Der Wunsch nach einem Partner keimt bei manchen Mädchen schon sehr früh auf - wie auch bei einer Elfjährigen, die sich auf einer Online-Plattform für Jugendliche angemeldet hatte, um zu quatschen, neue Leute kennenzulernen und am Ende vielleicht auch einen Freund zu finden.

Weil sie ihn sympathisch findet, gibt sie einem 16-Jährigen aus dem Landkreis Coburg ihre Handynummer, um auf Whatsapp mit ihm schreiben zu können. Um etwas interessanter auf den jungen Mann zu wirken, macht sie sich im Gespräch zwei Jahre älter. Was sie nicht weiß: Auch er hat mit dem Alter gelogen, denn er ist nicht 16, sondern 20 Jahre alt. Er wird sie im Laufe des Chats dazu drängen, ihm Nacktfotos von sich zu schicken.

Vor dem Amtsgericht Coburg musste sich am Dienstag der 21-Jährige dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern stellen. Obwohl er zum Tatzeitpunkt bereits volljährig war, wurde er nach dem Jugendstrafrecht dazu verurteilt, 50 Sozialstunden abzuleisten.

Angeklagter drängte 11-Jährige "einmal mehr von sich zu zeigen"

Der Angeklagte gestand gleich zu Beginn der Verhandlung, was ihm die Staatsanwaltschaft zur Last legte. Im vergangenen Jahr habe er ein minderjähriges Mädchen dazu aufgefordert, doch "auch einmal mehr von sich" zu zeigen, mit dem Zusatz: "Du weißt schon, was ich meine." Falls sie noch keine solchen Fotos von sich habe, dann könne sie ja nach der Schule welche für ihn machen, soll er ihr zuletzt geschrieben haben. Das Alter hatte das Mädchen zu Beginn des Gesprächs falsch angegeben, das macht strafrechtlich aber keinen Unterschied: So oder so war das Mädchen minderjährig, und er wusste es von Anfang an.

Vor Gericht erzählte der leitende Ermittler, wie der verhängnisvolle Chat ans Licht gekommen ist. Demnach war es nicht das erste Mal, dass der Angeklagte mit einer Minderjährigen anzügliche Nachrichten ausgetauscht hat. So wurde im weit entfernten Brandenburg Anzeige gegen ihn erstattet, weil er einer 13-Jährigen ein sogenanntes "Dickpic", also ein Foto seines Intimbereichs, zugesendet haben soll.

Damit die Polizei dem Vorwurf nachgehen konnte, habe der Angeklagte der Polizeiinspektion sein Handy ausgehändigt. Bei der Überprüfung, ob der Angeklagte tatsächlich ungefragt Penisfotos an die 13-Jährige in Brandenburg geschickt hat, sind die Beamten schließlich auf den Chat mit dem anderen Mädchen gestoßen.

21-Jähriger hat "schlimme Lebensphase" und Liebeskummer

Seine Taten erklärte der Angeklagte damit, dass er sich zum Tatzeitpunkt in einer "schlimmen Lebensphase" befunden habe: Seine "große Liebe" habe mit ihm Schluss gemacht, woraufhin er fast täglich "zwischen vier und sieben Flaschen Bier" getrunken habe. Deshalb sei er "abgerutscht" und habe einen "riesengroßen Fehler" gemacht.

Dass er nach dem Jugendstrafrecht verurteilt wurde, ist laut Richterin Daniela Jensch seinem "bewegten Lebenslauf" geschuldet: Nach der Trennung seiner Eltern habe der Angeklagte in der Jugend viele Wohnungswechsel durchgemacht und oft die Schule wechseln müssen - auch, weil er nach eigenen Angaben gemobbt und geschlagen worden sei. Seinen Schulabschluss habe er nicht geschafft, seine Mutter habe ihn mit 18 vor die Tür gesetzt. Diese Umstände ließen die Jugendhilfe vor Gericht darauf schließen, dass der Angeklagte "nicht die geistige Reife eines Erwachsenen" hat.

Da der junge Mann arbeitssuchend und verschuldet ist, muss er statt einer Geldstrafe die Sozialstunden ableisten.