Der HSC 2000 Coburg hat ein knackiges Auftaktprogramm in der 2. Handball-Bundesliga vor der Brust. So sieht es wohl nicht nur Trainer Jan Gorr. Denn an den Spieltagen 1 und 3 stehen mit den Gastspielen beim VfL Lübeck-Schwartau und dem Wilhelmshavener HV gleich die weitesten Auswärtsfahrten der Saison an. Die ersten Heimgegner sind nächsten Samstag die ambitionierte SG BBM Bietigheim und zwei Wochen später Mitabsteiger HBW Balingen-Weilstetten. Der HSC-Wunschzettel hatte wohl etwas anders ausgesehen.

Der Auftaktgegner aus Lübeck ist verantwortlich dafür, dass es in dieser Zweitliga-Saison ein fränkisches Derby gibt. Die Mannschaft von Torge Greve vermasselte dem fränkischen Rivalen DJK Rimpar Wölfe mit einem 31:29-Erfolg am letzten Spieltag der Vorsaison den Aufstieg in die Beletage. "Diese Aufbruchstimmung und diesen guten letzten Eindruck wollen wir mit in die neue Saison nehmen", zeigt Lübecks Trainer Torge Greve auf, dass dem HSC kein Zuckerschlecken bevorsteht. "Coburg erwartet eine gut gefüllte, stimmungsvolle Hansehalle."


Lübeck ist bereits eingespielt

Der schwierigen Aufgabe ist sich Gorr, der mit seinem Team bereits am Freitag an die Ostsee reiste, bewusst: "Die Hansehalle gehört in der Liga mit zu denen, wo es am emotionalsten zugeht. Aber Emotionen gehören zum Handball dazu. Damit müssen wir umgehen und den Fokus auf uns legen."

Dafür hat der HSC in der Vorbereitung insbesondere sein Repertoire in der Abwehr erweitert. "Wir können abhängig vom Spielverlauf mit mehreren Optionen und Variationen arbeiten", so Gorr. Bei Lübeck, deren großes Plus eine eingespielte Mannschaft mit wenig Veränderungen ist, erwartet er auch mal eine 5:1-Deckung mit einem vorgezogenen Antonio Metzner auf der Mittelposition.

Im Angriff ist der eingespielte und erfahrene Rückraum mit Jan Schult (links), Toni Podpolinski (rechts) und Tim Classen (Mitte) der Taktgeber für das VfL-Angriffsspiel. "Zudem ist Claasen flink und gut im Zwei-gegen-Zwei, wenn er mit seinem Kreisläufer zusammenarbeitet", sagt Jan Gorr, der darauf setzt, dass sein Mittelblock in der Abwehr steht und ergänzt: "Lübeck ist ein Team mit einem hohen Einspielfaktor." Da ist Coburg gerade im Rückraum wegen der aus der letzten Saison noch herrührenden Verletzungen und der Einbindung der Neuzugänge noch nicht so weit. "Wir werden wohl nicht in anderer Besetzung spielen als vergangene Woche im Pokal, auch wenn der Rückraum damit eingeschränkt ist. Aber damit kommen wir jetzt ja gefühlt schon ewig zurecht."


Hoffnung bei "Kiwi"

Tom Wetzel fällt, wie am Donnerstag berichtet, aufgrund einer anstehenden Hüftoperation längerfristig aus, bei Romas Kirveliavicius hat Gorr einen Hoffnungsschimmer für einen Einsatz. Trotz aller Personalsorgen legt der Coburger Coach die Messlatte für sein Team trotzdem hoch: "Auch wenn Lübeck jede Menge an Qualität mitbringt - unser Ziel muss ein gutes Spiel und ein erfolgreicher Auftakt in diese Spielzeit sein."



Randnotizen


Schiedsrichter

Robert Schulze und Tobias Tönnies, die die Partie zwischen Lübeck-Schwartau und dem HSC leiten werden, sind vom Weltverband IHF als eines von 16 Gespannen für die Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland (1. bis 17. Dezember) nominiert worden. Für die beiden Magdeburger ist es die zweite WM-Teilnahme, nachdem sie die deutschen Farben bereits bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2015 in Dänemark vertreten hatten.


Auftaktspiele

Der Saisonstart des HSC in den vergangenen beiden Spielzeiten hätte nicht unterschiedlicher ausfallen können. Vor zwei Jahren gab es beim HC Empor Rostock eine 24:25-Niederlage, Coburg lag allerdings bereits 20:25 zurück. Die Premiere in der 1. Handball-Bundesliga vor Jahresfrist verlief völlig anders. Bei der MT Melsungen machte das Team von Trainer Jan Gorr aus einem 20:20 noch einen 25:20-Sieg.


Serie

Die Ostsee-Reisen liegen den Coburgern eher nicht. Auch in Lübeck gelang bislang noch kein Erfolg. Im Aufstiegsjahr 2016 glückte immerhin ein, im Nachhinein wichtiges, 21:21-Unentschieden. Doch das 20:32 aus dem Jahr zuvor ist bis dato die höchste Zweitliga-Niederlage der Vestestädter. Nach dem Gesetz der Serie - Niederlage, Remis - müsste es nun zu einem Erfolg reichen.


Namensänderung

Vor allem aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten hat sich der Coburger Gegner für eine Umbenennung entschieden. Der DHB-Pokal-Sieger aus dem Jahr 2001 firmierte bisher unter VfL Bad Schwartau - das ist nun Geschichte. Um neue Geschäftsfelder zu erschließen, hatte man sich frühzeitig dazu entschieden, ab der Saison 2017/2018 als VfL Lübeck-Schwartau mit dem mittelfristigen Ziel "Erstliga-Aufstieg" auf Punktejagd zu gehen.