beispielsweise László Fehér, der seine Vielseitigkeit im Wechsel zwischen Klarinette, Panflöte und Tarogato (einem klanglich zwischen Klarinette und Saxofon angesiedelten Instrument) beweist. Erzsébet Pazdernik singt Edward Elgars "Salut d'amour" ausdrucksvoll auf dem Cello.

Die stets einfühlsamen Arrangements für dieses Programm hat der Pianist des Ensembles geschrieben: Zsolt Hosszú. Das lautmalerische Virtuosenstück "Die Lerche" von Grigorias Dinicu bildet den umjubelten Abschluss dieses eindringlichen Konzertabends, wobei die Lerche in diesem Fall nicht unter freiem Himmel zwitschert.

Kein Wunder, dass das Publikum freigiebig Applaus spendet und am Ende mit zwei Zugaben belohnt wird. Längst vergessen ist in diesem Moment, dass diese Serenade eigentlich als Freiluftkonzert geplant war. Ganz nebenbei besteht die Gerold-Strobel-Halle bei der Altstadt-Serenade diesen ungeplanten Test als Konzerthalle.