Es war zweifellos einer der spektakulärsten Gerichtsprozesse der letzten Jahrzehnte in Coburg: Am Abend des 6. Oktober 2012 erschoss der frühere Wirt des Alten Schützenhauses, Ulrich S., seine Frau Marie S. in der gemeinsamen Wohnung über der Gastwirtschaft mit einer Schrotflinte. Ulrich S. wurde dafür im August 2013 zu zwölf Jahren Haft verurteilt, obwohl er den Tod seiner Frau vor Gericht vehement als Unfall darstellte. Der MDR beleuchtet den Fall nun noch einmal in seiner Sendereihe "Die Spur der Täter". Dazu hat das Team des Mitteldeutschen Rundfunks in den vergangenen Wochen in Coburg gedreht. Ausgestrahlt wird die Sendung morgen, Mittwoch, um 21.15 Uhr.
"Die Spur der Täter" läuft seit acht Jahren regelmäßig im Programm des MDR. Sie beschäftigt sich jeweils 15 Minuten lang mit abgeschlossenen Fällen.
Dabei kommen auch Betroffene und Prozessbeteiligte zu Wort, der Schwerpunkt liegt aber auf der Arbeit der Ermittler und der Sachverständigen, die Tatabläufe rekonstruieren und nachweisen müssen. Voraussetzung dafür, dass ein Fall in der Sendung behandelt werde, sei ein rechtskräftiges Urteil, wie Laetitia von Baeyer vom MDR erklärt, die an der Entstehung der Sendung mitgearbeitet hat.
Einen Tag lang war das Team für die Vor-Ort-Recherche in Coburg, gedreht wurde insgesamt an drei Tagen - unter anderem im und am Alten Schützenhaus im Weichengereuth, aber auch bei der Coburger Kriminalpolizei. In deren Räumen wurde beispielsweise das Geschehen am Tatabend nachgestellt - teilweise mit den echten Ermittlern der Kripo.
Bei einem so komplizierten Fall sei es allerdings nicht leicht gewesen, alles in 15 Minuten Sendezeit unterzubringen, sagt Laetitia von Baeyer. "Wir hätten noch viel mehr zu erzählen gehabt." Auch sei nicht immer alles einfach zu realisieren. Aber die Kooperationsbereitschaft, die das Team in Coburg erfahren habe, sei toll gewesen, betont sie.

Interview mit Waffenexperten

Etwas größeren Raum im Beitrag nimmt ein Interview mit Axel Manthei ein. Der Waffensachverständige des Landeskriminalamts hatte im Rahmen des Prozesses 2013 mehrere Schussversuche im Keller des Alten Schützenhauses unternommen. Ulrich S. hatte nämlich behauptet, er wollte im Keller mit der Schrotflinte Ratten jagen und habe die Waffe deshalb vorher mit in die Wohnung genommen. Manthei hatte die Geschichte von Ulrich S. mit seinen Untersuchungen gehörig ins Wanken gebracht, denn hätte S. tatsächlich regelmäßig im Keller mit Schrot auf Ratten geschossen, hätte man an Wänden und Decke Bleireste finden müssen. Das war jedoch nicht der Fall gewesen.
Zu Beginn der Sendung am Mittwoch geht zunächst noch um einen anderen Fall: Im Sommer 2012 meldete eine junge Frau bei der Polizei in Eisenach, ihr Lebensgefährte habe einen Freund getötet und im Kleingarten vergraben. Die Polizei fand dort tatsächlich eine stark verweste männliche Leiche. Die Obduktion des 33-Jährigen ergibt, dass ihm der Schädel eingeschlagen und er lebend vergraben wurde. Der Beschuldigte wurde zwar gefasst, stritt aber alles ab. Ein nicht minder hartes Stück Arbeit für die Ermittler.