Der junge Zahlenmensch, der den FC Haarbrücken führt wie ein Unternehmen - das sagen manche FCH-Mitglieder schmunzelnd über Simon Weber. Der 30-Jährige gibt ihnen in gewisser Weise recht: "Das Strategische hat mir schon immer gelegen."

Klassisch stieg Weber in den Verein ein: "Ich war erst nur Spieler, als Kind bin ich in der D-Jugend zum FC Haarbrücken gekommen." Trotzdem war sein Jahrgang etwas Besonderes, mit ihm stellte sich der Verein neu auf. Zuvor gab es zehn Jahre keinen Herrenfußball beim FCH. "Aus unserem Juniorenjahrgang wurde die erste Herrenmannschaft, danach wuchs der Verein", sagt der 30-Jährige, der als Torwart auf dem Feld steht. Mit 17 Jahren übernahm er die E-Jugend als Trainer, danach war er wieder "nur" Torwart der ersten Mannschaft - bis Weber merkte, dass ihm etwas fehlte. Oder besser gesagt: dem Verein. Bandenwerbung, Anzeigen in der Zeitung, das komplette Sponsoring lag brach. "Das aufzubauen, dabei habe ich geholfen", sagt Weber.

So wirkte er im Hintergrund mit und brachte seine Ideen ein, ohne viel Verantwortung zu haben. Bis ihn im Januar 2018 der ehemalige Vorsitzende Jochen Langbein bat, seine Stelle zu übernehmen. "Das war mir zu kurzfristig, weswegen ich ihn bat, noch bis Juni im Amt zu bleiben", erinnert sich Weber. Der Sportheim-Umbau war gerade angelaufen und Weber war der federführende Impulsgeber - und das alles ehrenamtlich.

"Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, was wir bis jetzt erreicht haben, ich hätte es nicht geglaubt", sagt Simon Weber über seine beiden Vorstandskollegen und ihr gemeinsames Team. Denn seit März 2020 ist das Sportheim des FC Haarbrücken innen komplett neu gestaltet - und bis auf die Kosten für die Materialien fielen keine Zusatzkosten an. "Wir haben alles selbst gemacht, es gab Mitglieder, die gefliest haben, wir haben Maler im Team, und ein paar Blinde - so wie ich - haben zum Beispiel tragen geholfen", sagt Weber, und man hört ihm an, wie stolz er auf sein Team ist.

Aber er war es auch, der alle angetrieben hat, damit der Umbau innerhalb von zwei Jahren über die Bühne geht: "Keine Geduld zu haben, ist meine größte Schwäche. Ich war zum Teil auch eine Nervensäge, damit alles vorangeht." Bis zu viermal in der Woche half der 30-Jährige abends nach der Arbeit beim Umbau, dazu kam das Training für die erste Mannschaft, die in der Kreisklasse spielt - viel Freizeit blieb da nicht übrig.

"Meine Verlobte kennt mich nicht anders", sagt Weber und schmunzelt. "Aber natürlich bleibt das Privatleben bei solch einem Aufwand auf der Strecke. Wenn es mir nicht so unfassbar viel Spaß machen würde, würde ich es auch nicht tun." Seit Februar ist Simon Weber Vater einer Tochter. "Seitdem versuche ich, alles besser unter einen Hut zu bringen. Ich spiele nicht mehr in der ersten Mannschaft, sondern nur noch in der Dritten, damit habe ich schon einen Tag mehr in der Woche für meine Familie. Und der Umbau des Sportheims war pünktlich zur Geburt fertig, auch wenn das so nicht geplant war", sagt er und lacht. Die Vorstandssitzungen laufen mittlerweile virtuell ab - "und auch erst, wenn meine Tochter schläft." Unter der Woche schaltet Weber sein Handy ab 18 Uhr aus, auch wenn das nicht immer klappt.

Dennoch ist seine Zeit begrenzt. Zusätzlich zur Vollzeitstelle als Leiter für Marketing und Vertrieb bei den Stadtwerken in Neustadt hat Weber zwei Nebenjobs: Zum einen schreibt er Artikel für das Fußballportal anpfiff.info, zum anderen erstellt er Online-Fanshops für Vereine und andere Organisationen. "Vielleicht bin ich ein bisschen arbeitssüchtig", gibt Weber zu. "Bis vor zwei Jahren war es für mich auch total normal, so viel zu arbeiten. Jetzt mit Kind und erst recht mit 30 Jahren merke ich, dass die Belastungsgrenze niedriger ist."

Zum Ausgleich muss Simon Weber raus in die Natur: "Meine Verlobte und ich sind ehrenamtliche Gassigeher für das Tierheim Coburg, und mit unserer Tochter gehen wir allgemein viel spazieren." Außerdem versucht Weber, in jedem Urlaub wegzufahren und zusätzlich sein Handy auszuschalten - so kann auch er abschalten.