Coburg
Interview

So kommt Hollywood nach Coburg

Tobias Materna bringt Korngolds "Stumme Serenade" als Erstaufführung auf die Bühne des Landestheaters.
Tobias Materna bei der Probenarbeit an Erich Wolfgang Korngolds "Die stumme Serenade", die am 25. Februar ihre Coburger Erstaufführung erleben wirdFoto: Jochen Berger
Tobias Materna bei der Probenarbeit an Erich Wolfgang Korngolds "Die stumme Serenade", die am 25. Februar ihre Coburger Erstaufführung erleben wirdFoto: Jochen Berger
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Vielleicht ist das ja der Beginn einer Korngold-Renaissance auf der Theaterbühne. Am 25. Februar erlebt Erich Wolfgang Korngolds "Stumme Serenade" ihre Coburger Erstaufführung. Mehr noch: ihre erste Neuinszenierung an einem regulären Theater seit der missglückten Uraufführung 1954 in Dortmund.

Frage: Nach der szenischen Uraufführung 1954 in Dortmund ist Korngolds "Stumme Serenade" von der Kritik als nicht zeitgemäß verrissen worden und für Jahrzehnte gründlich in Vergessenheit geraten. Warum verdient das Werk eine zweite Chance?
Tobias Materna: Als Problem des Stücks gilt die sehr alberne Handlung. Wir sehen das aber gar nicht als Problem, sondern als Chance. Für mich ist das eine Screwball-Comedy. Wir wollen der "Stummen Serenade" mit Anarchie und Witz eine zweite Chance geben. Die Musik verdient diese zweite Chance auf jeden Fall. Die ist großartig. Die politischen Pointen, die auch drin sind, haben wir zum Teil ein bisschen rausgenommen, die fand ich nicht so bissig.
Jan Hendrik Neidert: Das nicht Zeitgemäße des Stücks hat aus heutiger Sicht für mich schon wieder etwas Skurriles. Gerade das macht die Komik aus. Zur Entstehungszeit war das Werk nicht modern. Heute muss es gar nicht modern sein. Das Unmoderne ist vielmehr auch das Witzige.

Frage: Oper? Operette? Revue? Musical? "Die stumme Serenade" lässt sich nicht so einfach einem gängigen Genre zu ordnen. Wie beschreiben Sie die "Serenade"?
Tobias Materna: Korngold hat "Die stumme Serenade" eine Komödie in zwei Akten mit Musik genannt. Für mich ist das Werk schon sehr operettenhaft. Es hat allerdings noch mehr Text als gewöhnlich bei einer Operette. Man könnte es auch als komische Oper mit sehr viel Text bezeichnen. Und einen Hauch von Musical gibt es auch.
Jan Hendrik Neidert: Für mich ist es gefühlt eine Operette.

Frage: Was ist das zentrale Thema Ihrer Inszenierung?
Tobias Materna: Ich schwanke, ob ich zuerst Film oder Liebe sagen soll. Nein, natürlich ist die Liebe das große Thema.

Frage: Was ist die größte Herausforderung bei diesem Stück?
Tobias Materna: Ganz praktisch gesehen der gleichzeitige Einsatz der Sparten Musiktheater und Schauspiel. Diese beiden Sparten zusammenzubringen, ist herausfordernd. In dieser Hinsicht eine Ausgewogenheit zu finden, das ist das Schwierige.

Frage: Im Original spielt das Stück im Neapel des Jahres 1820. Wo und wann siedeln Sie das Thema an?
Tobias Materna: Bei uns spielt es in den 30er, 40er Jahren in Hollywood in einem Filmstudio. Dort ist ein Filmset aufgebaut, in dem die Handlung der "Stummen Serenade" im Neapel der 1820er Jahre gedreht wird. Ein Filmdreh also auf dem Theater. Und die Figuren bleiben sich treu, auch wenn sie gerade nicht drehen. Die Diva bleibt eine Diva.

Frage: Welche Lösung für das Bühnenbild haben Sie gewählt?
Jan Hendrik Neidert: Wir zeigen das auf einer Drehbühne - aber in einer sehr speziellen Variante, wie es sie so in Coburg noch nicht gegeben hat. Am Anfang sieht man ein Kino, in das alle hineingehen.

Frage: Was ist Ihr Lieblingsstück der Partitur?
Tobias Materna: Das ist schwierig zu sagen. Die Musik ist voll mit Ohrwürmern. Im Sport würde man sagen: Die Spitze ist sehr dicht in dieser Hinsicht. - Das wechselt immer wieder. Im Moment ist es das Titelstück, die stumme Serenade.
Jan Hendrik Neidert: Mein Favorit ist "Ein Schneider ist kein Mann". Das ist sehr witzig.

Frage: Welche Prognose geben Sie der "Stummen Serenade" mit auf den Weg?
Tobias Materna: Ich glaube, dass das Stück nach unserer Inszenierung zumindest eine Weile nachgespielt wird. Einige Anfragen von Intendanten gibt es jedenfalls.

Das Gespräch führte
Jochen Berger.