Wie können Kultur-Veranstalter der Corona-Krise und ihren Auswirkungen trotzen? Die Sommeroperette Heldritt setzt auf kostengünstige Werke in kleiner Besetzung: Franz von Suppés "Die schöne Galathée" und Jacques Offenbachs "Salon Pitzelberger". Beide Einakter waren gemeinsam an einem Abend vor genau 15 Jahren erstmals an gleicher Stelle zu erleben - damals veranstaltet von der Coburger Sommeroperette. Harald Wurmsdobler als Intendant der Sommeroperette Heldritt, Rita Lucia Schneider als Regisseurin und Reinhard Schmidt als musikalischer Leiter verraten, was Corona-Auflagen in der Praxis bedeuten und warum Theaterspiel gerade jetzt wichtig ist.

Die Menschen in der Region haben im zweiten Corona-Sommer mancherlei Sorgen und Nöte. Was spricht eigentlich dafür, sich in einer solchen Situation mit einer gerne als verstaubt angesehenen Gattung namens Operette zu befassen? Gibt es eigentlich nichts Wichtigeres?

Harald Wurmsdobler: Das ist eine provokante Frage. Kunst und Kultur - das ist etwas, was uns als Menschen auch definiert. Kunst und Kultur verhandeln Werte, die uns als Gesellschaft wichtig sind. Wir machen hier musikalisches Unterhaltungstheater - Unterhaltung in einer Zeit, in der es wichtig ist, dass man seine Sorgen auch mal eine Zeit lang vergessen kann.

Rita Lucia Schneider: Und wo sonst werden noch philosophische Werte ausdiskutiert? Außer vielleicht in der Literatur und der Malerei. Irgendwelche Geldgeschäfte können es jedenfalls nicht sein, die uns das Leben als Menschen wertvoll machen.

H.W.: Kunst und Kultur sind für unsere Gesellschaft das Fundament, nicht irgendein Ornament, das man sich dann anheftet, wenn's gerade passt - als Grundlage für uns als Gesellschaft.

Wie sieht das Hygiene-Konzept auf der Bühne aus?

H. W.: Wir testen täglich das Ensemble durch und haben bewusst Stücke gewählt, die wenig Personal auf der Bühne und keinen Chor verlangen, so dass wir das Risiko einer Ansteckung gering halten. Wir hoffen, dass wir mit diesem Konzept, täglich zu testen - egal, ob genesen oder geimpft - genug Sicherheit haben, um auf der Bühne "normal" agieren zu können. Wenn das Orchester ab der zweiten August-Woche da ist, testen wir auch das Orchester. Durch die kleine Orchesterbesetzung mit sieben Musikern haben wir im Orchesterpavillon auch die Chance, die Abstände einzuhalten.

Kleine Darstellerschar, kleines Orchester, mit Suppés "Die schöne Galathée" und Offenbachs "Salon Pitzelberger" zwei Einakter als Programm - wird aus der Operette, die ja gerne als kleine Schwester der Oper wahrgenommen wird, in diesem Jahr ein Sommeroperettchen?

R.L.S.: Das ist ein falscher Gedanken. Operette ist nicht die kleine Schwester der Oper, sondern die große Schwester des Cabarets. Die Qualität entscheidet sich nicht über die Zahl der beteiligten Personen.

In diesem Jahr besteht das Orchester aus sieben Musikerinnen und Musikern. Woher kommt eine Bearbeitung für eine solche kleine Besetzung?

H.W.: Die hat unser musikalischer Leiter Reinhard Schmidt geschaffen.

Reinhard Schmidt: Ich habe die Bearbeitung für Streichquintett, Querflöte und Klavier angelegt - auch wenn eigentlich Harmonium am besten geeignet wäre. Ich habe deshalb bewusst versucht, das Klavier so dezent wie möglich einzusetzen.

Was hat den Ausschlag gegeben für diese beiden Werke? Welche Rolle hat die kleine Besetzung auf der Kostenseite gespielt?

H.W.: Es macht natürlich einen Unterschied, ob ich mit 25 Mann im Orchester spiele oder mit sieben wie in unserem Fall. Ob ich zwölf Solistinnen und Solisten auf der Bühne habe - oder vier. Ein kleineres Stück verlangt auch ein kleineres Budget.

Wie wollen Sie in Corona-Zeit und den damit verbundenen Begrenzungen bei der Zahl der Zuschauer finanziell über die Runden kommen?

H.W.: Wir rechnen damit, dass wir rund 250 Besucher maximal pro Vorstellung auf die Waldbühne lassen dürfen mit einer normalen Kapazität von 800 Plätzen - das kommt auch ein bisschen auf die Zahl der Haushalte im Publikum an - wer neben wem sitzen darf. Durch den Sonderfonds des Bundes und durch die Unterstützung der Niederfüllbacher Stiftung in Form einer Ausfallbürgschaft hoffen wir, die Produktion kostendeckend abzuschließen. Beim Sonderfond des Bundes haben wir uns registriert. Dort wird erst nach den Aufführungen abgerechnet und entschieden, was anerkannt und gezahlt wird. Wir haben auf jeden Fall versucht, das Risiko zu minimieren, indem wir geschaut haben, die Produktionskosten nicht zu hoch werden zu lassen.

Wie hoch ist der Etat in diesem Jahr?

H.W.: Wir kalkulieren mit 60000 Euro. Das ist nur möglich, weil hier sehr viele Menschen ehrenamtlich tätig sind - und weil die Künstlerinnen und Künstler, die wir engagiert haben, zu einem Freundschaftspreis mitwirken. Ohne das wären diese Produktionen nicht zu stemmen.

Singen, spielen und Regie führen: Wie kann das funktionieren?

R.L. S.: Wenn es funktioniert, dann nur in einem kleineren Rahmen. In einem großen Stück mit viel Personal geht das nicht. Und es funktioniert vor allem auch nur mit Kollegen, von denen man weiß, dass sie gut sind und die mir selber auch Feedback geben und mitarbeiten an einer Szene. Sonst fehlt einem ja das Auge von außen komplett.

Sie haben insgesamt vier Probenwochen für die beiden Einakter. Reicht die Zeit?

H.W.: Es dürfte natürlich immer mehr Zeit sein.

R.L.S.: Vier Wochen sind schon sehr, sehr knapp. Aber wir haben zumindest davor schon Zoom-Proben gehabt, und auch schon zwei Proben in Wien. Aktuell liegen wir aber gut in der Zeit - wir sind aber auch am Abend entsprechend k.o., wenn wir von 10.30 Uhr bis 17 Uhr proben, eine Mittagspause abgerechnet.

So funktioniert das Hygienekonzept

Auch in dieser Spielzeit 2021 wird bei der Sommeroperette auf der Waldbühne Heldritt auf Hygiene- und Abstandsregeln geachtet.

- Kontaktnachverfolgung mit Kontaktdatenaufnahme der Besucher und Platzkarten

- Maskenpflicht auf dem gesamten Areal und der Mindestabstand von 1,50 Meter soll eingehalten werden. diese Vorgaben werden von unserem Einlasspersonal kontrolliert und im Falle werden die Besucher darauf hingewiesen

- Maske darf angenommen werden, sobald man seinen Sitzplatz eingenommen hat

- Regelmäßige Desinfektion und Reinigung der öffentlichen Bereiche (Tribünenbereich, Toiletten) sowie Backstage-Bereiche der Künstler

- Geregelter Biergartenbetrieb (Einbahnstraßen-System)

- Bei Krankheitssymptomen und wissentlichem Kontakt mit Covid-19-Erkrankten von einem Besuch der Aufführungen abzusehen.

Durch Hinweisschilder werden die Besucher an das Einhalten der Vorgaben erinnert.

- Solange die Inzidenz unter 50 ist, besteht keine Testpflicht als Voraussetzung für den Einlass.