Die Hoffnung ruht nun auf diesem Satz: "Wir werden das Programm ,Soziale Stadt‘ deshalb finanziell sehr viel besser und verlässlicher ausstatten als früher." Das hat die neue Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Montag mitteilen lassen. In ihr Ressort fällt in der Großen Koalition auch die Städtebauförderung.
Eine der Städte, die bislang Geld aus dem Programm "Soziale Stadt" erhielten, war Coburg. Mit diesem Förderprogramm sollte die Modernisierung des Stadtteils Wüstenahorn vorangebracht werden. Gleichzeitig wurden Initiativen gestartet, die auch die Lebensumstände der Bewohner verbessern sollen. "Stadtteilmütter" heißt eins dieser Projekte, "Mobiles Atelier" ein anderes.

Doch weil im Städtebauförderprogramm vor allem für den sozialen Bereich die Mittel gekürzt wurden, kann es in Wüstenahorn nicht so weitergehen wie bisher.
Brigitte Lambert, seit 2009 Quartiersmanagerin in Wüstenahorn, muss ihren Posten verlassen. Sie wird wieder in Vollzeit in der allgemeinen kirchlichen Sozialarbeit des Diakonischen Werks tätig sein. In Zukunft wird die evangelische Kirchengemeinde Johanniskirche mit ihrem Diakon Bastian Schober versuchen, einen Teil des Quartiersmanagements zu leisten: den Stadtteilarbeitskreis einberufen, die Zusammenarbeit verschiedener Gruppen und Projekte koordinieren.

Denn auch ohne Geld von Bund und Land soll die "Soziale Stadt Wüstenahorn" weitergehen. Da sind sich Zweiter Bürgermeister Norbert Tessmer (SPD), die Wohnbau-Geschäftsführer Christian Meyer und Andreas Heipp sowie Kirchenvorstand Thomas Nowak einig. Oder, wie Meyer sagte: "Mit Geld kann's ja jeder!"

Es sei ja auch schon viel erreicht worden, lobte Norbert Tessmer: "Die Fröbelstraße galt früher nicht als beste Adresse." Hier finden sich noch viele einfach gebaute Häuser, in den 50er Jahren schnell hochgezogen, um Kriegsflüchtlinge unterzubringen. Rund 600 Wohnungen besitzt die Wohnbau in diesem Stadtteil, 450 davon waren bei der Bestandsaufnahme 2008 sanierungsbedürftig - einige so sehr, dass Abriss und Neubau sinnvoller erschienen.

Ein Drittel dieser Wohnungen ist bereits saniert oder neu gebaut, berichtete Andreas Heipp (Wohnbau). Das nächste Drittel will die Wohnbau innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre fertigstellen. "Das sind Investitionen, die zum Teil höher sind als in der Ketschenvorstadt!" Die sanierten und neuen Wohnungen würden viel dazu beitragen, dass die Bewohner sich wohlfühlen, sagte Tessmer. Und wer sich wohlfühle in seinem Stadtteil, der engagiere sich dort auch.

Doch dafür brauche es das Quartiersmanagement, machte Andreas Heipp deutlich. Die Bürger seien bereit, sich zu engagieren. Deshalb steht auch der Bau eines Bürgerhauses im Plan, doch "da ist es spannend, wie es mit den Fördermitteln weitergeht", sagte Heipp. "Wenn es Geld fürs Bürgerhaus gibt, muss es auch Geld fürs Quartiersmanagement geben."

Noch weiß keiner, ob und wann es wieviel Geld gibt, denn mehr als die Absichtserklärung der Ministerin gibt es noch nicht. Deshalb wird überbrückt: Für die Arbeit der "Stadtteilmütter", ein Projekt der Caritas, hat die Wohnbau Geld zur Verfügung gestellt. Auch das "Mobile Atelier" kann weiterarbeiten. Das "Wüstenahorner Inte grationsprojekt" (Wip) läuft zwar aus Coburger Sicht im Rahmen der "Sozialen Stadt", erhält aber Fördermittel aus dem Bundesprogramm "Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier", kurz Biwaq.

Auch das Wip gehört aus Tessmers Sicht zu den Wüstenahorner Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre. Junge Wüstenahorner ohne Job konnten in dem Projekt eine Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe absolvieren. Vorgesehen war ursprünglich, dass die Ausbildung im Bürgerhaus stattfinden kann - doch das gibt es ja noch nicht einmal. Aber die Schrebergartengaststätte, die just im Frühjahr 2012 frei wurde, eignete sich am Ende genauso gut.

Brigitte Lambert, die scheidende Quartiersmanagerin, forderte denn auch dazu auf, das Erreichte zu sehen und nicht nur das, was noch fehle. Die Arbeit an gemeinsamen Projekten habe auch zu einer Aufbruchstimmung im Stadtteil geführt. Freilich räumen alle Beteiligten ein, dass die Startbedingungen für die "Soziale Stadt" in Wüstenahorn im Vergleich zu anderen Städten sehr gut waren: Es gibt mehrere Vereine, in denen sich viele Menschen engagieren, mit dem Gemeindebrief gibt es auch so etwas wie eine Stadtteilzeitung, und mit dem Kinder- und Jugendzentrum eine seit Generationen etablierte Anlaufstelle für die Wüstenahorner.

Doch erst das Quartiersmanagement im Rahmen der "Sozialen Stadt" machte es möglich, dass die Wüstenahorner auch bei den Fragen zur Stadtteilsanierung mitreden und mitbestimmen konnten - mehr, als bei anderen Sanierungsprogrammen. Davon profitiert die Wohnbau ganz unmittelbar. Vandalismus, sagt Heipp, sei in Wüstenahorn kaum ein Thema.