Coburg
Auftritt

So bringt Johann König Coburg zum Lachen

Das Publikum beschimpfen und trotzdem Applaus ernten? Entertainer Johann König zeigt beim Gastspiel im Coburger Kongresshaus, wie dieser Balanceakt funktioniert.
Johann König gastierte im Coburger Kongresshaus. Fotos: Jochen Berger
Johann König gastierte im Coburger Kongresshaus. Fotos: Jochen Berger
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Endlich einmal einen Abend ohne politische Botschaften genießen - ohne kabarettistische Seitenhiebe auf die wahlweise korrupten oder inkompetenten Entscheidungsträger in Regierung und Wirtschaft. Einen Abend lang keine neuen Katastrophennachrichten hören müssen. Wer eine Eintrittskarte für den fleißig zwischen Weimar und Köln, Kiel und Coburg, Wuppertal und Bamberg tourenden Entertainer Johann König kauft, erwirbt sich ein Ticket für einen Abend garantiert ohne schädliche intellektuelle Nebenwirkungen.

Rückstandsfreies Amüsement - das ist denn auch die zentrale Botschaft von Königs Auftritt im gut besuchten Coburger Kongresshaus, das der Spaßmacher aus Nordrhein-Westfalen flugs mit lächelnder Ironie als "hochmoderne Event-Arena" adelt. Ironie ist Königs Allzweckwaffe. Dabei ist der Entertainer ein skrupelloser Minimalist.
Mit scheinbar möglichst geringem Aufwand möglichst viel Applaus ernten - dieses Rezept hat König längst perfektioniert.


Digitale Applausmaschine

Zu Königs Kalkül gehört dabei ganz entscheidend auch das Gespür für wohldosierte Publikumsbeschimpfung. Ein gelangweilter Blick auf seine Armbanduhr, ein gespielt genervter Stoßseufzer "Ich freu' mich schon auf Halb elf, dann ist Feierabend" - mehr braucht König nicht, um sein Auditorium für sich zu gewinnen. Und wenn er den Beifall zwischendurch immer mal wieder ein bisschen anheizen will, reicht die Drohung mit der mitgebrachten digitalen Applausmaschine, die ganz vorne auf dem Tisch mit Requisiten liegt.

Als Entertainer beweist Johann König jedenfalls sein Gespür dafür, wie sich aus scheinbar banalen Alltagsszenen Pointen drechseln lassen, die ungeniert schlicht sein dürfen und trotzdem zuverlässig zünden, weil sie bisweilen im letzten Moment doch noch in eine unvermutete Richtung abbiegen.

Im Grunde ist es völlig egal, worüber Johann König eigentlich redet. So erzählt er genüsslich davon, dass er als umweltbewusster Verbraucher die unglaublich weiten 100 Meter zum Bio-Supermarkt natürlich nur mit einem PS-starken Geländewagen zurück legen kann, um sich dann mit völlig reinem Umweltgewissen sein Bio-Fleisch zu kaufen. Er geniert sich aber auch nicht, ein Lied über seine an Katzenhaar-Allergie leidende Katze anzustimmen - ein Lied, das auf der nach oben offenen Nonsense-Skala jeden Vergleich mit den kuriosesten Helge-Schneider-Songs gewinnen würde. Wenn König dann noch seine schablonenhafte Mimik wie auf Knopfdruck wechselt und mit weit aufgerissenen Augen ins Publikum blickt, ist ihm der Beifall gewiss.