Der HSC 2000 Coburg hat am Auftaktspieltag ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und eine erste Duftmarke hinterlassen. Das wurde auch beim heutigen Gegner, Meister Rhein-Neckar Löwen, mit hoher Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen.
Doch will die Coburger Mannschaft heute, Mittwoch, Anwurf 20.15 Uhr, und live auf Sport 1, das Husarenstück vom vergangenen Sonntag in Kassel gegen Melsungen auch nur annähernd wiederholen, muss noch mehr passen. "Aber Vorsicht, das sind so Spiele, die hast du nicht so oft, wenn wirklich fast alles funktioniert", hält HSC-Coach Jan Gorr den Ball zu Recht flach. Wenn der im Spiel dann weg ist, dann sind die Außenspieler schon fast an der Mittellinie um einfache Tore zu erzielen, eine Stärke der Gäste.


Die Klasse des Gegners

Über die Klasse des Gegners braucht man gar nicht zu reden.
Wer im Supercup gesehen hat, wie Andy Schmid im Rückraum zusammen mit Kreisläufer Rafael Baena die gegnerische Abwehr ein ums andere Mal auseinandernahm, weiß, dass "die Rhein-Neckar Löwen noch einmal eine andere Hausnummer sind, Welten zwischen uns und denen liegen", wie Gorr feststellt. Wer den 128-Kilo-Spanier am Kreis der "Löwen" stoppen kann, ist eine der spannenden Fragen.
Der HSC-Trainer ist derzeit zufrieden und froh, dass es anders lief als in der Vorsaison, als der HSC als Favorit zum Auftakt nach Rostock fuhr und mit einer Niederlage heimkehrte. "Natürlich gibt uns Kassel Selbstvertrauen, auch wenn im Training am Montagvormittag alle Spieler noch müde und mitgenommen waren. Die Melsungen-Partie hat auch mental sehr geschlaucht." Aber die Stimmung im Coburger Team ist super. Diesen Auftakt hätte der HSC wohl lieber noch ein paar Tage ausgekostet, aber Gorr ist bereits seit Montagmorgen auf den Heimauftakt fokussiert, muss wieder einmal mit weiterem Unbill zurechtkommen.
Neben Philipp Barsties (verletzt) und Florian Billek (noch gesperrt) muss nun auch Tom Wetzel passen. Eine erste Untersuchung hat zunächst einmal den Ausschluss einer knöchernen Verletzung gebracht. Trotzdem wird der HSC-Neuzugang gegen den Meister passen. "Das sieht für Mittwoch sehr schlecht aus, eine Bandverletzung ist es auf jeden Fall. Er ist bei seinem Gegenspieler auf dem Fuß gelandet und umgeknickt", hat sich Gorr bereits mit der Tatsache abgefunden, dass er wie schon in der Vorsaison wohl noch etwas warten muss, bis er aus seinem Kader tatsächlich 14 Spieler auswählen kann.


Jeder ist für Tore gut

Beim Meister ist jeder Spieler für Treffer gut, "extrem viel individuelle Qualität vorhanden", so Gorr. Aber die HSC-Jungs haben beim Auftakt auch fast alle getroffen und vor allem Stehvermögen bewiesen. Trotz der Ausfälle hatten sie am Ende einen 5:0-Lauf.
Gegen die Rhein-Neckar Löwen wird es wieder darauf ankommen, bis zum Schluss dagegen zu halten. "Doch ansonsten sollen meine Spieler diese Partie auch genießen." Gegen die mit Abstand stärkste Defensive der Vorsaison wird das abermals kein Zuckerschlecken. Gorr hat mit Europameister und Olympia-Bronze-Gewinner Hendrik Pekeler dort einen "Fels" ausgemacht, an dem die Coburger erst einmal vorbeikommen müssen.
HSC-Vorstandssprecher Stefan Apfel meinte noch im August 2012 bei einem Interview mit dem Tageblatt zur Eröffnung der neuen Geschäftsstelle: "Die 1. Bundesliga ist Quatsch." Und jetzt kommt der Deutsche Meister zum allerersten Heimauftritt in dieser Liga - doch ein wenig verrückt.
Und einer kehrt schneller in die HUK-Coburg-Arena zurück als er sich das gedacht hatte - Stefan Kretzschmar. Der Handballexperte von Sport 1 war im August 2012 mit dem DHB-Allstar-Team zu einem Gastspiel für gemeinnützige Projekte und bedürftige Menschen dabei.


Kretzschmar kommt wieder

Nach der Autogrammstunde und einem VIP-Büffet in der Arena, sorgte sich Stefan Kretzschmar um die Sperrstunde in der Vestestadt: "Hoffentlich machen die Kneipen hier nicht schon um 23 Uhr dicht - dann komme ich nämlich nicht mehr nach Coburg." Natürlich machten die Gaststätten nicht um Elf zu und die Handballer genossen das Nachtleben in Coburg bis in die frühen Morgenstunden.
Weniger charmant war "Kretzsches" flachsige Bemerkung: "Sensationell, dass am Ende der Welt so eine Halle gebaut wird." Wer den Handball-Freak allerdings damals ein wenig kennenlernte, wusste auch diese Beurteilung richtig einzuordnen.