Fasching in Sälen, mit Abstand und Hygieneregeln - kann das sicher funktionieren? Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat da große Bedenken und brachte am Dienstag eine komplette Absage der Karnevals- beziehungsweise Faschingssaison 2020/21 wegen der Corona-Krise ins Gespräch. Während einige Vereine und Akteure protestieren, canceln andere bereits alle geplanten Veranstaltungen. Auch der Faschingsverein Seßlach informierte am Mittwoch seine Mitglieder darüber, dass sowohl der Rathaussturm in November als auch die Bunten Abende im Januar und der Umzug durch die Seßlacher Altstadt am Faschingsdienstag nicht stattfinden werden. Zuvor hatten bereits die Faschingsvereinigung Meeder und Bad Rodach sowie der TSV Scherneck ähnliche Absagen verkündet.

"Dieser Entschluss ist uns mit Sicherheit nicht leicht gefallen, aber wir sehen keine andere Möglichkeit", bittet Präsident Jens-Peter Scholz um Verständnis für den Vorstandsbeschluss. Weder für das Publikum noch für die Akteure könne ein passendes Hygienekonzept Sicherheit vor dem Virus gewährleisten. Als Präsident sieht sich der gerade wiedergewählte Scholz außerstande die Verantwortung zu übernehmen. Das gelte auch für seine neue Stellvertreterin Carina Schäfer. "Jeden Tag gibt es neue Hiobsbotschaften", so Scholz weiter, "es weiß doch keiner, wie es mit dem Virus weitergeht und was noch alles auf uns zukommt."

Der Vorstand hat alle Szenarien gedanklich durchgespielt. Zwar wäre es möglich, die Zuschauer auf Abstand zu platzieren. Doch wie viele der beliebten Bunten Abende müssten dann stattfinden, um die Nachfrage nach Karten zu befriedigen? Und wie soll angesichts der Lücken Stimmung aufkommen? Scholz: "Da brauche ich erst gar keine Schunkelrunde anzusagen." Kann das Seßlacher Sportheim wegen der Aerosole überhaupt ausreichend gelüftet werden? Ohne, dass die Zuschauer im Winter frieren? Sorgen bereitet dem Vorstand auch die Gesundheit der Akteure. "Alle hocken doch üblicherweise hinter der Bühne eng aufeinander", schildert der Präsident. Hohe Hygieneauflagen seien auch bei der Bewirtung im Sportheim kaum zu erfüllen. So müsste etwa eine Industriespülmaschine angeschafft werden, um Gläser heiß genug zu spülen. Scholz ist sich sicher: "Die Kosten würden uns auffressen!"

Karneval ohne Anstoßen, Mitsingen, Schunkeln und Barbetrieb? Dafür mit Mund-Nasen-Schutz und Abstand? "Das macht doch alles irgendwie keinen Spaß", findet der Präsident des Seßlacher Vereins. So fiel die Entscheidung nun vorzeitig, bevor überhaupt Verträge für die Saison geschlossen wurden. Die Garden sollen auf Wunsch des Vorstands weiter trainieren, schon um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Vorausgesetzt, sie finden ein passendes Quartier für die kalten Monate, denn derzeit üben sie im Freien. Scholz: "Noch ist die Schule dazu nicht freigegeben." Vielleicht könnten die Garden ihre Tänze wenigstens bei einem vereinsinternen Fest im Frühjahr präsentieren, überlegt er laut. Was den Seßlacher Narren bleibt, ist die Hoffnung auf eine normale nächste Saison. Das Rundschreiben an die Mitglieder endet mit den Worten: "Wünschen wir uns allen, dass wir gesund bleiben und diese Pandemie irgendwann gestärkt überstehen, um dann mit voller Energie, Spaß und Freude wieder Fasching in Seßlach zu feiern."