Es heißt Abschied nehmen von alten Gewohnheiten. Beim gestrigen Stadtempfang im Rathaus sagte Oberbürgermeister Frank Rebhan, dass dieser wohl der letzte seiner Art in gewohnter Umgebung sein wird. Der Rathaus-Umbau steht an, deshalb wird das Foyer im kommenden Jahr nicht zur Verfügung stehen. Vielleicht, scherzte der Oberbürgermeister, würde sich ja ein Stehempfang im Freien anbieten - da sei der Glühwein zur Freude des Kämmerers sicher günstig.
Was der Rathaus-Umbau mit sich bringen wird, da war selbst der OB noch unsicher. "Ob es schöner wird, weiß ich nicht", sagte Rebhan. Aber wärmer und weniger nass an den Wänden werde das neue Rathaus auf jeden Fall.
Mit den Scherzen über den energetischen Umbau des Rathauses war es dann aber auch vorbei mit der guten Laune. Die traditionelle Jahresauftakt-Ansprache des Oberbürgermeisters war eher von einem nachdenklichen Ausblick auf die Zukunft geprägt. Klar, schließlich wurde nahezu zeitgleich ein amerikanischer Präsident vereidigt, der vielen Menschen eher Angst macht. Mit Blick auf den jetzt beginnenden Wahlkampf für die Bundestagswahl im September warnte der Oberbürgermeister eindringlich davor, Kräften das Feld zu überlassen, die in Missachtung aller Fakten mit populistischen Reden auf Stimmenfang gehen. "Wir sollten einer schreienden Minderheit nicht das Feld der Orientierung überlassen" sagte Frank Rebhan. Gerade in diesen Zeiten komme es auch darauf an, zur Wahl zu gehen. Denn: "Jede nicht abgegeben Stimme ist in diesen Tagen eine Stimme gegen uns selbst, gegen unsere Gemeinschaft, unsere Freiheit, unsere Werte und - auch unsere Sicherheit", gab er den zahlreichen Gästen des Empfanges mit auf den Weg.
Mit der Verleihung der Stadtmedaillen würdigte der Oberbürgermeister Neustadter Bürger, die durch ihr ehrenamtliches Engagement zu Garanten eines funktionierenden Gemeinwesens geworden sind.


Hilfe für Kinder in der Ukraine

Für ihr Engagement um die Tschernobyl-Kinderhilfe wurden gleich drei Ehrenamtliche ausgezeichnet. Karin Götz und Sigrid Wolf überreichte Oberbürgermeister Frank Rebhan die Stadtmedaille in Silber. Die Stadtmedaille in Gold erhielt der Vorsitzende der Kinderhilfe, Dieter Wolf. Seit mehr als 20 Jahren setzt sich Wolf für die Tschernobyl-Kinderhilfe ein. Er ist seit Gründung des Vereins Vorsitzender, seine Ehefrau Sigrid Wolf und Karin Götz engagieren sich als weitere Vorstandsmitglieder. Zweck des Vereins ist es, Kindern aus den strahlenbelasteten Regionen rund um Tschernobyl zu helfen. Dieter Wolf und sein Team organisieren für die Kinder aus der Ukraine Erholungsaufenthalte in unserer Region. Bisher konnten sich 410 Kinder im Coburger Land erholen und in diesem Jahr wird bereits die 18. Kindergruppe zu einem vierwöchigen Erholungsaufenthalt erwartet. Und mittlerweile 45 Hilfstransporte der Kinderhilfe gingen von Neustadt aus in die Ukraine.


Musikfreund

Die Goldene Stadtmedaille erhielt auch Karl Mechtold. Er ist seit mehr als 60 Jahren Mitglied beim Musizierkreis gehobener Unterhaltungsmusik. Jahrelang versah er den Posten des Schatzmeisters, seit 1984 bis heute ist er Vorsitzender des Vereins. Rebhan: "Es ist nicht übertrieben, Herrn Mechtold als Seele des Musizierkreises zu bezeichnen." Der leidenschaftliche Cello-Spieler engagiert sich mit großem persönlichem Einsatz bei allen Aktivitäten der Musikfreunde. Seine Verdienste wurden bereits im Jahr 2004 mit der Silbernen Stadtmedaille geehrt.


Vater des Faschingsumzugs

Eine weitere Goldene Stadtmedaille wurde Harald Hammerschmidt verliehen. 25 Jahre lang war er der Organisator des Faschingsumzuges in Wildenheid. In Zusammenarbeit mit dem Bürgerverein hat er viel Freizeit und Energie in diese Aktion gesteckt, die jedes Jahr weiter gewachsen ist. "Durch seinen ehrenamtlichen Einsatz hat Herr Hammerschmidt sehr zur Zusammenarbeit und zum Austausch der Wildenheider Vereine beigetragen", sagte der Oberbürgermeister. Auch in diesem Jahr findet wieder ein Faschingsumzug in Wildenheid statt, allerdings hat Harald Hammerschmidt die Federführung nun abgegeben.


Führerrunde der Pfadfinder

Die Goldene Stadtmedaille überreichte der Oberbürgermeister auch an Karin Schmidt und Michael Faber für ihr Engagement um den Bund der Pfadfinder im Stamm "Löwe von Meißen" in Neustadt. Seit weit mehr als 20 Jahren engagieren sich beide ehrenamtlich bei den Pfadfindern. Gemeinsam sind sie nicht der Vorstand, sondern die Führerrunde wie es bei den Pfadfindern heißt. Gemeinsam richten sie Gruppenstunden aus, organisierten Fahrten und Lager quer durch Europa, kümmern sich um das Stammesleben und halten den Stamm "Löwe von Meißen" in Neustadt lebendig.


Dem Maritimen verschrieben

Eine Goldene Stadtmedaille erhielt auch Klaus Scheler. Er engagiert sich seit 30 Jahren ehrenamtlich bei der Marinekameradschaft Flottenverein. Von 1987 bis 2006 war Klaus Scheler Zweiter Vorsitzender und seit 2006 ist er der Vorsitzende des Vereins. Außerdem ist er seit 1999 Spendenbeauftragter für die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und seit Jahrzehnten ist er bekannt als leidenschaftlicher Sänger beim Neustadter Shanty-Chor. In seiner Funktion als Vorstandsmitglied organisiert Klaus Scheler seit 1992 die mehrtägigen Busfahrten der Marinekameradschaft an die Küste.


Engagierter Christ

Erwin Latzel erhält die Goldene Stadtmedaille für sein Engagement um die Kolpingsfamilie in Neustadt. Seit 1975 ist er Hauptkassierer bei der Kolpingsfamilie und bereits seit 1964 übt er bei der Sudetendeutschen Landsmannschaft ebenfalls das Amt des Hauptkassierers aus. Nebenher war Erwin Latzel noch zwölf Jahre als Pfarrgemeinderat bei der Kirchengemeinde St. Ottilia tätig.


In Fürth "auf Empfang"

Für sein Engagement um die Interessengemeinschaft Großantennenanlagen (IGAF) im Stadtteil Fürth am Berg erhält Karl-Heinz Gahn die Goldene Stadtmedaille. Er Gahn war im Jahr 1978 Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft und ununterbrochen bis 2015 Schriftführer des Vereins. Seit 2015 ist er Beisitzer im Vorstand. Heinz Gahn war maßgeblich an den Verhandlungen mit den Stadtwerken zur Breitbandanschließung von Fürth am Berg beteiligt. Neben seiner Tätigkeit bei der IGAF ist er seit 1989 bis heute Schriftführer im Fürther Burgverein und kümmert sich mit viel Hingabe um die Pflege des Burggeländes in Fürth am Berg. Die dazugehörigen Grünanlagen und Ruhebänke werden von Klaus Gahn in Schuss gehalten.


Gute Seele der Kirchengemeinde

Mit der Verleihung der Goldenen Stadtmedaille an Christa Schamberger würdigt die Stadt ihr Engagement um die Kirchengemeinde Fechheim. Seit Jahrzehnten engagiert sie sich in der Seniorenarbeit bei der Kirchengemeinde. Nach dem Weggang des damaligen Pfarrers Lobenhofer im Jahr 1992 hat Christa Schamberger die Federführung bei der Seniorenarbeit in Fechheim übernommen. Seit mehr als 25 Jahren organisiert und gestaltet sie die monatlichen Seniorennachmittage und auch mehrtätige Busfahrten für die Senioren der Kirchgengemeinde. Zusätzlich hat sie 2002 den "Treff ab 60" ins Leben gerufen. "Frau Schamberger tut dies alles mit viel Leidenschaft und ohne große Worte", lobte Frank Rebhan.


Zwei Frauen für das Grüne

Die Silberne Stadtmedaille wurde Ulrike Bätz und Marina Zarske verliehen. Beide sind seit vielen Jahren ehrenamtlich beim Obst- und Gartenbauverein in Fürth am Berg engagiert. Ulrike Bätz ist seit 20 Jahren Mitglied im Vorstand und seit 16 Jahren übt sie das Amt der Kassiererin aus. Neben dieser Tätigkeit unterstützt sie die Jugendarbeit im Verein. Hier wiederum ist Marina Zarske federführend. Sie war maßgeblich beteiligt an der Planung und Umsetzung der Jugendhütte in Fürth am Berg und betreut seit fast 20 Jahren die Jugendgruppe "Stoppelhopser" im Obst- und Gartenbauverein. Mit neuen Ideen wie der Einführung der Fürther Dorfweihnacht oder dem Kürbisfest tragen beide Frauen zur Belebung des Ortsteiles bei. Und auch die Brauchtumspflege ist beiden wichtig, wie sich jedes Jahr beim Schmücken des Osterbrunnens zeigt. bk/rlu


Stadtempfang Neustadt im Überblick


Goldene Stadtmedaille:
Christa Schamberger, Dieter Wolf, Karl Mechtold, Harald Hammerschmidt, Erwin Latzel, Karin Schmidt, Michael Faber, Klaus Scheler, Heinz Gahn.

Silberne Stadtmedaille: Sigrid Wolf, Karin Götz, Ulrike Bätz, Marina Zarske.

Rahmenprogramm: Es hat in Neustadt Tradition: Hans-Dieter Bauer unterhielt das Publikum mit einem Stück von Franz Liszt am Klavier.