So nachdenklich und traurig wie am Freitagvormittag hat man Thomas Eck selten gesehen. Der Präsident der Coburger Narrhalla, der eigentlich dafür bekannt ist, mit launigen Worten den Start der Faschingssession auszurufen oder augenzwinkernd die große Prunksitzung im Kongresshaus zu leiten, musste etwas verkünden, was ihm gar nicht gefällt - was aber in Zeiten von Corona auch "alternativlos" ist, wie er sagt: In der Session 2020/2021 wird es von der Narrhalla keinerlei öffentliche und gesellschaftliche Veranstaltungen geben. Betroffen davon sind außer dem Rathaussturm und der Prunksitzung auch der Kinderfasching im Kongresshaus, der Rosenmontagsball im Münchner Hofbräu sowie der Gaudiwurm durch die Innenstadt. Kurzum: Der Fasching 2020/2021 fällt in Coburg aus. In den letzten Tagen waren ähnliche Entscheidungen auch schon in Seßlach, Bad Rodach, Meeder und Scherneck gefallen.

"Krampfhafte Versuche"

Dass in mancher Karnevalshochburg im Rheinland noch immer über mögliche Hygienekonzepte nachgedacht wird, mit denen die fünfte Jahreszeit vielleicht doch irgendwie stattfinden könnte, sieht Thomas Eck sehr kritisch und spricht von "krampfhaften Versuchen". Denn: "Der Fasching lebt doch von der Enge, von der Nähe, vom persönlichen Austausch - die Menschen wollen miteinander schunkeln, singen und tanzen." Nein, bei der Narrhalla zieht man jetzt einen klaren Strich. Zumal der Fasching laut Thomas Eck kein Selbstzweck sei, sondern auch in einem gesellschaftlichen Kontext stehe. Der Präsident sagt es ganz offen: "Ich hätte Probleme damit, auf dem Rathausbalkon den Fasching auszurufen, während Geschäfte um ihre Existenz ringen und auch in Coburg viele Arbeitsplätze in Gefahr sind." Hinzu komme, dass Abstandsregeln, Niesetikette, Mund-Nasen-Schutz "nur schwer" mit Fasching und einem fröhlichen "Idis Ahoi" in Einklang zu bringen seien.

Obwohl so viele Argumente für eine Absage sprechen, sei der Narrhalla die Entscheidung aber nicht leicht gefallen, wie Thomas Eck betont. Und das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Narrhalla auch für ihr soziales Engagement bekannt ist. "Wir sind ja nicht auf Gewinn aus", gibt der Präsident zu bedenken, "alles, was wir verdienen, wird gespendet." In den vergangenen zehn Jahren waren das rund 50000 Euro. "Das hat vielen Institutionen sehr gut getan", weiß allen voran der ehemalige Oberbürgermeister Norbert Tessmer, der sich bei der Narrhalla als Elferrat engagiert und am Freitag Thomas Eck bei dessen Verkündung sozusagen Beistand leistete.

Doch bei der Coburger Narrhalla wurde nicht nur ausgiebig darüber beraten, ob die Faschingssession ausfällt - man hat sich laut Thomas Eck auch schon intensiv Gedanken gemacht, wie die Zeit bis zur Session 2021/2022 überbrückt werden könnte. Denn zum einen wolle man seine eigenen Mitglieder "bei der Stange" halten, zum anderen gehe es darum, in der Öffentlichkeit präsent zu bleiben.

Gänseverlosung soll stattfinden

Was im November 2020 auf jeden Fall stattfinden soll, ist die traditionelle Gänseverlosung in der Fußgängerzone - auch der Erlös dieser Aktion kommt immer einer sozialen Einrichtung zugute. Als zumindest kleiner Ersatz für die Prunksitzung im Januar wird darüber nachgedacht, vielleicht einige Höhepunkte aus den vergangenen Jahren im Internet zu zeigen. Ob und unter welchen Bedingungen im Februar das Verteilen von bis 2000 Krapfen an Seniorenheime und Kindergarten möglich sein wird, muss abgewartet werden. Unbedingt festhalten möchte die Coburger Narrhalla an der jährlich erscheinenden "Mohrenpost", die außer allerhand Berichten über die Aktivitäten der Narrhalla natürlich auch (Geld bringende) Anzeigen enthält. "Wir hoffen, dass unseren langjährigen Partner wieder Inserate schalten", sagt Thomas Eck, ohne an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich zu betonen, dass mögliche Gewinne aus der "Mohrenpost" ebenfalls wieder sozialen Zwecken zugute kommen.

Einen Bericht über die 2020er Prunksitzung der Coburger Narrhalla lesen Sie hier

"Es tut weh", sagt Thomas Eck an diesem Freitag gleich mehrmals - "aber wir tragen nun einmal die Verantwortung." In der Session 2021/2022, das ist das große Ziel, soll dann wieder richtig durchgestartet werden.