VON Aljoscha Kotschy

Coburg — - Zu einem mystischen Ausflug in das Reich der Magie und der dunklen Kräfte lud am Mittwoch im Rahmen des Festivals für Schultheater Coburg die Unterstufen-The atergruppe des Gymnasiums Casimirianum ein. Sie verzauberte mit ihrer Adaption von Otfried Preußlers Jugendbuch "Krabat" das gesamte Publikum in der Reithalle. Die sorbische Sage erzählt eine Geschichte über die Macht der Magie, die Bande der Freundschaft und die Fähigkeit, "nein" sagen zu können.
Unter der Leitung von Cathleen Berger und dem Regie-Quartett Dominik Lapins, Henrietta Sinha, Marla Joy Mierzejewski und Rahel Willmer stellten sich die noch jungen Akteure diesen Themenschwerpunkten und brillierten mit ihrer Leistung auf ganzer Ebene.
Durch viel Liebe zum Detail, etwa selbst gestaltete Panoramen oder geschickt eingesetzte Licht-und Toneffekte, wurde eine von Anfang an faszinierende Welt geschaffen.
Luca Schenk als junger Krabat glänzte in seiner charmanten, authentischen Leistung und verstand es wahrlich, dem Charakter Leben einzuhauchen. Genauso verhält es sich mit seinem Pendant, gespielt von Valentina Gaudiello, die durch ihr Talent einen wirklich bösen, zornigen Meister der dunklen Künste schuf.
Ergänzt wurden die beiden Protagonisten durch die Burschenschaft des Meisters, hier verkörpert von Klara Bordin, Matthias Voelckel, Elsa Kleint, Tom Neumann, Sirena von der Weth sowie Jakob Mauser, die es verstanden, durch witzige Dialoge und tolle Darstellung zu begeistern. Doch auch alle anderen Schauspieler, auf die leider nicht im einzelnen eingegangen werden kann, soll gesagt sein, dass es wirklich Spaß gemacht hat, ihnen zuzusehen.
Insgesamt wurde "Krabat" in der Inszenierung des Casimirianums zu einem aufregenden, ja mystischen Abenteuer, das gleichzeitig weder Dramatik und Witz aus den Augen verlor. Weiter so!
In weiteren Rollen: Helen Degner, Mark Neumann, Alisa Rommershausen, Katharina Ruderich; Blaschke: Yannis Bock, Robin Bank, Estella Spirito, Alice Kraus,Annika Rattay, Lena Augner, Riccarda Pekusa.

Farbenreiche Liebe

VON Daniela Pondelicek

Coburg — Am zweiten Abend des Festivals für Schultheater Coburg 2014 interpretierte die Thea tergruppe des Gymna siums Alexandrinum Shakespeares Drama "Romeo und Julia" neu. Sie verwendete dabei zwar den Originaltext, reduzieren ihn jedoch auf ein Minimum. Alle für das Verständnis des Klassikers unabdingbaren Szenen blieben in dieser temporeichen, präzise gespielten Darbietung aber erhalten.
Das Ensemble unter Leitung von Bernd Rosenthal schaffte es, die Zuschauer der Reithalle 60 Minuten lang zu fordern und zu fesseln. Die Schülerinnen und Schüler aus der Q11 und Q12 sowie der 8. und 9. Klasse gaben dem Klassiker ein modernes Gewand und erzeugten aussagekräftige Bilder, die lange nach der Aufführung im Gedächtnis blieben. Die Darsteller (Alexa Hobusch, Jenny Jaster, Katharina Kroon, Kathrin Leicht, Lars Mewes, Julian Petri, Jannik Schiemann, Lisa Wachter, Felix Werner) agierten souverän.
Der Einsatz vielfältiger technischer Mittel (Matthias Ebert) zieht den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann. Durch die musikalische Untermalung und die abwechslungsreiche Beleuchtung werden unterschiedliche Atmosphären erzeugt. So sind die Kampfszenen in rotes Licht getaucht. Im Gegensatz dazu steht die Balkonszene, die vor blauer Leinwand und auf spärlich beleuchteter Bühne spielt und so die Zerbrechlichkeit der jungen Liebe zeigt.
Besonders gelungen war der Einsatz von grünen und roten Tüchern, mit denen die Zugehörigkeit zu den verfeindeten Familien markiert wurde. Bei der Vermählung Romeos und Julias werden dann Tücher wie Ringe getauscht, was die Verbundenheit symbolisiert.

20 rote Getränkekisten

VON Tim Faaß und Melissa Abis

Coburg — Was man mit 20 roten Getränkekisten so alles machen kann! Dass sie als Tisch und Stühle funktionieren, kann man sich noch leicht vorstellen, doch in der Gestaltung der zwölf Schülerinnen und Schüler der Regiomontanus-Schule wurden sie beim Festival für Schultheater in der Reithalle auch zu Eisenbahnschienen, Straßenbrücken, Minaretten oder Ganzkörperspiegeln.
Am Montag führte die Theatergruppe der Fachoberschule/Berufsoberschule unter Leitung von Marina Krauß das Stück "Lilly Link - oder Schwere Zeiten für die Rev..." auf. Philipp Löhle beschreibt darin, wie Lilly (Daniela Pondelicek, Joanna Kienert und Verena Tischer entsprechend dem zwiespältigen Charakter), ihre Freunde (Johannes Koop, Annika Greiner) und ihr Bruder (Christoph Groß) versuchen, die Gesellschaft wieder stärker für die Wahrnehmung ihrer fünf Sinne zu sensibilisieren. Ihre zum Teil skurrilen Aktionen führen jedoch dazu, dass die Freunde rasch als Terroristen eingestuft werden.
In zahlreichen kurzen Szenen reflektieren die ehemaligen Studenten, weshalb sie vor Jahren die U-Bahnbelüftung mit Parfum versahen oder auch die Trinkwasserversorgung einer Großstadt versalzten - und weshalb eine Teil von ihnen damit jetzt nichts mehr zu tun haben und lieber Karriere machen will.
Unterstützt wird die Bilderfolge von einem stets präsenten Chor, der meist hämisch und aggressiv kommentiert. Ein besonderes Lob gilt auch der Beleuchtung (Adrian Domzig).
Lillys Eltern (Michael Falkenhayn, Ina Rempel), die keinen Zugang mehr zu ihren Kindern haben, die Journalistin Manuela (Sarah Gagel), die die Geschehnisse ausschließlich für ihre eigene Karriere nutzt, und der vorgebliche Selbstmörder Tom (Jakob Löhner), der nur darauf aus ist, seine Mitmenschen zu manipulieren, bieten weitere spannende Facetten.

Glaubhafte Akteure

Daneben ist es insbesondere die Figur des Schippers (Erik Stelzner), die durch ihre gegen den Strich gebürsteten Ansichten dem Stück komö diantische Züge gibt, womit er seinem Chef (Hagen Kohl) den letzten Nerv raubt.Die Akteure konnten sich äußert glaubhaft in ihre Rollen versetzen. Auf emotionaler Ebene wirkte Schauspiel intensiv, obwohl der Handlung manchmal schwer zu folgen war. Die Vorstellung begeisterte das Publikum, das ausgiebig applaudierte.