Lila Kühe? Gibt's doch gar nicht. Lila Veste? Ist schwierig, aber machbar. Mit den 60 Strahlern, von denen die über der Stadt thronende Burganlage normalerweise bernsteinfarben angeleuchtet wird, ist eine Illumination in Lila technisch zwar nicht hinzubekommen. Aber: Was nicht passt, wurde am Dienstagabend passend gemacht!

Als "Lila-Licht-Meister" war der Coburger Veranstaltungstechniker Stefan Schader beauftragt worden, und zwar von der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög). Der Aufwand war beachtlich, wie er im Gespräch mit dem Tageblatt erklärt. Die besagten 60 Strahler, die einst von der SÜC spendiert wurden, sind nämlich etwas veraltet. Es handelt sich um Natriumdampflampen, deren Farbspektrum sehr begrenzt ist. Mit Hilfe einer Folie lassen sich die Lampen insofern umrüsten, dass sie die Veste auf Wunsch auch in ein rotes, gelbes oder grünes Licht tauchen können - Lila hingegen ist nicht möglich. Aber Lila ist nun einmal die Farbe des Welt-Frühgeborenen-Tages, der am 17. November erstmals auch in Coburg begangen werden sollte. Was also tun?

Keine Steckdosen am Burgwall

Stefan Schader rückte mit 24 Extra-LED-Strahlern an. Aus Kostengründen beschränkte er sich bei der Lila-Beleuchtung allerdings auf die "halbe Veste", und zwar auf jene Hälfte, die von der Innenstadt aus zu sehen ist. "Wir mussten 400 Meter Starkstromkabel verlegen", sagt Schader. Denn: Am Burgwall gibt's keine Steckdosen.

Mit dem Ergebnis zeigte sich Stefan Schader "sehr zufrieden" - und auch viele Coburger waren ganz aus dem Häuschen: Soziale Medien wie Facebook und Instagram werden seit Dienstagabend geradezu geflutet von Bildern der lila Veste.

"Der Coburger freut sich, wenn die Veste leuchtet", weiß Sven Hauschke, der als Leiter der Kunstsammlungen sowieso immer dankbar ist, wenn die Fränkische Krone "ins rechte Licht" gerückt wird. Umso trauriger, dass die Kunstsammlungen auf der Veste derzeit wegen Corona geschlossen sind - aber das ist ja wieder ein ganz anderes Thema. Obwohl: Dass die Lila-Aktion auf eine so große Resonanz stieß, hat nach Einschätzung von Oli Schneider sehr wohl mit der aktuellen Situation zu tun. "In Corona-Zeiten freut man sich über so etwas doch ganz besonders!" Schneider beschäftigt sich als "Intendant" der Museumsnacht ("Nacht der Kontraste") regelmäßig auch mit der Veste und einer stimmungsvollen Präsentation. Er sagt: "Die Veste ist phänomenal - jeder Coburger mag sie!"

Wäre das auch mit weniger Aufwand möglich?

Es wäre technisch ganz einfach: Die 60 Strahler, die rund um die Veste installiert sind, müssten gegen LED-Lampen ausgetauscht werden. Dann wäre der Wechsel auch auf ausgefallene Farben ein Klacks. Aber: Wer soll das bezahlen? Matthias Müller, der die Coburger Außenstelle der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung leitet, würde eine solche Investition zwar begrüßen. Er weiß jedoch, dass sein Haus für so etwas derzeit kein Geld hat. "Außerdem geht der landesweite Trend seit etwa zwei Jahren zu immer weniger Licht - die Beleuchtung bei vielen Schlössern wird bewusst heruntergefahren." Hintergrund seien nicht nur die Kosten, sondern auch der Umwelt- und Tier- beziehungsweise Insektenschutz.

In Coburg wird beispielsweise seit geraumer Zeit Schloss Callenberg nicht mehr angestrahlt - die Stiftung der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha'schen Familie als Eigentümerin hat dies ebenfalls mit einem Beitrag zum Umweltschutz begründet. - Eine beleuchtete Veste hält allen voran der Chef von Coburg Marketing, Horst Graf, für "enorm wichtig" - aus touristischer Sicht, aber auch für die Bewohner. "Eine Beleuchtung dürfen wir uns nicht nehmen lassen!"

Warum steckt die Wifög hinter dieser Aktion?

Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) erhält sehr viel Lob dafür, dass sich die Stadt Coburg erstmals am Welt-Frühgeborenen-Tag beteiligt hat - weltweit werden dabei jeweils am 17. November markante Gebäude lila angestrahlt. Die eigentliche Initiatorin war aber Sophie-Marie Hummelt. Sie ist die Lebensgefährtin von Eric Rösner, der bei der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) arbeitet. Im Sommer war Sophie-Marie Hummelt dem neuen OB begegnet und hatte ihn direkt auf den Welt-Frühgeborenen-Tag und eine mögliche Coburger Beteiligung angesprochen.

Rolf Krebs, der ebenfalls bei der Wifög arbeitet, erinnert sich: "In seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderungsgesellschaft hat Dominik Sauerteig das Thema bei uns platziert." Auf den ersten Blick mag das ungewöhnlich erscheinen, doch auf den zweiten passt es sehr wohl, wie Rolf Krebs dem Coburger Tageblatt erklärt: "Wir selbst sehen die ganze Aktion unter dem Motto ,Leben, Arbeiten und Wohnen in der Vestestadt‘, eben als Ausdruck davon, sich bei einem Arbeits- und Lebensmittelpunkt mit der Familie in Coburg bestens medizinisch versorgt zu fühlen."